15. Juli 2021 / 15:56 Uhr

Buffon-Erbe, Europameister, "der Beste der Welt": So tickt PSG-Neuzugang "Gigio" Donnarumma

Buffon-Erbe, Europameister, "der Beste der Welt": So tickt PSG-Neuzugang "Gigio" Donnarumma

Leon Schaefer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Europameister Gianluigi Donnarumma spielt künftig für Paris Saint-Germain.
Europameister Gianluigi Donnarumma spielt künftig für Paris Saint-Germain. © Getty Images/IMAGO/La Presse (Montage)
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Erst krönte sich Gianluigi Donnarumma zum Europameister und Spieler des Turniers, nun wechselt er von der AC Mailand zu Paris Saint-Germain. Die Karriere des Torhüters kann sich bereits mit 22 Jahren sehen lassen. Doch wie hat er sich zum wohl größten Torwart-Talent der Welt entwickelt? Der SPORTBUZZER stellt ihn vor.

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Buffon-Erbe, wertvollster ablösefreier Wechsel, Spieler der Europameisterschaft: Mit erst 22 Jahren hat Gianluigi Donnarumma in der Fußball-Welt schon einiges erlebt. Gerade die vergangenen Wochen hatten es für den italienischen Nationaltorhüter in sich. Erst gewann er letzten Sonntag mit der Squadra Azzurra die Europameisterschaft, wurde dabei im Elfmeterschießen des Endspiels gegen England zum Helden – und als bester Spieler des Turniers ausgezeichnet. Dann wurde am Mittwoch nach acht Jahren bei der AC Mailand sein ablösefreier Wechsel zu Paris Saint-Germain verkündet.

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Eine einzigartige Karriere hat Donnarumma also zwangsläufig vor sich. Schon jetzt kann er mehr Erfahrung verbuchen als viele gestandenere Profis. Nun sollen bei PSG auch auf Klub-Ebene erfolgreiche Jahre folgen. "Ich beginne ein neues Kapitel in meinem Leben. Ich bin in Mailand sehr gewachsen und jetzt fühle ich mich für dieses Abenteuer bereit", sagte er zur Ankunft bei seinem neuen Klub. Doch wie lief seine Geschichte bisher? Der SPORTBUZZER stellt ihn vor.

Bruder und Onkel: Torhüter-Gen liegt bei Donnarumma in der Familie

Geboren wurde Gianluigi Donnarumma, genannt "Gigio", wie so viele spätere italienische Nationalspieler in Kampanien. Am 25. Februar 1999 erblickte er am Fuße des Vesuvs in Castellamare di Stabia, einem Vorort von Neapel, das Licht der Welt. Der Fußball – und die Torhüter-Position im besonderen – liegt in der Familie: Onkel Enrico Alfano war bereits Torwart. Und in seinem neun Jahre älterem Bruder Antonio hat "Gigio" ein weiteres Vorbild: Antonio spielt bereits für den örtlichen Profi-Klub SS Juve Stabia, als der jüngere Brüder auf die Welt kommt.

Auch Donnarumma beginnt so in jungen Jahren mit dem Torhüten – bei einer echten Kaderschmiede. Der ASD Club Napoli in seinem Heimatort hat in den letzten Jahren vier Torhüter ausgebildet, die ihren Weg in die Serie A gefunden haben. Der Torwart-Ausbilder des Vereins, Ernesto Ferraro, war sich schon 2007 sicher: "Die Leute werden denken, ich bin verrückt, aber Gigio wird der beste von allen", wie er der großen napolitanischen Zeitung Il Mattino sagte. Donnarumma war damals acht Jahre alt.

Bis die Prophezeiung eintrat, sollte es noch ein paar Jahre dauern. Zunächst war es Bruder Antonio, der den Stolz der Familie auf der großen Bühne verteidigte: 2006 wechselte er von Juve Stabia zum Lieblingsklub der Brüder, der AC Mailand, weit entfernt in der nördlichen Lombardei. In seinem Schatten entwickelte sich auch "Gigio" prächtig. Er spielte in allen Jugendklassen eine Jahrgangsstufe höher, auch weil er früh groß gewachsen war. 2013 wurde Castellamare die Stabia dann eine Nummer zu klein. Eigentlich hatte Donnarummas Vater eine Einigung mit Milans Stadtrivale Inter erzielt. Doch während Verhandlungen über seinen anderen Sohn Antonio zeigte die AC plötzlich auch Interesse an Gianluigi – und stimmte die Donnarummas innerhalb von wenigen Tagen um. Für 250.000 Euro wechselte der damals 14-Jährige zu den Rossoneri.

