29. Oktober 2020 / 07:23 Uhr

Geisterspiele beim SC DHfK Leipzig: "Müssen den Gürtel noch enger schnallen"

Geisterspiele beim SC DHfK Leipzig: "Müssen den Gürtel noch enger schnallen"

Tilman Kortenhaus
Leipziger Volkszeitung
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Bund und Länder hatten am Mittwoch gemeinsam entschieden, abermals alle Fans aus den Sportstätten zu verbannen. © Dirk Knofe
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Die Handballer des SC DHfK spielen am Donnerstag beim TVB Stuttgart ein letztes Mal vor wenigen Zuschauern, bevor im November ausschließlich Geisterspiele anstehen. Geschäftsführer Karsten Günther weiß, was das bedeutet und will die Fans im Dezember möglichst schnell in die Arena zurückholen. Er sorgt sich auch um die ambitionierten Nachwuchstalente.

Leipzig. Die jüngsten Nachrichten aus Berlin erschütterten am Mittwoch die deutsche Sportwelt. Profisportler, Amateure und Fans stehen in den kommenden Wochen vor enormen Einschränkungen. Bund und Länder hatten gemeinsam entschieden, erneut alle Fans aus den Stadien zu verbannen und den Amateursport in den Vereinen im November gänzlich zu verbieten. Am Donnerstagabend können sich die Handballer des SC DHfK beim TVB Stuttgart ein letztes Mal vor knapp 500 Zuschauern präsentieren, bevor in den kommenden Wochen nur noch leere Ränge und Kameras auf die Platte gerichtet sein werden.

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Die Verringerung der Zuschauerzahlen auf Null bringt die meisten professionellen Teamsport-Ligen in existenzielle Bedrängnis. „Die Lage ist angespannt. Wenn wir weiter zurückgeworfen werden, sind wir ratlos“, hatte bereits am Dienstag Frank Bohmann, Geschäftsführer der Handball-Bundesliga, gesagt. Auch SC-DHfK-Geschäftsführer Karsten Günther hatte sich ein anderes Ergebnis erhofft. „Diese Entscheidung hat sich in den vergangenen zwei Tage bereits abgezeichnet. Das Positive: Wir dürfen im Profibereich immerhin weiter spielen und trainieren – das ist ein kleiner Lichtblick für uns. Die ausbleibenden Zuschauer sind allerdings ein schwerer Schlag. Wir leben von unseren Fans. Da diese Einnahmen nun für einen Monat wegbrechen, müssen wir den Gürtel noch enger schnallen.“

DURCHKLICKEN: Die Bilder zur 22:25-Niederlage gegen Göppingen.

Die DHfK-Handballer geben das erste Mal in der Saison zwei Punkte ab und verlieren 22:25 (9:12) gegen Göppingen. Zur Galerie
Die DHfK-Handballer geben das erste Mal in der Saison zwei Punkte ab und verlieren 22:25 (9:12) gegen Göppingen. ©

Vor dem finanziellen Aus stehen die SC-DHfK-Handballer nicht, der Rückkehr der Fans in die Arena müsse im Dezember allerdings so schnell wie möglich erfolgen. „Mit unseren derzeitigen Sparmaßnahmen, der Unterstützung unserer Sponsoren und der Landesregierung werden wir bis Weihnachten beziehungsweise bis in den Dezember auskommen. Wir sollten aber keinen Tag verschwenden und bereits morgen – nach der Bekanntgabe der Ergebnisse der Studie Restart-19 – die Rückkehr der Zuschauer planen“, so der Geschäftsführer deutlich.

Auch Jugendteams sollen trainieren

Fitnessstudios und Schwimmbäder werden geschlossen, Vereine dürfen nicht mehr trainieren. Allein der Individualsport, zum Beispiel Joggen oder Radfahren, ist weiter erlaubt. „Das ist eine äußerst schmerzhafte Entscheidung, die unsere Mitgliedsorganisationen wieder vor große Herausforderungen stellt“, so Ulrich Franzen, Präsident des Landessportbund Sachsen. Dennoch appellierte Franzen „schweren Herzens an unsere Mitgliedsorganisationen: Bitte werdet eurer Verantwortung gerecht und stellt den Vereinssport für den angegebenen Zeitraum erneut ein!“

Ungeklärt bleibt vorerst, in welche Kategorie die Nachwuchsmannschaften der Profis zählen. SC-DHfK-Manager Günther ist besorgt, dass die Trainingseinheiten in den Leistungszentren ebenfalls eingefroren werden könnten – nicht nur der Handball-Nachwuchs, sondern unter anderem auch die Jungbullen von RB Leipzig wären betroffen. Zusammen mit der Initiative Teamsport Sachsen will Günther nun in den Dialog mit der Landesregierung treten, um das Training in den Leistungszentren zu sichern. „Wir haben Jungs im Verein, die Ambitionen haben, zukünftig in der Bundesliga und in der Nationalmannschaft zu spielen. Die können nicht einfach einen Monat nicht trainieren“, sagt Initiativen-Sprecher Günther im Gespräch mit dem SPORTBUZZER.