16. November 2020 / 12:15 Uhr

Abenteuer in der Verlängerung: Egestorfs Justin Wiechens ist "gefangen" im Paradies

Abenteuer in der Verlängerung: Egestorfs Justin Wiechens ist "gefangen" im Paradies

David Lidón
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Im Tongariro-Nationalpark (eingeklinkt, links) und in Cape Reinga lernt Justin Wiechens die 
 abwechslungsreiche Natur auf der Nordinsel Neuseelands kennen. Nicht die einzigen Eindrücke, die der Benther bisher gesammelt hat.
Im Tongariro-Nationalpark (eingeklinkt, links) und in Cape Reinga lernt Justin Wiechens die  abwechslungsreiche Natur auf der Nordinsel Neuseelands kennen. Nicht die einzigen Eindrücke, die der Benther bisher gesammelt hat. © privat
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Es hätte ihn schlechter treffen können: Im Dezember des vergangenen Jahres hat Justin Wiechens seine Weltreise begonnen, seit dem ersten Lockdown befindet er sich in Neuseeland. Dort kann der Egestorfer Oberliga-Fußballer sich relativ frei bewegen, weshalb das Abenteuer in die Verlängerung bis März geht.

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Kennen Sie Justin Wiechens? Wer sich für Fußball interessiert, weiß vielleicht, dass er für den 1. FC Germania Egestorf/Langreder spielt. Doch selbst, wenn dieser Namen für ein Achselzucken sorgt: Viele würden sofort mit ihm tauschen wollen. Seit bald einem Jahr befindet sich der ­21-Jährige auf einer kleinen Weltreise durch Südostasien und Neuseeland. Die Corona-Pandemie hatte für ihn fast schon etwas Gutes: Wiechens verlängert sein Abenteuer dadurch kurzerhand bis März 2021.

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„Was du auf Reisen immer wieder lernst, kann dir kein Lehrer dieser Welt vermitteln“, ist auf dem Instagram-Account des Benthers zu lesen. Aus seinen Worten spricht viel Wahres, Wiechens ist sich jedoch auch bewusst, was für ein Glück er gerade hat. „Ich bin unendlich dankbar dafür, dass man in Neuseeland, wo ich mich seit dem ersten Lockdown im März befinde, wieder relativ frei reisen kann“, sagt er. „Ich weiß, wie viele Menschen das auch gerne tun würden und es momentan einfach nicht dürfen. Da bin ich echt 1000-fach dankbar.“

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Der Inselstaat südöstlich von Australien ist bisher verhältnismäßig wenig von Covid-19-Infektionen betroffen – definitiv nicht der schlechteste Ort auf der Welt, um dort coronabedingt gestrandet zu sein. Doch zurück zum Anfang: Am 4. Dezember 2019 war Wiechens aus Berlin nach Singapur geflogen, um für ein Jahr an Traumzielen unterwegs zu sein. „Ich hatte mich auf vorherigen Reisen sehr weiterentwickelt und wollte meinen Horizont auf einer kleinen Weltreise noch erweitern“, sagt der Calenberger geradezu sinnbildlich.

Perfekter Zeitpunkt für neue Eindrücke

Nach seinem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) war der perfekte Zeitpunkt gekommen, um wertvolle Eindrücke zu sammeln und neue Orte und Menschen kennenzulernen. Mit dem Bus ging es aus Singapur weiter durch die Großstädte Malaysias bis nach Thailand. Dort hat Wiechens auf unterschiedlichen Inseln gelebt, „in der Zeit bin ich viel mit dem Boot rumgefahren“, sagt er.

Per Bus ging es nach Laos, wo der Globetrotter kurzzeitig zum Millionär wurde. „Der Umrechnungskurs dort ist echt krass“, sagt er lachend.

Apropos: Wo nimmt der 21-Jährige eigentlich das ganze Geld her, um sich länger als ein Jahr in der Weltgeschichte herumzutreiben? „Ich habe vorher als Videocutter viele Aufträge angenommen“, sagt der Technikfreak, für den die visuelle Darstellung mehr als nur ein Hobby ist, wie ein Blick auf seine Instagram-Präsenz verrät. Zusammen mit den Ersparnissen aus seiner FSJ-Zeit sowie einer Geldspritze der Großmutter schnürte er das Grundgerüst des finanziellen Pakets für seine Tour.

