16. Mai 2020 / 19:50 Uhr

Geisterspiel von RB Leipzig: Mäßiger Zuspruch in den Sportbars im Waldstraßenviertel

Geisterspiel von RB Leipzig: Mäßiger Zuspruch in den Sportbars im Waldstraßenviertel

Thomas Fritz
Leipziger Volkszeitung
Wenige Besucher und ebenso verhaltene Stimmung beim Public Viewing in Leipzigs Fußballkneipen. Nur wenige Gäste wollten das Spiel von RB Leipzig gegen Freiburg sehen
Trotz Lockerung der Coroma-Vorschriften blieb der große Zuspruch in den Leipziger Sportbars aus. Nur wenige Fans verfolgten am Samstagnachmittag die Partie von RB Leipzig gegen den SC Freiburg. © Dirk Knofe - Picturework.eu
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Keine Fanversammlungen am Stadion, keine Menschentrauben vor den Kneipen: Rund um die Red-Bull-Arena blieb die Lage beim Geisterspiel zwischen RB Leipzig und dem SC Freiburg wie erwartet ruhig.

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Leipzig. Bundesliga am Samstagnachmittag, ideales Wetter für ein kühles Blondes, seit Freitag dürfen die Lokale in Sachsen wieder öffnen: Normalerweise wären die Sportbars im Waldstraßenviertel gut gefüllt. Doch zum ersten Geisterspiel von RB Leipzigs Vereinsgeschichte gegen den SC Freiburg bleibt der Fanzuspruch eher verhalten. Die Corona-Pandemie wirft ihre Schatten.

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Nur wenige Besucher machten sich auf den Weg zur Red Bull Arena. Ebenso verhalten war die Stimmung beim Public Viewing in Leipzigs Fußballkneipen. Zur Galerie
Nur wenige Besucher machten sich auf den Weg zur Red Bull Arena. Ebenso verhalten war die Stimmung beim Public Viewing in Leipzigs Fußballkneipen. ©

Nicht mal zehn Fußball-Begeisterte verirren sich in die Löwen-Tanke in der Jahnallee. Als Freiburg in der ersten Hälfte 1:0 in Führung geht, wird das eher teilnahmslos aufgenommen. „Wir wären lieber im Stadion gewesen“, sagen zwei junge Kurvengänger, die sonst im Fanblock in Sektor B stehen. Was sie von Geisterspielen halten? Das Wort beginnt mit „sch“ und lässt sich hier nicht zitieren.

Nur der Chef jubelt beim 1:1

Ein ähnliches Bild in Mick`s Pub am Waldplatz. Drei Gäste sitzen in der zweiten Halbzeit vor der Leinwand. Nimmt man die Mitarbeiter dazu, sind sechs Personen anwesend. Peter Martin ist RB-Fan, er hat seine Frau Raissa mitgebracht. Normalerweise schaut er in der „Champions Sportsbar“ vom Marriott Hotel, die aber noch geschlossen ist. „Mir war in den letzten Wochen todlangweilig“, sagt er. „Es ist schön, wieder unter Leuten Fußball zu schauen.“ Mit dem Spielverlauf ist Martin zu Beginn der zweiten Halbzeit weniger zufrieden. Die Elf von Julian Nagelsmann liegt immer noch 0:1 zurück. „Ich weiß nicht, was die in den letzten Wochen trainiert haben“, sagt der Leipziger trotz eines insgesamt engagierten Auftritts. „Sie sind müde“, vermutet seine Gattin.

Fehlende Stimmung im Stadion überträgt sich in die Kneipen

Als Yussuf Poulsen den Ausgleich erzielt, ist Pub-Chef Heid Franz der einzige, der sich zu einem „Jaaa!“-Schrei hinreißen lässt. „Die fehlende Stimmung im Stadion überträgt sich auf die Gäste“ sagt er. Es fehlt hier aber auch einfach die kritische Masse. Wer schreit schon gern, wenn er von allen zu hören ist?

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Rückschlag im Kampf um die ersten Plätze: RB Leipzig ist gegen den Sc Freiburg nicht über ein 1:1 hinausgekommen. Zur Galerie
Rückschlag im Kampf um die ersten Plätze: RB Leipzig ist gegen den Sc Freiburg nicht über ein 1:1 hinausgekommen. ©

Zumindest ein wenig Fußball-Atmosphäre kommt im Sky Pub in der Waldstraße auf. Um die 25 Gäste haben sich drinnen und auf dem Freisitz platziert. Bei Abendspielen bildet sich schon mal eine Traube von ein paar hundert Leuten rund um das Lokal. Als Patrik Schick kurz vor Schluss das 2:1 auf dem Fuß hat, schlagen einige Besucher die Hände über dem Kopf zusammen, einer ruft laut „Ahh!“. Der vermeintliche Siegtreffer der Freiburger in der Nachspielzeit, den der Schiedsrichter wenig später zurücknimmt, sorgt für entsetzte Mienen.

Polizei muss nicht eingreifen

Rund um das Stadion bleiben Fanansammlungen völlig aus. Auf der Westwiese genießen Pärchen die Maisonne, ein paar junge Leute spielen Federball. Die Kumpels Johannes (23) und Mathis (25) nutzen den verwaisten Parkplatz bei den Hauptkassen für eine Partie Fußball-Tennis über eine Schranke.

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Die Fanbeauftragen von RB drehten ihren Runden, eingreifen müssen sie nicht. Auch die Security-Mitarbeiter, die mit Mundschutz ausgestattet, rund um die Red-Bull-Arena patrouillieren, verleben einen ruhigen Nachmittag. Drei Sixpacks der Polizei stehen kurz vor dem Schlusspfiff an der Einfahrt zum Stadion, zwei am östlichen Eingang zur Festwiese. Eine Polizeisprecherin bestätigte auf SPORTBUZZER-Nachfrage: „Es gab für die Einsatzkräfte nichts zu tun.“ Es seien auch keine Freiburg-Fans angereist. Im Vorfeld waren von der Leipziger Polizei zur Unterstützung mehrere Einheiten der Bereitschaftspolizei angefordert worden. Es war laut Sprecherin im Vergleich zu einem regulären Spieltag aber ein deutlich kleineres Aufgebot vor Ort.

Von Normalität war an diesem Spieltag wenig zu sehen – in der Red-Bull-Arena, rund ums Stadion und in den Kneipen. „Man kann nur hoffen, dass die Gäste langsam wieder kommen“, sagte Wirt Heid Franz. Er sprach damit seinen Kollegen in der schwer gebeutelten Branche aus dem Herzen.