23. Juli 2020 / 17:03 Uhr

"Gibt es bundesweit so nicht": Kanuten und Ruderer wollen Kooperation in Ahlem ausweiten

"Gibt es bundesweit so nicht": Kanuten und Ruderer wollen Kooperation in Ahlem ausweiten

Stefan Dinse
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Gruppenfoto im Wasser: Die Ruderer und Kanuten auf dem Zweigkanal in Ahlem.
Gruppenfoto im Wasser: Die Ruderer und Kanuten auf dem Zweigkanal in Ahlem. © Debbie Jayne Kinsey
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Das ist durchaus etwas Besonderes: In Ahlem trainieren Kanuten und Ruderer an einem gemeinsamen Stützpunkt - und das sehr harmonisch. Die Kooperation soll jetzt ausgebaut werden.

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Es passt nicht recht mit den Kanuten und den Ruderern am Zweigkanal in Ahlem. Die Boote kommen sich in die Quere, der Wind schiebt sie durcheinander. Paddel stößt an Ruder. Es ist ein großes Hallo, aber schließlich ist der Kanal voll. Und zwar so richtig. Mit Hochleistungssportlern nämlich. Alle Kader- und Topnachwuchsathleten quetschen sich für das Gruppenbild in ihren Sportgeräten nebeneinander. Dazu die Trainer in einem knallroten Motorboot.

Tatsächlich klappt es ausgezeichnet zwischen den beiden Disziplinen im Leistungszentrum am Rosenbuschweg, im realen Trainingsgeschehen kommen sie sich nicht ins Gehege. Im Gegenteil. Die Kooperation klappt bestens. „Da wird viel Rücksicht genommen, keiner nimmt sich zu wichtig. Es geht freundschaftlich zu“, sagt Kanu-Landestrainer Jan Francik. Kanuten und Ruderer hoffen darauf, dass der Stützpunkt bald erweitert wird.

Gruppenfoto auf dem Land: Die Ruderer und Kanuten in Ahlem.
Gruppenfoto auf dem Land: Die Ruderer und Kanuten in Ahlem. © Debbie Jayne Kinsey

"Das Verhältnis ist freundschaftlich"

Seit 2008 gibt es die gemeinsam genutzte Anlage nun bereits, bestehend aus einem Hauptgebäude, Bootshalle und dem Anleger. Die Zusammenarbeit hat sich in den vergangenen Jahren intensiviert. „Die Idee hatte von Beginn an einen besonderen Charme. Das Verhältnis ist freundschaftlich. Ich denke, das gibt es bundesweit so nicht“, sagt Thorsten Zimmer, Rudertrainer am Bundesstützpunkt Hannover.

Die Ruderer sind mit ihrer Einheit bereits durch, für den gemeinsamen Fototermin warten sie auf die Kanuten. Deren großen Hoffnungsträger kommen am Schluss: Sabrina Hering-Pradler, Paulina Paszek und Jakob Thordsen. Die müssen sich rasch trockene Sachen anziehen; das wird eng am Anleger. Kanus werden dorthin getragen, Ruderboote in die andere Richtung. Es wird viel gelacht und geflachst. Ein Kanute sagt: „Das klappt nie mit dem Bild. Wo sollen wir denn alle hin?“ Es funktioniert dann aber doch recht gut, keiner geht baden.

Enge Kiste: Die Kanuten und Ruderer posieren für das gemeinsame Foto

Etwa 30 Kanuten und Ruderer trainieren am Kanal

Für das Foto fährt Zimmer mit Nachwuchscoach Jannick Möller vom Olympiastützpunkt auf dem Motorboot, dirigiert die Athleten mit dem Megafon in Position. Francik hüpft kurzerhand von seinem Boot hinüber zu Zimmer. Kurze Wege zwischen den Partnern. „Wir profitieren und lernen sogar voneinander. Und das spiegelt sich auch in den guten Leistungen wider“, sagt Francik.

Eine große Anzahl an Hochleistungssportlern trainiert inzwischen am Kanal. Etwa 30 sind es bei Kanuten und Ruderern, und da sind etliche Nachwuchskräfte noch gar nicht mitgerechnet. „Auf dem Kanal ist genug Platz. Aber sonst ist es schon recht eng geworden, die Gruppen sind stark gewachsen“, sagt Francik.

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Ausbau der Anlage geplant

Angedacht ist eine Verlängerung des Gebäudes, einen Raum mit Ergometern soll es geben. „Und Platz, um das Training vor- und nachzubereiten. Der fehlt sehr“, so Zimmer. Etwa eine Million Euro würde das wohl kosten. Planungen laufen, beide Landesverbände, Landessportbund (LSB) und die Stadt Hannover sind mit im Boot. Konkurrenz zum Olympiastützpunkt soll das aber nicht sein, Kraft soll dort wie gewohnt trainiert werden. „Wir würden uns wünschen, dass dieses Bauvorhaben in diesem Jahr noch beginnen kann, dass es so schnell wie möglich kommt“, so Francik.

Inzwischen ist aus der guten Kooperation sogar mehr geworden. Kanute Jan-Ole Prager, Junioren-Doppeleuropameister, und Ruderin Rieke Hülsen sind ein Paar. Beide leben im Lotto-Sportinternat des LSB. Die Trainer freut das. „Harmonie fördert die Leistung“, betont Francik. Und Zimmer betont: „Unter dem Strich sind wir alle Wassersportler.“