22. März 2020 / 16:38 Uhr

Geschäftsführer in der Krise: Ingo Lamprecht ist seit 100 Tagen im Amt beim MSV Neuruppin

Geschäftsführer in der Krise: Ingo Lamprecht ist seit 100 Tagen im Amt beim MSV Neuruppin

Dirk Becker
Märkische Allgemeine Zeitung
Geschäftsführer Ingo Lamprecht ist beim MSV Neuruppin seit 100 Tagen im Amt.
Geschäftsführer Ingo Lamprecht ist beim MSV Neuruppin seit 100 Tagen im Amt. © Dirk Becker
Anzeige

Kreis Prignitz/Ruppin: 100 interessante Tage liegen hinter Ingo Lamprecht – genannt Lommel – beim MSV Neuruppin. In der Corona-Krise verschieben sich jetzt die Prioritäten des Vereins.

Anzeige
Anzeige

Über 100 Tage ist Ingo „Lommel“ Lamprecht jetzt im Amt als hauptamtlicher Geschäftsführer eines der mitgliederstärksten Vereine im Kreis Prignitz/Ruppin, dem MSV Neuruppin. Seit dem 1.  Dezember arbeitet der als Vorsitzender des TSV Wustrau vielen Bekannte bei seinem neuen Arbeitgeber. Und sieht sich jetzt einer großen Herausforderung gegenüber: Den Verein durch die Coronavirus-Krise zu steuern, deren Umfang und Ende zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abzusehen ist. Im SPORTBUZZER-Interview spricht der 47-Jährige über seine ersten 100 Tage, noch kurz bevor die Geschäftsstelle in der Neuruppiner Bilderbogenpassage vorerst geschlossen wurde.

Herr Lamprecht, die Krise, hervorgerufen durch das Coronavirus, drängt besonders im sportlichen Bereich vieles in den Hintergrund. Wie wirkt sich die derzeitige Situation auf ihre Arbeit als Geschäftsführer beim MSV Neuruppin aus?
Ingo Lamprecht: Zum einen haben wir unsere Geschäftsstelle für den Publikumsverkehr geschlossen und machen sozusagen Homeoffice, wie so viele in der jetzigen Zeit.

Schwimmbad, Turnhallen, Sportplätze sind zum Schutz der Menschen vor Ansteckung geschlossen. Somit können ihre Mitglieder jetzt keinen Vereinssport betreiben. Stoßen Sie bei ihrer Arbeit für diese Maßnahmen, die Sie oder der Verein nicht zu verantworten haben, auf Widerstände?
Der MSV finanziert sich durch Mitgliedsbeiträge und Gelder von Sponsoren. Bei den Beiträgen appelliere ich an die Vernunft der Mitglieder, dass sie nicht nur an sich selbst denken, und womöglich ihren Austritt erklären, weil sie keine Gegenleistung bekommen.

Haben bereits Mitglieder gekündigt?
Bis jetzt habe ich nur eine Austrittserklärung auf dem Tisch zum 30. Juni. Aber wir wissen doch alle nicht, welche weiteren Auswirkungen die Krise noch hat. Man sieht es doch jetzt schon an den Fitness-Studios, denen die Kunden wegbleiben. Was wir jetzt brauchen, ist nicht Toilettenpapier, was wir jetzt brauchen, ist die Gemeinsamkeit im Verein und in der Gesellschaft.

Aktuelles aus der Region

Wie ist die Reaktion der Sponsoren?
Die Betriebe müssen jetzt auch sehen, wie es weiter geht, viele haben schon Kurzarbeit angemeldet. Die Krise wird einige Vereine die Existenz kosten, wenn Sponsoren nichts mehr haben. Jetzt gilt es, klug und wirtschaftlich zu handeln.

Der Trainingsbetrieb ist gestoppt, der Spielbetrieb in vielen Sportarten unterbrochen oder gänzlich abgebrochen. Wie geht es ihrer Meinung nach weiter?
Ob der Spielbetrieb zum Beispiel im Fußball weitergeht, wann oder wie der wieder anfängt – ehrlich gesagt wage ich es zu bezweifeln, dass der Spielbetrieb überhaupt weitergeht.

Während unseres Gesprächs erreicht uns die Nachricht, dass die Europameisterschaft ins nächste Jahr verschoben wurde. Was sagen Sie dazu?
Das ist das erste Mittel, die Saison im Profibereich zu retten.

