16. September 2021 / 14:01 Uhr

GFL-Kommentator Andreas Renner vor Playoff-Start der Royals: "Das ist eine Riesensache für Potsdam"

GFL-Kommentator Andreas Renner vor Playoff-Start der Royals: "Das ist eine Riesensache für Potsdam"

Christoph Brandhorst
Märkische Allgemeine Zeitung
Andreas Renner kommentiert das erste GFL-Playoff-Spiel der Potsdam Royals live für Sport1.
Andreas Renner kommentiert das erste GFL-Playoff-Spiel der Potsdam Royals live für Sport1. © Gerhard Pohl/Sport1
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German Football League: American-Football-Experte und Sport1-Kommentator erwartet, dass zwischen Potsdam und München die Abwehrreihen dominieren.

Seit fast 30 Jahren begleitet Sportreporter Andreas Renner American Football in Deutschland. Für DAZN kommentiert er Spiele der nordamerikanischen NFL. Auch wenn am Sonntag im Karl-Liebknecht-Stadion die Potsdam Royals zu ihrem ersten GFL-Playoff-Spiel gegen die Munich Cowboys antreten, wird Renner am Mikro sitzen und das Match live im Free-TV für Sport1 kommentieren. Im SPORTBUZZER-Interview spricht der Football-Experte über die Entwicklung der Royals, die Konkurrenz durch die European League of Football (ELF) und das Playoff-Debüt der Potsdamer.

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Herr Renner, Sie hatten die Potsdam Royals schon vor der Saison als mögliche Überraschung auf dem Zettel. Hat das Team Ihre Vorahnung gerechtfertigt?

Andreas Renner: Absolut! Die Royals haben hart daran gearbeitet, eine schlagkräftige Truppe für die Saison zusammenzustellen. Das hat super funktioniert. Sie haben aber nicht nur Spieler verpflichtet, sondern sich auch auf anderen Ebenen weiterentwickelt, haben beispielsweise zwei US-amerikanische Coaches in den Trainerstab geholt. Jetzt sind sie nicht nur zum ersten Mal in den Playoffs, sondern haben auch noch Heimrecht. Am letzten Spieltag der Hauptrunde hatte Potsdam sogar noch die Chance auf die Nord-Meisterschaft. Das sind ja schon zwei Schritte mehr als man sich vorgenommen hatte. Das ist eine Riesensache für Potsdam.

Nach einem Jahr Corona-Zwangspause wussten viele Teams vor der neuen GFL-Saison nicht, wo sie stehen. Was ist ihr Eindruck nach der Hauptrunde?

Gerade in der GFL Nord war gut zu sehen, dass dort ein Niveau herrscht, auf dem jeder jeden schlagen kann. Potsdam hat überzeugt. Kiel hat überraschende Siege eingefahren. Die Lions aus Braunschweig, die im Norden sonst oft dominiert haben, waren nicht ganz so stark. Insgesamt gab es also viel Bewegung, die der GFL gut tut. Es war sehr spannend und ausgeglichen, das war ganz klar ein Schritt nach vorn.

In Bildern: Potsdam Royals besiegen die Cologne Crocodiles deutlich.

Die Potsdam Royals gewinnen auch ihr drittes Saisonspiel und behalten gegen die Cologne Crocodiles aus Köln mit 31:7 deutlich die Oberhand. Zur Galerie
Die Potsdam Royals gewinnen auch ihr drittes Saisonspiel und behalten gegen die Cologne Crocodiles aus Köln mit 31:7 deutlich die Oberhand. © Gerhard Pohl

Jetzt starten die Playoffs. Wo liegt der Reiz?


Das ist doch die besondere Würze: Man hat nur diese eine Chance. Und die Intensität steigt in diesen K.o.-Spielen noch einmal gewaltig. Das wird sehr interessant.

Seit wann begleiten Sie die GFL als Sportreporter?

