23. April 2020 / 10:38 Uhr

Geschlossene Sportstätten: Stadt Leipzig bleibt unerbittlich, greift Vereinen aber unter die Arme

Geschlossene Sportstätten: Stadt Leipzig bleibt unerbittlich, greift Vereinen aber unter die Arme

Britt Schlehahn
Leipziger Volkszeitung
Die „Sporttreibenden“ stehen im Moment in Leipzig und Umgebung vor verschlossenen Anlagen.
Leipzigs Sportler stehen aktuell vor verschlossenen Türen. (Archivbild) © André Kempner
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Während andernorts bereits in Kleingruppen trainiert werden darf, bleiben die Sportstätten in Leipzig für die Fußball-Regionalligisten und auch alle anderen Sportler weiter geschlossen. Die Ausnahmen sind handverlesen. Wie hilft das Sportamt der Stadt Leipzig den Vereinen durch diese Dürrephase? Der SPORTBUZZER hat bei Amtsleiterin Kerstin Kirmes nachgefragt.

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Leipzig. Aufregung in der Regionalliga Nordost: Seit Dienstagmorgen steht Energie Cottbus wieder auf dem Trainingsplatz, in Kleingruppen mit maximal sieben Spielern einschließlich Trainerteam. Dazu gibt es strenge Auflagen. Ermöglicht werden die Einheiten nach 40 Tagen Zwangspause durch eine Sondergenehmigung der Stadt Cottbus. Andere Regionalligisten sehen darin eine Wettbewerbsverzerrung und fehlende Solidarität der Lausitzer mit den Leidensgenossen von der Konkurrenz.

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Wenige Ausnahmen

Denn in anderen Städten stehen die Zeichen so gar nicht auf Trainingsbetrieb. Leipzig, in der Liga mit dem 1. FC Lok und der BSG Chemie vertreten, gehört dazu. Im Gespräch mit dem SPORTBUZZER macht die Leiterin des Sportamtes, Kerstin Kirmes, beiden wenig Hoffnung auf eine Sonderlösung á la Cottbus. "Die Wiedereröffnung aller privaten und öffentlichen Sportstätten unterliegt der Landesentscheidung. Die kommunale Exit-Strategie ist davon abhängig." Eigenmächtiges Handeln sei nicht möglich. Heißt: Einen Leipziger Sonderweg wird es nicht geben.

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Ausnahmen werden lediglich für den Hochleistungssport gemacht und direkt von den zuständigen Ministerien des Freistaats erteilt. Namentlich benannte Athleten dürfen laut Kirmes "in extra gewidmeten Sportstätten trainieren." Dazu gehören im Sportforum die Nordanlage samt Hallen und Freianlage für die Leichtathleten, Ringer und Paratriathleten, die Schwimmhalle in der Mainzer Straße und für die Handballer der Kraftraum des SC DHfK. Alle anderen müssen sich wohl oder übel gedulden. "Dem Sport wird unter den Pandemiebedingungen sein sonst so hochgeschätzter Wert als Gemeinschafts- und Sozialfaktor zum 'Verhängnis'", so Kerstin Kirmes. "Hier lassen sich direkte Begegnungen und Ansammlungen kaum vermeiden. Das ist aber notwendig: Unterbrochene und zu unterbrechende Infektionsketten sind derzeit das A und O."

So hilft die Stadt:

Dennoch: Das Sportamt ist in der Coronakrise nicht nur Spielverderber, versucht den Vereinen der Messestadt im Rahmen seiner Möglichkeiten unter die Arme zu greifen. So kürzt die Kommune die Leistungen im Rahmen der institutionellen Sportförderung nicht. Die wird vor allem für Übungsleiter sowie Kinder- und Jugendsport ausgeschüttet und zählt laut Kirmes in den Bereich der "strukturerhaltenden Existenzsicherung". Rund 2,4 Millionen Euro stehen dafür jährlich bereit. Auch die auch Schwerpunktsportartenförderung und Trainermischfinanzierung werden ungekürzt fortgesetzt.

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Außerdem stundet das Amt die Rechnungen zur Nutzung der von der Stadt gepachteten Objekte für das erste Quartal bis zum Beginn der Sommerferien in Sachsen. "Da viele Vereinsgeschäftsstellen in den Corona-Wirren zunächst ihre Arbeitsfähigkeit sicherstellen mussten und andere Probleme hatten als Rechnungsbegleichung, wird die erst im Juni 2020 erfolgen", begründet Kerstin Kirmes. Für die Zeit ab dem 16. März bis zur Aufhebung der Sportstättenschließung würden generell keine Entgelte anfallen. Die Vereine erhielten allerdings die erste Rate der anteiligen Pachtkosten ungekürzt ausgezahlt.

Abseits dessen freut sich die Sportamtsleiterin über die zahlreichen Unterstützungsaktionen der Fans für ihre Vereine. "Großartig" engagierten sich ihrer Meinung nach die Fans für Lok Leipzig, BSG Chemie, SC DHfK oder HCL. "Sie beweisen die Solidarität, ohne die es in solchen Ausnahmezeiten nicht geht. Eben typisch Sport!"