08. September 2021 / 15:05 Uhr

Gelände unbenutzbar, hohe Zahlungsrückstände: Stadt kündigt Pachtvertrag des SV Wacker für Mariannenpark

Gelände unbenutzbar, hohe Zahlungsrückstände: Stadt kündigt Pachtvertrag des SV Wacker für Mariannenpark

Antje Henselin-Rudolph / Frank Müller
Leipziger Volkszeitung
Mariannenpark
Der Mariannenpark macht aktuell keinen sonderlich guten Eindruck. © André Kempner
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Der SV Wacker Leipzig muss den Mariannenpark bis zum 30. September räumen. Die Stadt hat dem Verein, der das Gelände seit 2011 gepachtet hat, die außerordentliche Kündigung ausgesprochen. Es ist das (vorläufige) Ende eines jahrelangen Konflikts, in dem es auch um fehlende Instandhaltung und hohe Zahlungsrückstände geht.

Leipzig. Die Post vom Anwalt ereilte die Verantwortlichen des SV Wacker Leipzig am Vormittag des 31. August. Inhalt: die außerordentliche Kündigung des Pachtvertrages für das Sportgelände im Mariannenpark seitens der Stadt. Spätestens am 30. September sind demnach die gepachteten Flächen an den Eigentümer derselben, also die Kommune, zurückzugeben. Den Vereinsvorsitzenden Holger Drendel erwischte der Schriftsatz kalt. Gegenüber dem SPORTBUZZER machte er seinem Ärger am Dienstag dementsprechend deutlich Luft. "Diese Kündigung ist eine Unverschämtheit. Sie kam jetzt überraschend, weil wir schon ewige Zeiten den Konsens mit der Stadt suchen", schimpfte er. "Wir werden dagegen vorgehen." Für die Stadtspitze und die neue Sportamtsleiterin Katja Büchel hatte Drendel ebenfalls keine warmen Worte übrig. "Wir haben mehrfach auf Gespräche mit OBM Jung gesetzt, der ja Bürgermeister für alle sein will. Auch mit dem Personalwechsel im Sportamt haben wir Hoffnungen auf Hilfe und auf eine Problemlösung verbunden. Aber auch diese sind enttäuscht worden."

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Mängel und nicht eingehaltene Zusagen

Die Verwaltung begründete die Kündigung in einer Pressemitteilung am Dienstag mit unterlassenen Pflegeleistungen. "Der Zustand entspricht seit längerem nicht mehr den Erfordernissen für eine Sportnutzung. Hier kommt der SV Wacker nachweislich den Verpflichtungen nicht nach. Eine Aussicht auf Besserung bei Fortführung der Pacht besteht nicht", heißt es in der Mitteilung. In der Kündigung, die dem SPORTBUZZER vorliegt, listet die Stadt eine ganze Reihe von einzelnen Verstößen gegen den Vertrag auf. Diese reichen bis ins Jahr 2018 zurück und waren bei insgesamt sieben Nachkontrollen immer noch vorhanden oder stellten sich bei diesen als noch schwerwiegender dar.

DURCHKLICKEN: So sieht es aktuell im Mariannenpark aus

Der Leipziger Mariannenpark hat schon bessere Zeiten erlebt. Im September 2021 sieht man dem Gelände deutlich an, dass hier schon längere Zeit niemand mehr Hand angelegt hat. Zur Galerie
Der Leipziger Mariannenpark hat schon bessere Zeiten erlebt. Im September 2021 sieht man dem Gelände deutlich an, dass hier schon längere Zeit niemand mehr Hand angelegt hat. © André Kempner

Im Einzelnen bemängelt die Kommune unter anderem:

  • völlig verkrautete 100-Meter-Bahn, 400-Meter-Bahn und Weitsprunganlage
  • desolater Zustand der drei Rasenfelder, die als Spielfelder so nicht mehr nutzbar sind
  • völlig verschmutzte und dreckige Gebäude; verstopfte Dachrinnen; Dach undicht
  • fehlende Wartungsverträge für Heizkessel und Sanitärbereiche
  • fehlendes Nutzungskonzept für die Nutzung durch Dritte und den Schulsport
  • Zahlungsrückstände bei Wasserkosten, Grundsteuer und Abfallentsorgungsgebühren seit 2018 im mittleren vierstelligen Bereich

Stadt hält Pachtzuschuss zurück

Holger Drendel verweist zumindest in Sachen Platzpflege auf fehlende Grundvoraussetzungen. "Seit 2015 können wir die Plätze nicht wässern, weil die Pumpe weg ist und wir nicht an die Wasserstelle kommen. Wie sollen wir da den Sportplatz pflegen?", fragt er. Tatsächlich war bei einem gemeinsamen Vor-Ort-Termin im Februar 2018 festgestellt worden, dass der zur Anlage gehörende Brunnen aufgrund fehlender Pumpe nicht benutzbar war. Aus dem Kündigungsschreiben geht allerdings hervor, dass die Stadt im Folgejahr eine Pumpe einbauen ließ. Diese sei bei einer Platzbegehung im Februar 2021 allerdings mit Müll verstopft gewesen, das Pumpenhaus zudem mit Graffiti beschmiert. Daran habe sich in der Folge nichts geändert.

Drendel hingegen vermisst Zahlungen seitens der öffentlichen Hand. "Seit 2016 bekommen wir trotz des gerichtlichen Vergleichs mit der Stadt keinen Pachtzuschuss für die Pflege unserer Anlage. Mehr als einmal habe ich mit meinem Vorstand darum gebettelt. Sogar unseren Rücktritt habe ich angeboten, wenn es zur Lösung der Sache beitragen würde", schimpft der Wacker-Chef. Die Kommune stellt das anders dar. Beim Pachtzuschuss handelt es sich um eine zweckgebundene Förderung, der helfen soll, die anfallenden Kosten wie zum Beispiel Material für Instandhaltungsmaßnahmen zu decken. Diese Kosten müssen jährlich gegenüber der Kommune abgerechnet werden. Dabei sei es in den vergangenen Jahren immer wieder zu Unstimmigkeiten gekommen, so die Kommune in ihrer Pressemitteilung. "Im Rahmen einer Vereinbarung hatten sich Verein und Stadt auf die Nachweisführung der anfallenden Kosten verständigt. Trotz mehrerer Aufforderungen, Mahnungen und Klärungsversuche kam der Verein seiner Verpflichtung aus der Vereinbarung nicht nach", so die Stadt. "Daher entschied das Amt für Sport schließlich, die aus Steuergeldern finanzierten, freiwilligen Zahlungen bis zur endgültigen Klärung zurückzuhalten."

Der Streit zwischen der Verwaltung und dem SV Wacker, der das Gelände im Mariannenpark seit 2011 gepachtet hat, schwelt seit Jahren. 2018 trafen sich beide Parteien vor dem Amtsgericht. Dort wurde vereinbart, dass im Februar 2018 eine Begehung vor Ort durchgeführt wird, um den Ist-Zustand der Anlage zu ermitteln. Der Verein verpflichtete sich, die bei diesem Termin festgelegten notwendigen Arbeiten binnen eines guten Vierteljahres auf eigene Kosten zu erledigen.