Angefangen hat alles Anfang der 1990er Jahre. Da habe ich begonnen, mich für American Football in Deutschland zu interessieren. Ich glaube, um 2000 herum habe ich dann meinen ersten German Bowl kommentiert. 2008 fing ich an, regelmäßig die Highlights der Spiele zu kommentieren. Aber in diesem Jahr ist es das erste Mal, dass Sport1 insgesamt 14 Spiele, inklusive des German Bowl, live im Free-TV zeigt.

Wie wichtig ist diese Medienpräsenz für die Liga?

Unabhängig von der Konkurrenz – sehr wichtig! Die NFL-Übertragungen auf Pro7 und darüber hinaus sind unglaublich erfolgreich. Die Einschaltquoten, die sie erreichen, machen American Football zur zweiterfolgreichsten Mannschaftssportart im deutschen Fernsehen. Jetzt geht es darum, dieses Zuschauerpotenzial zu nutzen und auch für den deutschen Football zu begeistern. Die weitere Professionalisierung der Liga muss da der Weg sein. Denn in der GFL – und das gilt übrigens auch für die European League of Football – können die allerwenigsten Spieler vom Sport leben. Da muss man ansetzen und dabei hilft natürlich auch mehr Medienpräsenz.

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Sie sprechen die European League of Football, kurz ELF, schon an. Trainer und TV-Moderator Patrick Esume hatte die Liga im Sommer initiiert. Wie bewerten Sie diese Konkurrenz zur GFL?

Es gibt diverse Städte, wo es zu einer direkten Konkurrenz gekommen ist. Wo sich die Teams regelrecht um die besten Spieler gestritten haben. Da muss man ganz klar sagen: Das hat Mannschaften aus der GFL auch geschadet. Insgesamt gibt es mehr Football-Teams in Deutschland, dadurch wird die Qualität auf dem höchsten Niveau leider verwässert. Man kann schon sagen: Es herrscht ein Kulturkrieg im deutschen Football. Zwischen den traditionellen Vereinen aus der German Football League und denen, die eine neue Liga aufsetzen, die sich bisher jedenfalls vom restlichen Football abkapselt.

Eine Mannschaft besteht im American Football oft aus 50 und mehr Spielern, da kommt bei einem Spiel ganz schön was zusammen. Wie bereiten Sie sich auf eine Partie vor, um als Kommentator auch stets die richtigen Hintergrundinfos parat zu haben?

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Ich schaue mir natürlich die letzten Spiele beider Mannschaften an. Ich lese, was ich in die Finger bekommen kann. Bei GFL-Spielen versuche ich, vorher mit beiden Cheftrainern zu sprechen, um über die aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden zu sein. Die Geschichten kommen dann eher zufällig. Das ist ein Prozess, wenn man sich die ganze Woche mit der Liga beschäftigt. Das ist wie ein Fundament, das mit der Zeit immer fester wird.

Die Potsdam Royals sind in ihrer vierjährigen GFL1-Zugehörigkeit zum ersten Mal in der Endrunde. Was trauen Sie dem Team von Coach Michael Vogt noch zu?

Da antworte ich mit einem ganz klaren: Ich weiß es nicht! Die Royals hatten gerade zum Ende der Saison unglaubliches Verletzungspech, vor allem in der Defense. Da sind drei, vier Passverteidiger ausgefallen. Auf der Linebacker-Position spielten die Spieler, die an fünfter oder sechster Stelle kommen. Das ist ein Riesenproblem. Ein Verlust an Qualität, den man nicht auffangen kann. Ich habe noch keine weiteren Infos, wer am Sonntag spielen kann, daher ist eine Prognose schwer.

Auf was für ein Spiel dürfen sich die Fans im „Karli“ freuen?

München hat eine starke Defense, das ist vielleicht ihre größte Stärke. Auf der anderen Seite sollte die Potsdamer Defense mit der Offensive der Cowboys eigentlich auch gut zurechtkommen. Daher sollten sich die Fans vorsichtshalber darauf einstellen, dass das Spiel von den Abwehrreihen dominiert wird.