02. Januar 2022 / 17:54 Uhr

Gewinner, Verlierer, Planungen: Union Berlin vor der Rückrunde

Gewinner, Verlierer, Planungen: Union Berlin vor der Rückrunde

David Joram
Märkische Allgemeine Zeitung
BERLIN, GERMANY - DECEMBER 03:  Julian Ryerson of 1.FC Union Berlin is challenged by Angelino of RB Leipzig during the Bundesliga match between 1. FC Union Berlin and RB Leipzig at Stadion An der Alten Foersterei on December 03, 2021 in Berlin, Germany. (Photo by Boris Streubel/Getty Images)
Julian Ryerson (l.) macht Kapitän Christopher Trimmel seinen Stammplatz streitig. © 2021 Getty Images
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Der 1. FC Union Berlin überzeugte in der Fußball-Bundesliga, zahlte international aber Lehrgeld – der SPORTBUZZER-Überblick vor Unions Rückrundenstart am 8. Januar bei Bayer 04 Leverkusen.

Eine äußerst erfolgreiche Hinrunde liegt hinter dem 1. FC Union, der sich seit 1. Januar auf die zweite Halbserie vorbereitet. 27 Punkte (sieben Siege, sechs Unentschieden, vier Niederlagen) sammelte der Berliner Fußball-Bundesligist, nach 17 Spieltagen steht die Mannschaft von Trainer Urs Fischer auf Platz sieben.

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Im DFB-Pokal zog Union nach zwei Auswärtssiegen gegen Türkgücü München (1:0) und den SV Waldhof Mannheim (3:1 n.V.) ins Achtelfinale ein. Dort wartet am 19. Januar Hertha BSC im Olympiastadion. Eine Enttäuschung gab es in der neu geschaffenen Conference League: Nach lediglich zwei Siegen aus sechs Spielen musste Union den Konkurrenten Feyenoord und Slavia Prag den Vortritt lassen. Die MAZ zieht vor Unions Rückrundenauftakt am Samstag in Leverkusen Bilanz.

Teuchert wechselt nach Hannover

Stärken: Andreas Luthe hat die Herzen der Union-Fans längst erobert. Die Nummer eins im Tor der Berliner war auch in dieser Vorrunde meist ein sicherer Rückhalt. In allen 17 Ligaspielen stand Luthe zwischen den Pfosten, hielt – von wenigen Fehlern abgesehen – solide und sechsmal zu null. Nur Bayerns Manuel Neuer, Freiburgs Mark Flekken und der Mainzer Robin Zentner schafften ebenfalls sechs Zu-null-Spiele. Der Fischer-Riegel brach in dieser Vorrunde auch wegen Luthe selten. In der Liga kassierten die Berliner nur gegen Bayern (2:5) und in Dortmund (2:4) mehr als zwei Gegentore. Das gesetzte Innenverteidiger-Duo Marvin Friedrich und Robin Knoche ergänzten je nach Personallage Timo Baumgartl oder Paul Jaeckel. Auf der linken Außenseite bewies Niko Gießelmann seine Stärken, rechts setzte Julian Ryerson den Kapitän Christopher Trimmel zunehmend unter Druck. Unabhängig vom Personal gilt, dass Unions Defensivkonzept meist gut funktionierte: 21 Gegentore bedeuten den viertbesten Wert in der Liga. Daran trägt auch das Mittelfeld um Rani Khedira seinen Anteil. Der Neuzugang verpasste das erste Training im neuen Jahr, weil er nach einer überstandenen Corona-Infektion noch auf die Freitestung warten musste.

