10. März 2020 / 20:39 Uhr

Geisterspiele in Leipzig: DHfK-Manager Günther warnt vor finanziellem Kollaps

Geisterspiele in Leipzig: DHfK-Manager Günther warnt vor finanziellem Kollaps

Matthias Roth
Leipziger Volkszeitung
Karsten Günther sorgt sich angesichts der aktuellen Entwicklungen.
Karsten Günther sorgt sich angesichts der aktuellen Entwicklungen. © Picture Point
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Die Eishockey-Saison ist bereits abgebrochen worden, im Fußball mehren sich die Geisterspiele. Auch im Handball sorgen sich die Verantwortlichen. Der Geschäftsführer des Leipziger Bundesligisten warnt vor vorschnellen Entscheidungen und rückt vor allem auch die existenzbedrohenden finanziellen Folgen von Partien ohne Fans in den Fokus.

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Leipzig. DHfK-Manager Karsten Günther warnt in der Diskussion um Spielabsagen und Geisterpartien wegen des Coronavirus vor Hysterie und ruft die Politik zur Besonnenheit und Klarheit auf. „Lasst uns bei den Fakten bleiben“, sagt der Geschäftsführer der Leipziger Bundesligahandballer.

Verunsicherung durch Spahn-Aussagen

Die Zahl von Begegnungen ohne Fans ist schlagartig gestiegen. Am Freitag spielt die deutsche Handballnationalmannschaft in Magdeburg gegen die Niederlande vor leeren Rängen. Zuvor waren bereits reihenweise für Partien in der Fußball-Bundesliga die Zuschauer verboten worden. „In Leipzig sind Gesundheits- und Ordnungsamt bisher besonnen vorgegangen. Ich denke aber auch in Sachsen wird es nicht mehr lange dauern, bis Veranstaltungen abgesagt oder Zuschauer ausgegrenzt werden“, so Günther.

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Er wolle nicht falsch verstanden werden. Wenn eine Gefahr bestehe, muss gehandelt werden. „Das Robert-Koch-Institut schätzt die Lage aber als Gefahrenstufe mäßig ein, genau wie bei Influenza und dem Norovirus“, so der Manager. Die Aussage von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) Veranstaltungen mit mehr als 1000 Zuschauern abzusagen, habe nur für Verunsicherung gesorgt. „Das setzt die Entscheidungsträger vor Ort doch nur unnötig unter Druck und lässt sie dann alleine stehen. Wir brauchen einheitliche Lösungen für das ganze Land, die nachvollziehbar sind und auf Fakten beruhen, nicht auf Stimmungen“, so der 38-Jährige.

"Auf Zuschauer- und Sponsoreneinnahmen angewiesen"

Für den SC DHfK und die gesamte Handballbundesliga könnten Spielabsagen oder Spiele ohne Publikum weitreichende Folgen haben. „Partien ohne Fans machen bei uns keinen Sinn. Wir spielen für die Menschen in der Halle!“, so Günther. Absagen könnten sogar existenzbedrohend sein. „Regressforderungen von Fernsehsendern und Sponsoren sind im Augenblick nicht absehbar“, berichtete Günther. Die Handballbundesliga will am kommenden Montag über ein gemeinsames Vorgehen entscheiden.

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Schon jetzt steht das Spiel des SC DHfK am 19. März beim Bergischen HC auf der Kippe. Die Leipziger selbst haben noch vier Heimspiele, darunter die beiden Knaller gegen Flensburg und Kiel mit einer sonst rappelvollen Halle. „Anders als beim Fußball können wir unsere Ausgaben nicht mit TV-Geldern und Transferüberschüssen ausgleichen. Wir sind auf die Zuschauer- und Sponsoreneinnahmen angewiesen“, erklärt Günther. Wenn diese ausblieben, könne der Ofen schnell aus sein. Mit anderen Worten: Vielen Handballclubs droht ohne das Eintrittsgeld der finanzielle Kollaps.

Ganz vom Tisch wischen will Günther die Coronagefahr nicht. Rückkehrer aus Italien oder gefährdete Personen wie ältere oder erkrankte Menschen sollten Spiele auslassen. „Sonst raten die Experten sich regelmäßig mit Seife die Hände zu waschen, viel zu trinken, frische Luft, das Immunsystem stärken, wie bei jeder Grippewelle“, so der Manager.

Stadt Leipzig: "Rechtlich schwieriges Terrain"

Bereits direkt betroffen könnte das Eishockeyteam der Leipziger Icefighters sein. Das Corona-Virus stoppt die Eishockey-Saison wohl genau vor dem Start der Play-Offs am Freitag. André Krüll, Geschäftsführer des Oberligisten Exa Icefighters Leipzig, verrät auf Nachfrage des: „Es sieht ganz danach aus, dass die Saison beendet wird.“

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Im Leipziger Neuen Rathaus sitzen am Dienstagabend die Fachleute zusammen und beraten über ein weiteres Vorgehen. Anders als Halle und Magdeburg will Leipzig vorerst keine generellen Veranstaltungsverbote wegen des Coronavirus erlassen. In den beiden größten Städten Sachsen-Anhalts sind seit Wochenanfang Events mit mehr als 1000 Besuchern untersagt. In Leipzig wird dieses Vorgehen als „nicht rechtssicher“ eingestuft, teilte die Stadt auf Anfrage von LVZ.de mit. "Wir halten das für rechtlich schwieriges Terrain", so Stadtsprecher Matthias Hasberg. Bereits in der vergangenen Woche sei man zu dem Schluss gekommen: Solange das Robert Koch-Institut die Gefahr durch das neuartige Coronavirus nur als "mäßig" einstufe, reiche dies für eine entsprechende Verordnung nicht aus.

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