17. Februar 2021 / 18:18 Uhr

Gesicht der BVB-Krise statt Führungsfigur: Marco Reus kämpft um seine Form und das EM-Ticket

Gesicht der BVB-Krise statt Führungsfigur: Marco Reus kämpft um seine Form und das EM-Ticket

Stefan Döring
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Ist zum Gesicht der BVB-Krise geworden: Marco Reus.
Ist zum Gesicht der BVB-Krise geworden: Marco Reus. © Lars Baron/Getty Images
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Marco Reus soll als Kapitän eigentlich vorangehen bei Borussia Dortmund. Doch der 31-Jährige ist mit seinen schwachen Leistungen auf dem Platz zu einem Gesicht der BVB-Krise geworden. Gegen den FC Sevilla soll auch für den Nationalspieler persönlich die Wende gelingen.

Marco Reus ist der Kapitän, ein vermeintlicher Führungsspieler, ein Sprachorgan der Mannschaft - und ein Gesicht der Krise von Borussia Dortmund. Wie kaum ein anderer Spieler steht der deutsche Nationalspieler in diesen Tagen sinnbildlich für die schwachen Vorstellungen des gesamten Teams. Statt mit starken Leistungen, Willen und Überzeugung voranzugehen, lässt Reus den Kopf hängen, spielt nachlässig und glücklos. Gegen den FC Sevilla in der Champions League am Mittwochabend spielt er dennoch wieder von Beginn an - und soll die sportliche Talfahrt der Borussia endlich stoppen.

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Der BVB will "die Chance wahrnehmen, in einem anderen Wettbewerb unser wahres Gesicht zu zeigen", wie es Trainer Edin Terzic am Montag auf der Pressekonferenz formulierte. Das erhofft er sich dann auch von seinem "sehr wichtigen Spieler" Reus, den er am vergangenen Wochenende noch auf der Bank setzte. Zwar kam der 31-Jährige gegen die TSG Hoffenheim in der zweiten Halbzeit ins Spiel, maßgebliche Akzente beim 2:2 vermochte er aber nicht zu setzen. Damit setzte sich das fort, was seit Wochen auffällig ist: Reus läuft seiner Form hinterher, ist aktuell nicht der Unterschiedsspieler, der er auch gern selbst sein will. In den Spielen zuvor wurde er deshalb regelmäßig ausgewechselt, was er zuweilen mit wütenden Gesten quittierte.

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Für Ex-Nationalspieler Stefan Effenberg führt dennoch kein Weg an Reus vorbei. "Ich erwarte doch, dass man Reus spielen lässt, er muss doch endlich wieder in seinen Rhythmus kommen in seiner Funktion als Führungsspieler", sagte er bei Sport1. Als solcher kommt Reus derzeit nur noch neben dem Platz rüber. Regelmäßig steht er in Interviews nach den Spielen parat und kritisiert die Leistungen. Mit seinen Aussagen nach der derben Pleite gegen den VfB Stuttgart trug er vielleicht sogar maßgeblich zur Entlassung von seinem Förderer Lucien Favre bei. Seine Leistungen auf dem Platz seitdem: schwach. Dennoch stärkt Effenberg Reus den Rücken: "Einer wie Reus in der jetzigen Dortmunder Situation braucht Spielpraxis - die Belastung kann ich stattdessen doch im Training runterfahren."


Auffällig ist, dass Reus nach seiner Verletzung aus dem vergangenen Sommer noch nicht wieder in Schwung gekommen ist. Nach der Geburt seines Kindes wirkt er zudem müde. Dabei dürfte es vor allem ein Mix aus dem Ärger aus der eigenen Leistung und der des Teams sein, der Reus immer wieder zur Weißglut bringt. "Es sind immer die gleichen Fehler, die wir machen. Das stinkt gewaltig", sagte er schon vor Wochen. Einzig: Auch Reus macht sie immer wieder. Er geht mit seinen Leistungen nicht voran, sein letztes Bundesliga-Tor schoss er Mitte Dezember. Seitdem kamen auch nur drei Torbeteiligungen hinzu. Die Zeiten, in denen er Offensivmotor und unumstrittener Stammspieler war, sind aktuell vorbei. Und damit auch in gewisser Weise seine Funktion als Führungsfigur der Mannschaft.

Reus spielt um seine EM-Chance

Das weiß auch Terzic. "Natürlich ist es schwer, wenn man das nur auf zwei Beine verteilt. Dementsprechend fordern wir nicht nur von einem einzelnen Spieler, sondern von allen Führungsspielern, sich diesen Schuh anzuziehen, die Verantwortung zu übernehmen und die Dinge wieder in die richtige Bahn zu leiten", sagte der Trainer, der im Sommer durch Marco Rose ersetzt wird, über Mats Hummels, Emre Can und Co. Er erwarte von ihnen mehr Initiative auf und neben dem Platz.

Dennoch muss auch Reus wieder in die Spur finden, schließlich spielt er Kapitän auch um seine EM-Chancen. "Wir werden seine Entwicklung weiter genau beobachten", sagte Bundestrainer Joachim Löw kürzlich. Allerdings sieht er selbst die Leistungen des BVB-Profis scheinbar besser, als viele Experten. "Bei Marco, der schon viele Rückschläge wegstecken musste, hat man nach seiner langen Verletzung anfangs schon gesehen, dass er bisschen Probleme mit dem Tempo hatte", sagte Löw der Bild. "Aber er hat das Zeug, wieder zu kommen, er wirkt wieder spritziger und hat gute Momente. Wir werden seine Entwicklung weiter genau beobachten und hoffen, dass er den positiven Trend weiter fortsetzen kann." Darauf werden sie auch in Dortmund hoffen - und vielleicht macht er schon gegen Sevilla einen Schritt.