20. April 2020 / 13:42 Uhr

96-Geisterspiele auch nächste Saison? Kind: "Dramatische wirtschaftliche Folgen"

96-Geisterspiele auch nächste Saison? Kind: "Dramatische wirtschaftliche Folgen"

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
„Diese Saison wuppen wir das noch, für die neue Saison wird das aber dramatische wirtschaftliche Folgen ha­ben“, sagt 96-Profichef Martin Kind mit Blick auf Geisterspiele.
„Diese Saison wuppen wir das noch, für die neue Saison wird das aber dramatische wirtschaftliche Folgen ha­ben“, sagt 96-Profichef Martin Kind mit Blick auf Geisterspiele. © Katrin Kutter/Florian Petrow
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Kurzfristig bedeuten Geisterspiele für die Bundesligisten die Rettung, selbst wenn Sky womöglich weniger TV-Geld als vereinbart überweist. Geht es in der neuen Saison aber mit Spielen unter Ausschluss der Öffentlichkeit, hätte das dramatische wirtschaftliche Folgen auch für Hannover 96, so Martin Kind.

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Noch geht es nur um diese Saison, die irgendwie gerettet werden soll. Die Musketiere, die die Profifußballklubs aus der finanziellen Umklammerung befreien sollen, tragen dabei nicht Degen oder Säbel, sondern Mikrofone. Wenn die Sender, allen voran Sky, die ausstehende vierte und letzte Rate überweisen sollten, wird kein Klub Insolvenz beantragen müssen. Vorausgesetzt, die Politik erlaubt die Geisterspiele.

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Mehrheit will wohl kein Geld zurück

Die Einnahmen aus den Ticketverkäufen sind aber verloren, sofern die Käufer ihr Geld zurückverlangen. Bei fünf noch ausstehenden Heimspielen von Hannover 96 (Dresden, Karlsruhe, Heidenheim, St. Pauli, Bochum) wären bei Dauerkarten fünf Siebzehntel zurückzuerstatten. Noch haben das keine zehn Kunden verlangt. Eine gut dreistellige Zahl an Fans hat aber erklärt, das Geld nicht erstattet haben zu wollen.

Mehr über Hannover 96

Von den Einzeltickets betrifft es 3000 Leute, die das Dresden-Spiel sehen wollten. Dazu die Fans, die 96 nach Osnabrück begleiten wollten. Weitere Spiele waren noch nicht im Einzelverkauf.

96 wird jeden Kartenkäufer an­schrei­ben und verschiedene Modelle anbieten. Gutschriften sind nicht vorgesehen. Ob Rückerstattung, Spende für ein soziales Projekt, Anrechnung auf spätere Käufe oder ein Trikot dazu – in den nächsten Tagen wird 96 die Wege detailliert aufzeigen.

Am kommenden Donnerstag schalten sich auch die 36 Klubs der 1. und 2. Liga mit der DFL wieder zusammen, um das weitere Vorgehen abzustimmen.

Für 96 bedeutet das Geisterspiel-Szenario erst mal die Rettung. Vermutlich wird Sky zwar einen Corona-Rabatt fordern und weniger TV-Geld als vereinbart überweisen, dafür hätte 96-Profichef Martin Kind aber sogar Verständnis. „Jeder ist von jedem in dem System abhängig“, das bedeutet für Kind: „Wir müssen partnerschaftliche Lösungen suchen.“

Das dicke Ende kommt wahrscheinlich noch

Wenn denn in den nächsten Wochen 4 statt der avisierten 5 Millionen Euro auf dem 96-Konto eingehen sollten, wäre kurzfristig das Schlimmste in der Existenzfrage des Profifußballs verhindert worden – aber das dicke Ende kommt wahrscheinlich noch.

Vorerst gilt ja das Verbot von Großveranstaltungen, dazu gehören nun mal Fußballspiele mit Fans, nur bis zum 31. August. Wahrscheinlich wird es aber bis zum Jahresende ausschließlich Geisterspiele geben. Alexander Kekulé, eine der wichtigsten Stimmen aus der Corona-Wissenschaft, „würde für dieses Jahr nichts mehr planen mit Publikum. Es sieht nicht so aus, als könnten wir dieses Jahr ernsthaft so was ins Auge fassen.“

Das waren die Choreos der Fans von Hannover 96 der vergangenen Jahre:

Die 96-Fans präsentierten eine aufwendige Choreo für den Pokalheld Jörg Sievers, der Anfang Januar 2020 nach 30 Jahren bei Hannover 96 dem Ruf von Daniel Stendel nach Schottland folgte. Zur Galerie
Die 96-Fans präsentierten eine aufwendige Choreo für den Pokalheld Jörg Sievers, der Anfang Januar 2020 nach 30 Jahren bei Hannover 96 dem Ruf von Daniel Stendel nach Schottland folgte. ©

Diese Reichweite der Krise kommt auch bei Kind an. „Diese Saison wuppen wir das noch, für die neue Saison wird das aber dramatische wirtschaftliche Folgen ha­ben“, fürchtet der 96-Chef. Pro Heimspiel kalkuliert 96 mit 500 000 Euro von den Tickets, das macht bei fünf Geisterpartien einen Verlust von 2,5 Millionen Euro für diese Restsaison.

Kein exklusives 96-Problem

96 kann aber keinen Dauerkartenverkauf für die nächste Saison beginnen. Wird die komplette erste Hälfte wie zu erwarten eine Geisterspielzeit – mit acht oder neun Heimspielen –, wären das schon 4,5 Millionen Euro weniger. Dazu wird keine Loge zu verkaufen sein, Sponsoren dürften sich zurückhalten. Der Haushalt wird dramatisch absinken, mit Folgen für Transfers und Arbeitsverträge.

Das wird kein exklusives 96-Problem sein, vielmehr wird es alle Klubs treffen. Ein paar Musketiere vom Fernsehen werden da nicht ausreichen, um das Überleben zu sichern.