18. Dezember 2019 / 16:52 Uhr

Gifhorner Boxer Nick Bier will die Tür zu Olympia weiter aufstoßen

Gifhorner Boxer Nick Bier will die Tür zu Olympia weiter aufstoßen

Nick Heitmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Einer für Olympia? Der Gifhorner Nick Bier will seine Chance nutzen und zunächst die nationale Ausscheidung gewinnen.
Einer für Olympia? Der Gifhorner Nick Bier will seine Chance nutzen und zunächst die nationale Ausscheidung gewinnen. © Sebastian Preuß
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Anfang August schien der Weg zu den Olympischen Spielen 2020 in Japan für Nick Bier blockiert. Dank starker Leistungen in den letzten Monaten hat der Weltergewichts-Boxer des BC Gifhorn die Tür aber ein Stück weit geöffnet, beim nationalen Ausscheidungsturnier ab Donnerstag in Kienbaum kann er sie noch weiter aufstoßen. Der 20-Jährige geht mit einer Mischung aus Zuversicht und Lockerheit in den Wettkampf.

Bier will nach London

Heute reist er gemeinsam mit Trainer Vitali Boot und Schwergewichtler Eugen Waigel (Munster) an. „Ich bin froh, dass Vitali dabei ist, er kennt viele Tricks, kann mir wichtige Tipps geben“, freut sich Bier. Gesucht wird in Brandenburg der deutsche Vertreter für das europäische Qualifikationsturnier in London, wo im März sechs Tokio-Tickets verteilt werden.

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Als Konkurrenten in der Gewichtsklasse bis 69 Kilogramm warten in Kienbaum Paul Wall (Berlin) und Magomed Schachidov (München), außerdem sorgt der Ukrainer Viktor Petrov für eine internationale Komponente. Das heißt aber auch: An drei Tagen stehen drei knallharte Duelle auf dem Programm.

Doch der Gifhorner ist topfit, obwohl er während der Vorbereitung anders als die Sportsoldaten Wall und Schachidov tagsüber seiner Ausbildung zum Elektroniker für Automatisierungstechnik bei VW nachgehen musste und nur abends in der Boxmühle trainieren konnte. „Die beiden anderen haben dagegen bis zu drei Einheiten am Tag absolviert“, so Bier. Als Vorteil betrachtet er dieses größere Pensum nicht unbedingt: „Es kann auch passieren, dass das Training irgendwann nur noch Pflicht ist und man keinen Bock mehr hat.“

9. Dinner-Boxen des BC Gifhorn

Kadetten bis 50 Kilogramm: Baki Özkan (BC Gifhorn; in rot) gegen Abdullah Riedel (BC Gifhorn) ohne Wertung. Zur Galerie
Kadetten bis 50 Kilogramm: Baki Özkan (BC Gifhorn; in rot) gegen Abdullah Riedel (BC Gifhorn) ohne Wertung. © Sebastian Preuß
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Bier selbst hat richtig Lust. Druck verspürt er nicht, Selbstvertrauen umso mehr. „Vor allem die WM-Teilnahme in Russland hat mich weitergebracht“, sagt das BCG-Ass mit Blick auf seine überzeugende Vorstellung samt Achtelfinal-Einzug im September. Er weiß, was gefordert ist: „Man muss klassisch boxen, nur das zeigen, was nötig ist, keine Show. Wenn man den Gegner sauer macht, hat man schon so gut wie gewonnen.“

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Als Außenseiter sieht sich der zweifache deutsche Vizemeister nicht. „Für die anderen Sportler bin ich das vielleicht, aber ich habe nichts dagegen, wenn sie mich unterschätzen“, erklärt Bier. „Ich glaube, dass wir uns alle auf Augenhöhe bewegen.“ Am liebsten würde er zum Auftakt auf Wall treffen. „Er ist ein guter Techniker und etwas ruhiger als Schachidov, der über die Kondition kommt und drei Runden lang Druck macht. So könnte ich Kräfte sparen.“

Das hätte zudem den Vorteil, dass sich der Münchner, der lange an einer Handverletzung laborierte, zunächst mit Petrov auseinandersetzen müsste. „Die Ukrainer sind bekannt dafür, dass sie einen harten Schädel haben. Da könnte Schachidov Probleme mit seiner Hand bekommen“, mutmaßt der 20-Jährige. „Letztlich will ich aber einfach nur mein Ding durchziehen.“

Turnier läuft bis Samstag

Das Turnier läuft bis Samstag, am Sonntag soll die Entscheidung der siebenköpfigen Kommission um Bundestrainer Eddie Bolger fallen. „Es ist gut, wenn man nicht lange warten muss“, so Bier. Womöglich ist trotzdem Geduld gefragt. Denn: Sollte der Kienbaum-Sieger im März in London scheitern, könnte der Zweitplatzierte für das Weltturnier in Paris nachrücken. Im Mai werden dort die letzten Olympia-Fahrkarten vergeben. Daran verschwendet der Gifhorner aber keinen Gedanken. „Ich gehe davon aus, dass ich jetzt meine Chance nutzen werde!“

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