Zurück zum MSV und ihren ersten 100 Tagen als Geschäftsführer. Wie sind die ersten Erfahrungen in ihrer Arbeit?
Die ersten 100 Tage waren schon interessant. Ich kannte den Verein ja schon vor meinem offiziellen Amtsantritt, habe die Vorbereitungen für die 100-Jahr-Feier des MSV Neuruppin ehrenamtlich begleitet. Ich habe die Arbeitsweise des Vorstands kennengelernt, mich in die Satzung und Ordnungen des Vereins eingearbeitet und dabei schon einige Verbesserungswünsche hinsichtlich der Beitrags- und Ehrenordnung geäußert. Die Änderungen sollen bei der Mitgliederversammlung im Mai schon beschlossen werden. So die Versammlung denn stattfindet. Auch die Satzung hat Passagen, die überarbeitet werden sollten. Aber das schaffen wir erst zu 2021. Das sind alles so Kleinigkeiten, die sich auftun. Wie beim Hausbau. Wenn es fertig ist, fällt dir das eine oder andere auf.

Sie haben beim MSV Neuruppin die Agenda 2025, die unter anderem besagt, dass in diesem Jahr der Verein genauso viele Mitglieder haben soll. Wie wollen Sie diese Vorgabe umsetzen?
Um mir ein Bild über so einen großen Verein zu machen, habe ich mich beim TSV Falkensee mit seinen über 4000 Mitgliedern umgesehen. Das waren lehrreiche Stunden, für mich persönlich und den MSV. Die haben dort 130 Trainer und Übungsleiter und einen Geschäftsbetrieb mit fest angestellten Mitarbeitern. 2025 ist für mich etwas utopisch. Zum einen fehlen die Übungsleiter, zum anderen, was noch wichtiger ist, die entsprechenden Räumlichkeiten. Im Kinder- und Jugendbereich könnten wir noch einiges an Potenzial zulegen.

In Bildern: Die SPORTBUZZER-Top-Elf der Brandenburgliga-Hinrunde 2019/20.

Die <b>SPORT</b>BUZZER-Top-Elf der Brandenburgliga-Hinrunde 2019/20. Zur Galerie
Die SPORTBUZZER-Top-Elf der Brandenburgliga-Hinrunde 2019/20. ©
Anzeige

Wieviel Mitglieder hat der MSV Neuruppin zur Zeit?
Wir haben 800 Mitglieder in zwölf Abteilungen. Um die Mitgliederzahlen zu erhöhen, müssen wir Veränderungen in der Grundstruktur schaffen. Ich sehe das hier wie ein Unternehmen, wo auch das Verhältnis der Kosten stimmen muss. Da kommen wir zu den Mitgliedsbeiträgen. Wir haben 10 Euro im Monat, und das ist eigentlich zu wenig. Aber wenn man das anspricht, denken die Mitglieder bei Geld immer gleich ans Schlimmste.

Wie wollen Sie den Mitgliedern solche Veränderungen besonders im finanziellen Bereich begreiflich machen?
Ich muss noch mehr mit den Leuten reden, daran muss ich weiterarbeiten. Wir wollen überhaupt noch viel transparenter in unserer Arbeit werden, so dass die Mitglieder Entscheidungen leichter nachvollziehen können.

Bei ihrem Amtsantritt haben Sie angedeutet, dass der Bau des Kunstrasenplatzes im Volksparkstadion des MSV Neuruppin eine der großen Herausforderungen in der ersten Zeit sein würde?
Da wussten wir noch nichts von Corona. Ja, wir bleiben aber beim Thema. Ich musste mich erst einmal einlesen. Jetzt sind die Ausschreibungsunterlagen raus, sind auf der Internetseite Vergabeplattform Brandenburg einzusehen. Wenn alles läuft, rechnen wir mit dem Baubeginn am 18. Mai, die Submission soll im April stattfinden.

Gibt es neben der Coronakrise, die das Projekt stoppen könnte, weitere Probleme, die den Baubeginn verzögern könnten?
Wir müssen noch mehr mit der Stadt reden. Der MSV Neuruppin will das Projekt allein finanzieren, die Bank will allerdings Sicherheiten. Deswegen wollen wir mit der Stadt über eine etwaige Bürgschaft reden.

Die aktuellen TOP-THEMEN
Anzeige
Sport aus Brandenburg
Sport aus aller Welt