Der Herr des Ringes: Justin Wiechens ist im Hobbitdorf Hobbiton bei Matamata in Neuseeland zu Gast.
Der Herr des Ringes: Justin Wiechens ist im Hobbitdorf Hobbiton bei Matamata in Neuseeland zu Gast. © privat

Diese führte ihn für zwölf Tage nach Vietnam, bevor Bali für einen Monat auf dem Reiseplan stand. Das Sehnsuchtsziel hatte der Naturfreund bewusst für einen längeren Aufenthalt gewählt: Surfen und die beeindruckende Flora und Fauna standen auf der Tagesordnung. „Das war eine meiner besten Entscheidungen. Ich habe mit Schildkröten geschnorchelt, neben Mantarochen getaucht, spektakuläre Wasserfälle erkundet – Bali hat wirklich eine unfassbare Tierwelt zu bieten“, gerät Wiechens ins Schwärmen.

Doch nicht alle Erfahrungen in Asien waren diesbezüglich positiv. „Wie dort teilweise mit Tieren umgegangen wird, hat dazu geführt, dass ich zum Vegetarier geworden bin und mich zukünftig vegan ernähren möchte“, sagt er. „Überhaupt hat die Reise meinen Mindset verändert.“ Das weinende Auge, Bali verlassen zu müssen, verwandelte sich aber in ein lachendes, denn nach dreieinhalb Monaten Asien hieß der nächste Stopp Wiedersehen mit Freundin Madita in Neuseeland.

Wenn das mal kein Ausblick ist...
Wenn das mal kein Ausblick ist... © privat

Die Freude war bei beiden noch größer, da sich herausstellte, dass zwei Wochen später aufgrund des Corona-Lockdowns in März niemand mehr nach Neuseeland einreisen durfte. Klarer Fall von Glück gehabt – das genossen die zwei in Bay of Islands, wo sie für anderthalb Monate coronabedingt hängenblieben. Das Wort gezwungenermaßen wäre hier wohl fehl am Platz. „Wir haben viel Zeit am Meer verbracht, viel Sport gemacht und gelesen, einfach die Natur genossen“, sagt der Ben­ther.

Nach dem Lockdown arbeitete das Paar für drei Monate auf einer Kiwifarm in Kerikeri. „Zusammen mit Backpackern aus der ganzen Welt. Was für eine coole Erfahrung, auf der Farm mitgeholfen zu haben“, sagt Wiechens. Auf der Nordinsel Neuseelands wanderten sie über schneebedeckte Berge und durch wüstenhafte Dünen, sie durchquerten Vulkangebiete und besuchten Drehorte der Herr-der-Ringe-Filmtrilogie.

Dazu Bungeejumping und Klippenspringen – es war Zeit, auf die Südinsel zu wechseln, wo momentan das Sichten von Blauwalen, Seelöwen und Delfinen auf der Prioritätenliste weit vorn steht.

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Das einjährig geplante Abenteuer ist coronabedingt bis März verlängert worden. „Ich schöpfe mein Visum komplett aus. Vielleicht bleibe ich auch länger, je nachdem, wie die Reisebestimmungen im Frühjahr aussehen“, sagt Wiechens. Natürlich freue er sich auf seine Kumpels in Benthe und seine Teamkollegen in Egestorf. „Besonders auf Robin Gaida, dem schulde ich noch einen Tunnler“, sagt er lachend.

Doch eilig hat er es mit seiner Rückkehr nach Deutschland nicht. „Diese Reise hat mein Leben jetzt schon krass beeinflusst, da bin ich unendlich dankbar für“, sagt Wiechens. Und so darf es auch noch etwas weitergehen. „Auch in schweren Zeiten darfst du nie dein Lächeln verlieren“, lautet eines seiner Lebensmottos. Justin Wiechens wird sich noch sein Leben lang mit einem Grinsen daran erinnern, was für ein Glück er in dieser für die Bevölkerung so schweren Zeit gehabt hat.