18. November 2020 / 17:30 Uhr

"GeMOINsam für Emden": Wie die Kickers mit einer Lotterie durch die Krise kommen

"GeMOINsam für Emden": Wie die Kickers mit einer Lotterie durch die Krise kommen

Constantin Paschertz
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Trainer Stefan Emmerling (links) verkaufte in Zusammenarbeit mit Unternehmer Marc Maslaton Lose zugunsten von Kickers Emden.
Trainer Stefan Emmerling (links) verkaufte in Zusammenarbeit mit Unternehmer Marc Maslaton Lose zugunsten von Kickers Emden. © Verein
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Was tun, wenn Zuschauereinnahmen wegen der Pandemie wegbrechen? Oberligist Kickers Emden hat eine große Lotterie aufgelegt. "GeMOINsam für Emden" ist nicht nur finanziell ein Erfolg.

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Dieser Artikel ist Teil der Amateurfußball-Initiative #GABFAF. Mehr dazu auf gabfaf.de.

Die Corona-Krise hat auch Kickers Emden (Niedersachsen) voll erwischt. Die Ostfriesen wollen der erste klimaneutrale Verein Deutschlands werden - müssen aber jetzt erstmal die fehlenden Zuschauereinnahmen kompensieren. Gemeinsam mit dem Münchner Marc Maslaton startete der Oberligist die Vereinslotterie GeMOINsam für Emden und verdient damit nicht nur Geld, sondern bringt sich auch erfolgreich ins Gespräch.

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Nachdem der Wirtschaftsbeirat der Kickers die Idee Trainer Stefan Emmerling vorgestellt hatte, trug der die Idee an den Unternehmer Maslaton heran. "Weil uns die Einnahmen aus den Heimspielen seit März fehlten, kamen wir auf die Idee eine Lotterie zu machen", erklärt der Coach im Gespräch mit #GABFAF.

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Der Plan: als Hauptpreis einen VW E-up verlosen und mit der Lotterie eine Millionen Euro erwirtschaften und als Hauptpreis einen VW E-Up verlosen. Nieten soll es keine geben - die Teilnehmer gewinnen Gutscheine für Restaurants und andere lokale Dienstleister sowie das eigene Stadion. "Wir wollten die Stadt Emden, die Einzelhändler und Kultureinrichtungen in der Sache mitnehmen. Einnahmen konnten die während des Lockdowns auch nicht generieren", sagt Trainer Emmerling (54).

Rückschläge und Gegenwind

Unternehmer Maslaton riet den Emdenern erstmal, sich keine utopischen Ziele zu setzen. Statt eine Millionen Euro Erlös anzupeilen, sollte es der Klub mit mehreren kleinen Runden über einen längeren Zeitraum probieren.

Zwei Runden wurden bereits gespielt und die Lose komplett verkauft – 8000 pro Runde á fünf Euro. 40.000 Euro erlöste der Oberligist dadurch. Maslatons Vereinslotterie agierte als Berater und Helfer für die Kickers, kümmerte sich um das detaillierte Konzept und die Durchführung der Lotterie. Den Aufwand bezahlte der Klub wiederum aus den Lotterieeinnahmen.

Die meisten Preise wurden aus dem Spielkapital gekauft und bezahlt. Zusätzlich generierte der Klub 800 Preise von Sponsoren wie Restaurants, Kultureinrichtungen und von Dienstleistern in Form von Gutscheinen. Dazu kamen Eintrittskarten für Kickers-Spiele.

Lotterie-Unternehmer Maslaton zeigt sich im Gespräch mit #GABFAF begeistert von den Kickers und dem Einfallsreichtum der Ostfriesen: "Der Wirtschaftsbeirat der Kickers Emden war sehr agil und schnell. Normalerweise braucht es ein halbes Jahr, bis ein Verein mit entsprechenden Entscheidungen kommt. Emden brauchte circa sechs Wochen." Außerdem habe er den Willen an einem Strang zu ziehen und die Sache mit zu tragen bis in die Mannschaften hinein gespürt, so der Münchner.

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Allerdings habe sich der Verein trotz allem Zusammenhalts auch gegen Widerstände von außen durchsetzen müssen, erklärt Trainer Emmerling: "Es gibt wegen der vielen Sportvereine in der Stadt nach wie vor viele Rivalitäten. Da kamen dann auch mal Leute und haben uns gefragt: 'Geht es euch jetzt so schlecht, dass ihr schon Lose verkaufen müsst?'"

Vor allem während der Losverkäufe an Ständen im Stadtzentrum habe es immer mal wieder derartige Kommentare, aber auch viel Zuspruch gegeben.

Für die Emdener sei es aber vordergründig gewesen, nach dem Absturz vor einigen Jahren wieder an Attraktivität zu gewinnen. "Wir wollen, dass uns unsere Klimaziele auch wieder als etwas Besonderes kennzeichneen und für Sponsoren wieder attraktiv machen", sagtder Coach. Die Kontakte zu neuen Sponsoren und Kunden, die trotz der Pandemie mit viel Einsatz überzeugt und gewonnen werden konnten, dürften den Emdenern auch in Zukunft einen Mehrwert bringen.