14. September 2021 / 17:54 Uhr

Einsatz gegen das Frauenverbot in Männerteams: "Was spricht dagegen?"

Einsatz gegen das Frauenverbot in Männerteams: "Was spricht dagegen?"

Robin Jantos
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Lea Meier von der SV Betheln-Eddinghausen setzt sich dafür ein, dass im Männerfußball auch gemischte Teams antreten dürfen.
Lea Meier von der SV Betheln-Eddinghausen setzt sich dafür ein, dass im Männerfußball auch gemischte Teams antreten dürfen. © Privat
Anzeige

Seit der U7 spielt Lea Meier mit Jungs zusammen in gemischten Teams, aktuell noch mit Sondergenehmigung in der A-Jugend. Anders als in den Niederlanden wäre das bei den Erwachsenen nicht mehr möglich. Die junge Frau setzt sich deshalb für eine Regeländerung ein. Möglicherweise entscheidet der nächste DFB-Bundestag.

Dieser Artikel ist Teil der Amateurfußball-Initiative #GABFAF. Weitere Informationen auf gabfaf.de.

Es gibt ein Foto von Lea Meiers erstem Fußballspiel. Vier Jahre war sie damals alt. Auf dem Bild ist zu sehen, wie sie mit rotem Trikot der VSV Rössing und hochgezogenen Stutzen durch die Halle rennt. Heute ist Meier 17 Jahre alt, spielt für die A-Junioren der JSG Leinetal (Kreis Hildesheim/Niedersachsen). Was damals wie heute für sie völlig normal war: mit Jungs in einer Mannschaft zu spielen. "Wir waren mal drei Mädels, inzwischen bin nur noch ich dabei", sagt Meier.

Anzeige

Doch auch damit dürfte nach dieser Saison Schluss sein. Als Betreuerin ist sie zwar schon beim Herrenteam ihres Heimatvereins SV Betheln-Eddinghausen aktiv. Auch im Training macht sie dort mit, wenn es die Zeit erlaubt. Spielen darf sie für die Kreisklasse-Mannschaft aber nach geltender Regel-Lage nicht: "Im Bereich der B-Junioren/B-Juniorinnen und jünger sind gemischte Staffeln [..] zulässig", heißt es in §5 der DFB-Jugendordnung. "Aus Gründen der Talentförderung" sind Ausnahmegenehmigungen für Spielerinnen bis U20 möglich, wenn sie einer DFB-Auswahl angehören. "Freundschafts- und Trainingsspiele gemischter Mannschaften [...] sind zulässig", ergänzt die DFB-Spielordnung in §33. Ansonsten gilt: keine Frauen im Männerfußball.

Lea Meier geht es nicht um Talentförderung, auch nicht um Sonderrechte. Sie wolle schlicht "mit den Männern kicken, die ich seit meiner Geburt kenne". Die Herrenmannschaft ihres Vereins spielt in der 1. Kreisklasse. "Ich schätze mich so ein, dass ich es dort nicht schaffe, aber bei der Zweiten in der 4. Kreisklasse schon."

Vizepräsident Distelrath: DFB-Bundestag soll entscheiden

Mit dem Vereinsvorsitzenden hat Meier schon gesprochen, auch bei der Jahresversammlung war ihr Wunsch Thema. Zudem hat sie den Hildesheimer Kreisverband und den Niedersächsische Fußballverband (NFV) angeschrieben. Von dort ist Rückenwind für ihr Anliegen zu erwarten, denn NFV-Präsident Günther Distelrath hat sich - in seiner Eigenschaft als für Antidiskriminierung zuständiger DFB-Vizepräsident - schon in der Vergangenheit für das niederländische Modell ausgesprochen. Dort dürfen Frauen seit diesem Jahr bis zur dritten Liga bei den Männern mitspielen. "Wir wollen mehr Frauen in verantwortungsvolle Positionen des Fußballs holen. Dann aber dürfen wir sie auf dem Platz nicht weiter ausschließen", sagt Distelrath. Sein Ziel sei, dass sich der nächste DFB-Bundestag mit einem entsprechenden Antrag befasst, bestätigte er dem ZDF.

Mehr zum Thema

Jungs bleiben auf Abstand

Als Gegenargument werden oft praktische Probleme mit gemischten Mannschaften angeführt. Die sieht Lea Meier nicht. "Umziehen, Duschen - das haben wir alles geregelt." Wohl aber hat sie beobachtet, dass männliche Mitspieler erstmal Abstand halten und nicht voll in die Zweikämpfe gehen. "Das legt sich aber nach ein, zwei Trainingseinheiten." Wenn Frauen in Männerteams eingesetzt werden können, würde es sicherlich schnell zur Normalität, gegen Frauen genauso zu spielen wie gegen Männer. "Und man würde vielen zweiten Mannschaften helfen."

Um Argumente zu sammeln, hat Meier zum Thema recherchiert und ist darauf gestoßen, dass in anderen Sportarten gemischte Teams möglich sind, etwa im wesentlich härteren Motoball. Ein weiterer Punkt: Im Berliner Fußballverband dürfen Menschen, bei denen als Geschlecht "divers" im Pass eingetragen ist, selbst entscheiden, ob sie in einem Männer- oder Frauenteam spielen wollen. Der DFB und die anderen Landesverbände denken über ähnliche Regelungen nach. "Was spricht dann dagegen, dass sich auch Frauen das aussuchen dürfen?"


Für Lea Meier persönlich wird nun spannend, ob und wie schnell sich die Regeln im deutschen Fußball ändern. Noch bis zum Sommer darf sie mit einer Ausnahmegenehmigung bei den A-Junioren mitspielen. Sich anschließend eine Frauenmannschaft zu suchen und ihren Heimatverein zu verlassen, kann sie sich nicht vorstellen: "Wenn es nicht klappt, würde ich aufhören."