08. Mai 2020 / 08:36 Uhr

Erster Geisterrenntag auf der Neuen Bult geglückt - aber es fehlt was

Erster Geisterrenntag auf der Neuen Bult geglückt - aber es fehlt was

Simon Lange
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Vor leeren Rängen: Auf der Neuen Bult fand am Donnerstag ein Geisterrenntag statt. 
Vor leeren Rängen: Auf der Neuen Bult fand am Donnerstag ein Geisterrenntag statt.  © Florian Petrow
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Am Donnerstag fand der erste Galopprenntag in Deutschland seit Mitte März statt - und das auf der Neuen Bult in Langenhagen. Die Rennen wurden vor leeren Rängen ausgetragen. "Alle freuen sich - auch die Pferde", sagt Bult-Chef Gregor Baum. Trotzdem fühlt sich so ein Geisterrenntag für alle Beteiligten seltsam an... 

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Strahlender Sonnenschein, wie so oft an Renntagen auf der Neuen Bult – aber sonst ist nichts wie immer. Kein Stau bei der Anfahrt, dafür penible Einlasskontrolle und bereitliegendes Fiebermessgerät, für den Fall, dass sich jemand unwohl fühlt. Leere Tribünen, verwaiste Spielplätze, kein Siegerpodest im Absattelring, geschlossene Wettschalter. Keine Menschenmassen, keine Stimmung, keine Emotionen.

"Irgendwie komisch, so freudlos, wie ein gigantisches Quarantänelager"

Der Geisterrenntag auf der Bult fühlt sich seltsam an. „Irgendwie komisch, so freudlos, wie ein gigantisches Quarantänelager“, sagt Annabel Knigge aus Hannover. Sie ist Pflegerin für Trainer Günter Lentz aus Bremen, steht vor dem Führring und beobachtet, wie sich die Jockeys in den Sattel schwingen fürs erste Rennen des Tages. Es ist kurz vor 14 Uhr, der erste Galopprenntag in Deutschland seit Mitte März steht in den Startlöchern.

130 bis 140 Personen sind zugelassen, maximal 80 von ihnen halten sich gleichzeitig auf der Bahn auf. Trainer, Reiter, Pfleger, Rennleitung, Ärzte, Hufschmiede und Helfer. Alle mit Schutzmaske. Natürlich auch die Jockeys.

Bilder zum ersten Geisterrenntag auf der Neuen Bult:

Der Renntag auf der Neuen Bult fand ohne Zuschauer statt. Zur Galerie
Der Renntag auf der Neuen Bult fand ohne Zuschauer statt. ©

More No Never wird Favoritenrolle gerecht

„Alle freuen sich – auch die Pferde“, sagt Bult-Chef Gregor Baum, der seinen obligatorischen Anzug gegen Jeans, Sneaker, Pulli und Schirmmütze getauscht hat. Das Fernglas baumelt um den Hals. „Es kribbelt“, sagt Baum einem TV-Team. Der Medienansturm ist so groß wie nie. Ganz Deutschland schaut an diesem Nachmittag nach Langenhagen.

Mit sieben Minuten Verspätung startet das erste Rennen. Ein Sprint-Cup über 1400 Meter. Der Favorit siegt locker. More No Never flitzt als Erster am Zielspiegel vorbei. Im Sattel Michael Cadeddu. Die Siegerehrung fällt flach, niemand jubelt. Star-Trainer Markus Klug freut sich nach innen. „Das ist natürlich sehr emotional. Es war unser erster Start in diesem Jahr für das Gestüt Schlenderhahn. Und dann gleich ein Sieg. Und dann hier in Hannover. Das ist schon besonders“, sagt er durch seine Maske, unter der ein Lächeln zu erahnen ist. „Klar, es fehlen die vollen Tribünen.Trotzdem sind wir froh, dass es wieder losgeht.“

10. Rennen am Geisterrenntag auf der Neuen Bult

Alle mit Maske – auch die Jockeys

Die Jockeys müssen sich erst an den neuen Weg zu ihrem Umkleideplatz gewöhnen. Im Aufgang im Inneren des großen Tribünengebäudes sind Bänke in gebotenem Abstand aufgebaut, wo sich die Reiter umziehen können. Auch die Waage ist hier. Die wenigen Reiterinnen haben die eigentliche Kabine für sich. Für alle ungewohnt: Der Mundschutz. Viele tragen Sturmhaube, manche ein Tuch, manche eine normale Maske. „Es ist schon schwierig“, schnauft Bult-Jockey Wladimir Panov nach dem zweiten Rennen durch sein Tuch. „Unangenehm, man kriegt kaum Luft. Während des Rennens geht es noch, danach ist es noch schlimmer“, pflichtet Bult-Jockeuse Lilli-Marie Engels bei.

Auch Michael Vesper ist da, Chef des Dachverbandes Deutscher Galopp. „Natürlich ist das eine ungewohnte Atmosphäre. Es ist trotzdem eine tolle doppelte Premiere. Der erste Renntag in Deutschland nach dem Lockdown. Und der erste ohne Zuschauer“, erklärt Vesper und macht mit seinem Smartphone ein 360-Grad-Video von der gesamten Anlage. Das Schönste an allem sei, „dass man den Pferden ansieht, dass sie auch Spaß haben und endlich Rennen laufen dürfen“.

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Am 21. Mai geht es in Langenhagen weiter

Rund 160 Vollblüter gehen bis in die Abendstunden an den Start. Alles verläuft routiniert und reibungslos, ohne große Aufregung. „Ein sehr disziplinierter Start. Ich bin sehr zufrieden“, sagt Baum.

Die Renntag-Blaupause auf der Bult ist geglückt. Fortsetzung folgt am Freitag in Köln und Sonntag in Hoppegarten. Der nächste Renntag in Langenhagen ist am 21. Mai.