10. Juni 2020 / 18:39 Uhr

Geisterspiele als Gedankenspiel: So plant Babelsberg 03 für die Saison 2020/21

Geisterspiele als Gedankenspiel: So plant Babelsberg 03 für die Saison 2020/21

Mirko Jablonowski
Märkische Allgemeine Zeitung
SVB-Vorsitzender Archibald Horlitz (mi.) mit den Spielern, SV Babelsberg 03 - BSG Chemie Leipzig, Fußball, Regionalliga Nordost, Saison 2019/2020, Potsdam, 02.02.2020, Foto: Jan Kuppert
SVB-Vorsitzender Archibald Horlitz (M.) ist zuversichtlich, für die Saison 2020/21 wieder ein konkurrenzfähiges Team in die Regionalliga-Nordost-Spielzeit schicken zu können. © Jan Kuppert
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Regionalliga Nordost: Nachdem der SV Babelsberg 03 nach dem Abbruch der Saison 2019/20 die Gewissheit hat, auch in der kommenden Saison Viertliga-Fußball am Babelsberger Park anbieten zu können, haben der Vereinsvorsitzende Archibald Horlitz und seine Mitstreiter in den vergangenen Wochen im Hintergrund die Personalplanungen bereits kräftig vorangetrieben.

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Die Entscheidung des Nordostdeutschen Fußball-Verbandes (NOFV), die Saison 2019/20 aufgrund der Corona-Pandemie abzubrechen und nach der Quotientenregelung zu werten, sorgte beim Regionalligisten SV Babelsberg 03 am vergangenen Freitagabend nicht mehr für überraschte Gesichter. „Es hatte sich im Vorfeld ja abgezeichnet, dass es so kommt“, sagt Archibald Horlitz, der Vorsitzendes des Kiezvereins, der davon profitiert, dass die Abstiegsregelung im Zuge dessen ausgesetzt wurde. Mit nur drei Siegen und 17 Punkten aus 22 Spielen waren die Nulldreier im März nach einem 4:1-Erfolg gegen den SV Lichtenberg 47 zwar scheinbar auf dem richtigen Weg, aber noch lange nicht in sicheren Gefilden.

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Durch die Entscheidung des NOFV habe der Verein jetzt vor allem endlich „Planungssicherheit“ (Horlitz), dass am Babelsberger Park auch in der kommenden Saison Viertliga-Fußball geboten wird. Um dann eine konkurrenzfähige Mannschaft in den Spielbetrieb schicken zu können, haben Horlitz und seine Mitstreiter in den vergangenen Wochen im Hintergrund die Personalplanungen bereits kräftig vorangetrieben. So wurden unter anderem die Verträge mit Trainer Predrag Uzelac sowie den Leistungsträgern Daniel Frahn, Petar Lela und Leonard Koch verlängert. Insgesamt soll es keinen allzu großen personellen Umbruch geben. „Wir haben ja im Winter schon einiges getan“, verweist Horlitz auf die sieben Zugänge in der vergangenen Transferperiode, „und wir waren uns sicher, dass diese Mannschaft in der Rückrunde weiterhin die nötigen Punkte eingefahren hätte“. Dennoch werden das Team noch Spieler verlassen, ebenfalls Zugänge kommen. Bis zum Trainingsauftakt, der aktuell für Anfang Juli angesetzt ist, soll der Kader zum Großteil stehen. „Das wäre wünschenswert“, sagt Horlitz. Dann nicht mehr im Kader stehen wird aller Voraussicht nach Tom Nattermann, dessen Vertrag ausläuft und der laut SPORTBUZZER-Informationen den Verein nach zwei Jahren verlassen wird.

In Bildern: 30 ehemalige Spieler vom SV Babelsberg 03 – und was aus ihnen wurde.

Klickt Euch durch die Galerie der 30 ehemaligen Spieler vom SV Babelsberg 03. Zur Galerie
Klickt Euch durch die Galerie der 30 ehemaligen Spieler vom SV Babelsberg 03. ©

Insgesamt wolle man mit Blick auf die bevorstehende Mammutsaison – da es keine Absteiger gibt, könnte die Regionalliga Nordost 2020/21 mit bis zu 23 Mannschaften gespielt werden – aber wohl mit einem um „zwei, drei Spieler“ größer Kader angehen, wie Horlitz sagt. Der Etat werde dabei höher sein, als die 300 000 Euro, die Uzelac-Vorgänger Marco Vorbeck im vergangenen Sommer zur Verfügung gestellt wurden. „Wir haben gesehen, dass es damit schwer ist, konkurrenzfähig zu sein“, sagt der 62 Jahre alte Horlitz, der seit 2013 Vorsitzender der Filmstädter ist. Durch die Unterstützung von Sponsoren konnte man diesen Etat bereits im Winter erhöhen und wird sich wohl eher wieder bei einer Summe von etwas über 350 000 Euro für die erste Mannschaft befinden, auch wenn Horlitz sich zu konkreten Zahlen nicht äußern möchte.

Finanziell habe der Verein die Corona-Krise ohne Trainings- und Spielbetrieb durch die Inanspruchnahme staatlicher Hilfe sowie der Unterstützung von Fans, Sponsoren und Sympathisanten gut überstanden. Durch das ins Leben gerufene „virtuelle Saisonfinale“ und verschiedene Solidaritätsaktionen hat der Verein etwas über 70 000 Euro eingenommen. „Für diese erfahrene Solidarität sind wir den Fans absolut dankbar. Sie ist ein wesentlicher Bestandteil, damit wir finanziell über die Runden kommen und in der Lage sind, eine wettbewerbsfähige Mannschaft zusammenzustellen“, sagt Horlitz und ergänzt: „Zudem konnten wir mit Nike bereits einen neuen Ausrüster bekanntgeben und können uns bei anderen Sponsoren ebenfalls über die weitere, frühzeitig zugesicherte, Unterstützung freuen“.

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Wann genau in der Regionalliga Nordost wieder um Punkte gekämpft wird, steht aktuell noch nicht fest. Der 22. August sowie der 6. September werden als mögliche Termine zur Wiederaufnahme des Spielbetriebs genannt. Horlitz hofft sogar auf einen Start Mitte August – zur Not mit Geisterspielen. „Wir haben dem Verband signalisiert, dass man für einen früheren Start, der den ohnehin straffen Spielplan etwas entzerren würde, auch mit ein, zwei Geisterspielen leben könnte“, erklärt Horlitz, der bei einem fiktiven Rechenbeispiel von 1500 Zuschauern, von denen 750 eine Dauerkarte hätten, von einem Verlust von rund 10 000 Euro pro Heimspiel ausgeht. Dabei müsse man natürlich hoffen, dass der Verband für diesen Fall nicht gleich Heimspiele gegen Teams wie den FC Energie Cottbus ansetzt, bei dem mit deutlich mehr Zuschauern zu rechnen wäre.

Offen ist weiterhin auch, wann das Landespokal-Halbfinale des SVB gegen Brandenburgligist Grün-Weiß Lübben ausgetragen wird. Dem Vernehmen nach könnte die Partie Ende August stattfinden, ehe eine Woche später der märkische Titelträger, dem durch die Teilnahme an der ersten Runde des DFB-Pokals zusätzliche Einnahmen im sechsstelligen Bereich winken würden, ermittelt werden soll. Geld, das die Babelsberger trotz der in den vergangenen Wochen erfahrenen Unterstützung mit Sicherheit gut gebrauchen könnten.