18. Februar 2021 / 21:00 Uhr

Gladbach-Kandidat und Bayer-Besieger: Das zeichnet Bern-Trainer Gerardo Seoane aus

Gladbach-Kandidat und Bayer-Besieger: Das zeichnet Bern-Trainer Gerardo Seoane aus

Leon Schaefer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Steht offenbar im Fokus von Borussia Mönchengladbach: Gerardo Seoane.
Steht offenbar im Fokus von Borussia Mönchengladbach: Gerardo Seoane. © Getty Images (Montage)
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Gerardo Seoane gilt als einer der aussichtsreichsten Kandidaten auf die Nachfolge von Marco Rose als Trainer bei Borussia Mönchengladbach. Am Donnerstagabend setzte er mit den Youngs Boys Bern durch das 4:3 in der Europa League über Bayer Leverkusen ein Ausrufezeichen. Der SPORTBUZZER stellt den Schweizer vor.

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Schon Monate vor dem Saisonende dreht sich das Trainerkarussell in der Bundesliga in schwindelerregendem Tempo: Marco Rose wird nach der Saison den Posten bei Borussia Dortmund übernehmen – mit der Folge, dass Borussia Mönchengladbach einen Nachfolger für den 44-Jährigen suchen muss. Neben Florian Kohfeldt (Werder Bremen), Jesse Marsch (Red Bull Salzburg) und Erik ten Hag (Ajax Amsterdam) fällt dabei ein weiterer Name immer wieder: Gerardo Seoane von den Young Boys Bern.

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Was den sportlichen Erfolg angeht, kann "Gerry" Seoane mit den anderen Kandidaten definitiv mithalten. In Gladbach schielt man nach der starken Entwicklung in den letzten Jahren auf einen Titel. Und in dieser Hinsicht hat Seoane Erfahrung: In den vergangenen beiden Jahren führte er die Young Boys jeweils zur Meisterschaft in der Schweizer Super League. Am Donnerstag machte er deutsche Fußballfans mit dem 4:3-Sieg der Berner im Hinspiel der Europa-League-Zwischenrunde gegen Bayer Leverkusen auf sich aufmerksam. Dabei hielt Seoanes Mannschaft nach einer 3:0-Halbzeitführung sogar der Aufholjagd der Werkself stand, die in der zweiten Hälfte zwischenzeitlich zum 3:3 ausglich.

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Der 42-Jährige kam 1978 als Sohn spanischer Einwanderer in Luzern zur Welt. Am Vierwaldstättersee spielte sich auch der größte Teile seiner Fußballer-Karriere ab. Bereits als Spieler – Seoane war Innenverteidiger – absolvierte er die meisten Spiele für seinen Heimatklub, den FC Luzern. Zu Beginn seiner Laufbahn stand er zudem vier Jahre beim damaligen Top-Klub Deportivo La Coruna in Spanien unter Vertrag, kam über Einsätze in der zweiten Mannschaft jedoch nicht hinaus und wechselte schließlich zurück in die Schweiz. Auf insgesamt 227 Spiele brachte er es in der Super League für Luzern, die Grasshoppers Zürich, den FC Aarau und den FC Sion. Für einen Titel reichte es in seiner aktiven Zeit allerdings nicht.

Nach dem Ende der Spielerkarriere blieb Seoane dem FC Luzern treu und arbeitete fortan als Trainer in der Nachwuchsabteilung – schon von Beginn an mit dem klaren Ziel, Cheftrainer zu werden, wie er im Januar 2018 verriet, als den Posten übernahm: "Ich bereitete mich seit einiger Zeit auf diese Aufgabe vor." Doch die Aufgabe in Luzern wurde ihm schnell zu klein. Nur ein halbes Jahr blieb er - dies verlief allerdings extrem erfolgreich. Stand der Klub beim Seoane-Start auf einem Abstiegsplatz, konnte die Saison auf dem dritten Platz beendet werden. Dieses Bravourstück wurde natürlich registriert: Als Adi Hütter den amtierenden Meister aus Bern in Richtung Frankfurt verließ, klopften die Young Boys bei Seoane an. Mit Erfolg: Er unterschrieb für drei Jahre. Diese Aufgabe könne er sich nicht entgehen lassen, erklärte Seoane – auch wenn der Abschied von Luzern schmerze.

Seoane spricht sechs Sprachen fließend

Seither ist Seoane eng mit dem Erfolg der Young Boys verknüpft: Die Verteidigung von Hütters Meisterschaft gelang ihm gleich doppelt. Und aus Gladbacher Sicht wohl noch interessanter: Seoane lässt einen mutigen Offensiv-Stil spielen – nicht unähnlich dem von Marco Rose. Der "Trainer des Jahres" in der Schweiz gilt als akribischer Arbeiter. Sechs Sprachen spricht er fließend: Deutsch, Französisch, Englisch, Italienisch, Spanisch und Portugiesisch – in der globalisierten Fußball-Welt ein immenser Vorteil. Er bildet sich in Führungskompetenzen und Kommunikation weiter. Mit seinem Wissensdurst könne Seoane eines Tages sogar in die Fußstapfen des großen Ottmar Hitzfeld treten, lobte die Schweizer Trainer- und Manager-Legende Erich Vogel schon.

Von Beginn seiner Amtszeit an ließ Seoane in Bern den gnadenlosen Angriffsstil spielen, der aktuell auch in der Bundesliga populär ist. Die Young Boys stellten mit 99 Treffern in 36 Spielen einen neuen Torrekord in der Super League auf und spazierten souverän zur Meisterschaft. Gelang die Titelverteidigung im vergangenen Jahr etwas hinderlicher, grüßt man in der aktuellen Spielzeit bereits wieder mit 16 Punkten Vorsprung von der Tabellenspitze. Einzig auf europäischer Bühne lief es bisher noch nicht allzu gut: 2018/19 schaffte man zwar die Qualifikation für die Champions-League-Gruppenphase. Dort schied man aber ebenso aus, wie in der Europa-League-Gruppenphase in der vergangenen Saison.

Die Konkurrenz für den Job bei Gladbach ist sicherlich groß. Auch ob Seoane den Posten überhaupt möchte, ist unklar. "Ich nehme das zur Kenntnis, aber gebe keine Stellungnahme zu Gerüchten", sagte er am Mittwoch lediglich. Am Donnerstagabend bekam er nun aber zumindest einmal die Möglichkeit, sich dem deutschen Publikum vorzustellen: Mit dem Hinspielerfolg der Young Boys gegen Bayer.