08. März 2022 / 07:38 Uhr

Geschäftsstelle, Trainingszentrum, Spielfelder: So plant RB Leipzig für die Zukunft

Geschäftsstelle, Trainingszentrum, Spielfelder: So plant RB Leipzig für die Zukunft

Antje Henselin-Rudolph
Leipziger Volkszeitung
Die Trainingsplätze von RB Leipzig.
Die Trainingsplätze von RB Leipzig. © André Kempner
Anzeige

Der Ärger über den geplatzten Kauf des Areals am alten Schwimmstadion scheint bei RB Leipzig wie weggeblasen. Statt dessen herrscht Vorfreude. Denn der Bau der neuen Geschäftsstelle startet Anfang 2023. Dabei soll es nicht bleiben.

Leipzig. Zwei Jahre ist es her, dass sich RB Leipzig und die Stadt heftig um das Gelände des alten Schwimmstadions neben der Red Bull Arena stritten. Der Club wollte kaufen, an Ort und Stelle in einem Neubau unter anderem seine Geschäftsstelle und das Sportmuseum unterbringen. RB-Vorstandschef Oliver Mintzlaff berief sich auf Zusagen von Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD). Der konnte sich an solche Aussagen nicht erinnern. Der Stadtrat lehnte einen Kauf schließlich ab. Mintzlaffs Vorwurf: Der OBM habe den Deal quasi auf dem Altar des persönlichen Erfolgs geopfert. „Wir gehen davon aus, dass die Grünen, die die Entwicklung des Geländes immer schon kritisch bewertet haben, offenbar als Gegenleistung für den Rückzug der Kandidatin der Grünen und einer Wahlempfehlung für Oberbürgermeister Jung nun mit diesem zusammen den zügigen Verkauf verhindern wollen“, so der RB-Chef im LVZ-Interview im Frühjahr 2020.

Anzeige

„Die bessere Lösung“

Der Bundesligist, dessen Büros aktuell in einem Container-Bau am Cottaweg untergebracht sind, musste umplanen, erwarb stattdessen ein 14.000 Quadratmeter großes Grundstück an der Ecke Cappastraße/Erich-Köhn-Straße in unmittelbarer Nähe des Trainingszentrums. Dass Mintzlaff anno 2022 froh sein würde, dazu gezwungen worden zu sein, hätte er wohl selbst am wenigsten gedacht. Ist aber so, wenn man den Worten des 46-Jährigen glauben mag.

Im Bereich rechts unten entsteht die neue Geschäftsstelle von RB Leipzig.
Im Bereich rechts unten entsteht die neue Geschäftsstelle von RB Leipzig. © André Kempner

„Manchmal geht tatsächlich eine Tür zu und eine andere auf. Es ist die beste Entscheidung, die wir treffen konnten“, erklärte er am Samstag in einer Medienrunde. „Wer jetzt bei uns zu Besuch ist, sieht ja, wie viele Leute permanent von der Geschäftsstelle rübergehen zum Sport und umgekehrt. Wenn ich mir überlege, dass man da dann jedes Mal doch wieder ins Auto steigen und rüberfahren müsste. Es ist einfach die ruhigere, die bessere Lösung. So können wir alles miteinander kombinieren, eng zusammensitzen. So haben wir die wenigsten Informationsverluste.“

Anzeige

Bis es soweit ist, werden allerdings noch einige Monate vergehen. Anfang kommenden Jahres sollen die Arbeiten beginnen. „Wir gehen von einer Bauzeit von 18 bis 24 Monaten aus“, so Mintzlaff. Wie tief der Club für sein neues Zuhause in die Tasche greifen muss, konnte er noch nicht sagen. „Wir werden sehen. Es gibt bisher nur ganz grobe Kostenschätzungen.“

Was dagegen bereits steht, ist der Entwurf. Fünf davon ließen sich die Verantwortlichen vorlegen, jeder erarbeitet von einem anderen Architekturbüro. „Ich finde, man hätte mit keinem davon etwas falsch gemacht. Wir mussten ja nicht ausschreiben, sondern haben die Büros gezielt ausgesucht.“ Dabei hätten bisherige Arbeiten sowie das Verständnis „für die Arbeitskultur, die wir für uns in Zukunft sehen“ eine Rolle gespielt.

Mehr Plätze nötig

Bis zum Entwurf war es ein weiter Weg. „Der Prozess dauert jetzt schon anderthalb bis zwei Jahre. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren beteiligt. Eine Arbeitsgruppe hat das gemeinsam mit der Gesamtbelegschaft so ausgearbeitet, dass wir jetzt soweit sind und sagen können: Das fühlt sich so an, als könnte es unser neues Zuhause werden.“ Zu sehen bekommen haben den Entwurf außerhalb des Cottawegs bisher nur die Vereinsmitglieder von RB. „Ich denke, wir werden ihn auch bald einmal öffentlich vorstellen“, so Mintzlaff.

Mehr zu RB

Und was wird aus der alten Geschäftsstelle? Die Container verschwinden in jedem Fall. „Da werden wir vielleicht noch einen weiteren Platz bauen. Das müssen wir aber noch mit der Stadt besprechen“, warf der Vorstandschef einen Blick voraus. „Ich könnte mir zum Beispiel vorstellen, dass wir den kleinen Platz zu einem großen umbauen. Denn wir sind immer noch einer der Bundesligisten mit den wenigsten Trainingsplätzen. Wir haben ja die Frauen, die zum Teil immer noch ausweichen müssen und die wir gern komplett am Cottaweg hätten“, so Mintzlaff. „Außerdem einige U-Mannschaften, die aktuell anderswo trainieren. Das gefällt mir nicht. Wir wollen ganz gern alles unter einem Dach haben.“

Zum Vergleich: Rekordmeister München kann auf dem Bayern-Campus auf acht Felder zurückgreifen. Für die Profis, die bekanntlich an der Säbener Straße zu Hause sind, stehen weitere sieben Plätze zur Verfügung. Dass das noch längst nicht das Ende der Fahnenstange ist, beweist ein Blick auf die Insel, nach England. So umfasst das Cobham Trainingszentrum des Erstligisten Chelsea FC sagenhafte 30 Plätze.