10. Oktober 2021 / 13:48 Uhr

German-Bowl-Erfolg gegen Schwäbisch Hall: Dresden Monarchs haben den Bock umgestoßen

German-Bowl-Erfolg gegen Schwäbisch Hall: Dresden Monarchs haben den Bock umgestoßen

Stefan Schramm
Dresdner Neueste Nachrichten
Die Dresden Monarchs feiern den erstmaligen Sieg im German Bowl.
Die Dresden Monarchs feiern den erstmaligen Sieg im German Bowl. © R. Vigneron
Anzeige

Das Team aus Baden-Württemberg war in den vergangenen Jahren der Angstgegner der „Königlichen“ aus Dresden. Im Meisterschaftsfinale haben sie nun auch einen Fluch besiegt.

Frankfurt/Main. Widereceiver Darrell Stewart ließ noch auf dem Rasen die Siegeszigarre qualmen, Quarterback Eric Seidel reckte den Pokal in die Höhe. Und der Jubel der Dresden Monarchs gemeinsam mit den Fans im Frankfurter Deutsche-Bank-Park kannte nach dem ersten German-Bowl-Sieg der fast 30-jährigen Vereinsgeschichte keine Grenzen. Dieser Sonnabend war ein historischer Tag für das Team aus Sachsen, das vor mehr als 14000 Zuschauern im Meisterschaftsfinale die Schwäbisch Hall Unicorns mit 28:19 bezwang.

Anzeige

„Zur Pause war es ein bisschen Aufbauarbeit“

Ein besonderer Triumph war das natürlich auch für Thomas Stantke, der aktuell als Coach für die Cornerback-Position fungiert. Seit 25 Jahren ist er im Verein. Und vor nunmehr 17 Jahren war er der Kapitän der Truppe, die erstmals ein Playoff-Spiel der German Football League für Dresden gewinnen konnte – der Viertelfinalgegner damals waren die Schwäbisch Hall Unicorns. Ausgerechnet durch einen Erfolg gegen dieses Team feierte er nun mit den „Königlichen“ den ganz großen Wurf im deutschen American-Football-Sport.

Mehr zum Sport

Denn es war wie ein Fluch: In fünf der letzten sechs Spielzeiten war immer gegen die „Einhörner“ Endstation gewesen, der zuvor letzte Playoffsieg gegen die Baden-Württemberger gelang 2010. „Wir mussten den Bock ja irgendwann mal umstoßen. Schwäbisch Hall ist unser Angstgegner gewesen die letzten Jahre, wir sind immer wieder im Halbfinale gescheitert. Und diesmal hier auf der großen Bühne wollten wir es schaffen. Wir hatten eine gute Saison und wollten die krönen. Das ist uns gelungen“, erklärt der hauptberuflich als Rechtsanwalt tätige Dresdner.

Dass es letztlich klappte, obwohl die Monarchs noch im dritten Viertel mit zwei Scores im Hintertreffen waren, lag an ihrer guten Moral, einer absoluten Willensleistung und dem Vertrauen auf das eigene Können. „Wir wussten auch zur Halbzeit trotz des Rückstandes, dass wir die bessere Mannschaft waren. In der ersten Halbzeit hatten wir lediglich zweimal unglücklich den Ball weggeworfen. Zur Pause war es ein bisschen Aufbauarbeit, dass die Jungs den Kopf oben behalten“, berichtet Thomas Stantke.

„So viele deutsche Meister haben wir in Dresden nicht“

Den Sieg habe dann letztlich zwar auch eine stabile Defensivleistung, aber vor allem die „Super-Offense“ der Dresdner gebracht, wie Defensivspezialist Stantke zugibt: „Ich bin selbst Verteidigungsstratege und möchte gegen unsere eigene Offense nicht spielen. Sie ist so variabel, hat so viele Schlüsselspieler, das kriegt man nur ganz schwer komplett ausgeschaltet. Unser Quarterback K.J. Carta-Samuels hat das wieder stark gemanagt. Die vielen guten Einzelspieler haben das gut über die Bühne gekriegt.“

Im Schlussviertel bogen die Monarchs endgültig auf die Siegerstraße ein, nachdem das Haller Team von Headcoach Jordan Neuman phasenweise ebenfalls zu überzeugen wusste. „Wir wussten, dass sich Schwäbisch Hall nicht auf den Rücken legen und sagen würde: Dresden, ihr habt’s verdient. Beide Mannschaften, wir mit einer Niederlage, ungeschlagen die Schwäbisch Haller – dass das ein Schlagabtausch werden würde, war allen klar. Ein spannendes Spiel für die Zuschauer, schlussendlich mit der besseren zweiten Halbzeit für uns“, freut sich Thomas Stantke.


Der Titel ist die Krönung für viele Jahre harte Arbeit – auch während der Corona-Krise, die die Monarchs offensichtlich besonders gut gemeistert haben. Wie man gleich am ersten Spieltag bei der Niederlage gegen Köln sah, waren auch die „Königlichen“ nicht unschlagbar. Aber sie rauften sich schnell zusammen und wuchsen zum besten Football-Team Deutschlands heran. Am Sonnabend machten sie eine ganze Stadt glücklich – und deren Oberbürgermeister Dirk Hilbert, der freudestrahlend über den Rasen des Frankfurter Stadions lief. „Klar, so viele deutsche Meister haben wir in Dresden nicht“, sagt Thomas Stantke. Er und seine Monarchs gehören nun dazu.