Schwächen: Zu viele Aussetzer erlaubten sich die Berliner in der Conference League. Irgendein Union-Spieler patzte international fast immer. Vor allem beim 1:3 in Rotterdam verlor Unions Abwehr völlig die Übersicht. Es mangelte an Cleverness, Abgezocktheit, letztlich auch an Erfahrung. Das galt auch für einige Spiele in der Liga, in denen Union durch späte Gegentore in Stuttgart, Köln oder Frankfurt leichtfertig Punkte verschenkte. Auffällig war zudem, dass die Berliner unverändert große Probleme haben, das Spiel selbst zu gestalten. Insbesondere Offensivfreigeist Max Kruse bemängelte häufiger, dass der Mannschaft von Trainer Fischer spielerische Lösungen fehlen würden.

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Tiefpunkt bei Greuther Fürth

Der Höhepunkt: Von den sieben Siegen in der Bundesliga schmeckte der Heimerfolg gegen Stadtrivale Hertha BSC natürlich am besten. Der 2:0-Derbysieg, hergestellt durch Tore von Taiwo Awoniy und Christopher Trimmel, war ebenso verdient wie Union-typisch. Die Köpenicker boten den Blau-Weißen nahezu nichts an, drückten konsequent ihr Defensivspiel durch und bestraften die Fehler der Hertha gnadenlos. Die vielen Union-Fans unter den 22 012 Zuschauern im ausverkauften Stadion An der Alten Försterei sangen nach 90 souverän abgespulten Minuten vergnügt die Stadtmeister-Hymne.

Der Tiefpunkt: Der 12. Dezember war für Union kein besonders schöner, aber ein historischer Tag. 0:1 unterlagen die Berliner in Fürth und ermöglichten so nicht nur den ersten Saisonsieg des Gastgebers, sondern auch den ersten Fürther Heimsieg in der Bundesliga-Geschichte. So groß die Freude bei den Fürthern war, so tief saß der Frust bei den schwachen Berlinern. Planlos, ideenlos, wenig griffig. In Fürth offenbarte die Fischer-Elf, dass sie mit der Favoritenrolle nicht gut umgehen kann.

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Gewinner: Taiwo Awoniyi erwies sich als Volltreffer. 14 Pflichtspieltore erzielte der aus Liverpool fest verpflichtete Stürmer, dazu profitiert Union von Awoniyis körperbetontem Spiel. Die Kehrseite der Medaille: Nigerias Nationalspieler fährt nach seinen starken Leistungen zum Africa Cup of Nations in Kamerun (9. Januar bis 6. Februar) und wird den Berlinern in den ersten Spielen nach der Pause fehlen. Neben Awoniyi machten auch Gießelmann und Ryerson deutliche Fortschritte. Von den Neuzugängen gefielen vor allem Khedira und Genki Haraguchi.

Verlierer: Gab es trotz einer starken Vorrunde reichlich. Lediglich 23 der 31 Kaderspieler kamen zu Einsätzen in der Bundesliga, manchen Spielern fehlte komplett die Perspektive; keine Einsatzchancen in der Liga erhielten unter anderem die Neuzugänge Rick van Drongelen, Tymoteusz Puchacz und Pawel Wszolek. Auch Levin Öztunali, Kevin Möhwald, Bastian Ozcipka oder Anthony Ujah schafften es nicht über den Status Ergänzungsspieler hinaus – und Suleiman Abdullahi, einst gefeierter Aufstiegsheld, ist komplett außen vor. Im Sturm standen die Neuzugänge Kevin Behrens und Andreas Voglsammer (beide je ein Tor) klar im langen Schatten Awoniyis.

Planungen: Der Wechsel von Cedric Teuchert zu Zweitligist Hannover 96 ist fix, wie Union am Sonntag vermeldete. Neben van Drongelen könnte auch der mit dem Coronavirus infizierte Wszolek (bis einschließlich 5. Januar in Quarantäne) noch verliehen werden. Neuzugänge will Manager Oliver Ruhnert in dieser Winter-Transferperiode nur holen, wenn sie Union über die Saison hinaus weiterhelfen – so wie der vom SC Freiburg verpflichtete Innenverteidiger Dominique Heintz. Ruhnert sagt aber auch: „Ein Kader ist fragil bis zum Ende der Transferperiode.“

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