Bis heute jüngster Torwart-Debütant in der Serie A

Lange hat Donnarumma dort nicht gebraucht, um sich im italienischen Profi-Fußball zu etablieren: Eine Saison lang hütete er das Tor der U19, stand dank einer Ausnahmegenehmigung vereinzelt auch im Kader der Profis. Am 25. Oktober 2016, am 9. Spieltag der nächsten Saison, war es dann so weit: Der angezählte Trainer Sinisa Mihajlovic nahm vor seinem Job-Endspiel in der Liga gegen Sassuolo einen Wechsel vor. Der bisherige Stamm-Torhüter Diego Lopez musste auf die Bank, Donnarumma sollte als jüngster Keeper in der Geschichte der Serie A den Kasten hüten. Der 17-Jährige überzeugte – und war fortan nicht mehr aus dem Tor des Traditionsklubs zu verdrängen.

Ganze 251 Pflichtspiele hat Donnarumma seither für die Rossoneri angehäuft – und sich so langsam aber sicher zum legitimen Erben von Ausnahmetorhüter Gianluigi Buffon herauskristallisiert. Am 1. September 2016 debütierte er als jüngster Torhüter in der Geschichte der italienischen Nationalmannschaft. Inzwischen kommt er auf 33 Einsätze. "Er steht vor einer außergewöhnlichen Karriere", sagt Altmeister Buffon über seinen Nachfolger im Tor der Squadra Azzurra. Donnarummas bisheriger Mailänder Team-Kollege Zlatan Ibrahimovic ging jüngst sogar noch weiter: "Er ist der beste Torhüter der Welt, aber das werde ich ihm nicht verraten", sagte der Schwede. Die Leistungen Donnarummas bei der EM lassen diesen Verdacht zumindest zu.

Donnarummas Erfahrung von über 250 Pflichtspielen: "Absolut einzigartig und toppt alles"

Eine große Rolle bei der beeindruckenden Abgeklärtheit und den hochentwickelten Fähigkeiten des Top-Talents dürfte seine enorme Erfahrung spielen: "Der internationale Topmann kommt bis 23 im Durchschnitt bereits auf weit über 150 Spiele im Erwachsenenalter", sagte der Leiter der DFB-Akademie, Tobias Haupt, zuletzt über die Voraussetzungen bei Weltklasse-Torhütern. Donnarumma erreicht diesen Wert locker: "Im Alter von 22 Jahren mehr als 240 Serie-A-Spiele und 30 Länderspiele: Das ist absolut einzigartig und toppt alles um ein Vielfaches", schwärmt Haupt. Und laut Statistikdienstleister Opta war der Keeper im letzten Jahr gar der erfahrenste 21-Jährige in den großen fünf europäischen Ligen – auf allen Positionen.

Dass Milan für ein solches Ausnahmetalent bald eine Nummer zu klein werden könnte, zeichnet sich schon länger ab. Titel mit dem ehemaligen Champions-League-Anwärter sind in der von Juventus dominierten Liga seit einiger Zeit nicht zu gewinnen. Seine Bilanz nach acht Jahren Mailand: Lediglich der italienische Superpokal 2016 steht neben der EM-Medaille in Donnarummas Titel-Schrank. Verständlich, dass er da schon länger mit anderen Vereinen in Verbindung gebracht wurde. Rund um seine Vertragsverlängerung 2017 wurde es unruhig. Den Mailänder Tifosi stieß das raubeinige Verhalten von Berater Mino Raiola (von Uli Hoeneß einst als "geldgieriger Piranha" bezeichnet) und das kolpotierte hohe Gehalt auf. Viele konnte "Gigio" mit Leistungen auf dem Platz für sich zurückgewinnen – wenn auch nicht alle.

Der Wechsel zu PSG ist nun die klare Ansage: Nach dem EM-Titel soll weiteres Edelmetall folgen. Dass es ihn zum Pariser Star-Ensemble verschlägt schien indes nicht immer klar: Italiens Branchen-Primus Juventus Turin soll über die Jahre wieder und wieder versucht haben, ihn in den Piemont zu lotsen und auch auf Vereinsebene zum legitimen Buffon-Nachfolger zu machen. Auch die großen spanischen und englischen Klubs wurden mit ihm in Verbindung gebracht. Doch wo passt er aktuell besser hin, als in die Welt-Auswahl bei PSG mit Kylian Mbappé, Neymar oder Sergio Ramos?