04. Dezember 2022 / 17:58 Uhr

Giroud-Rekord und doppelter Mbappé-Hammer: Frankreich schlägt Polen im Achtelfinale mühelos

Giroud-Rekord und doppelter Mbappé-Hammer: Frankreich schlägt Polen im Achtelfinale mühelos

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Frankreich zieht dank Rekord-Torschütze Olivier Giroud (r.) ins WM-Viertelfinale ein.
Frankreich zieht dank Rekord-Torschütze Olivier Giroud (r.) ins WM-Viertelfinale ein. © Getty Images/Imago/Matthias Koch (Montage)
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Der Titelverteidiger bleibt im Turnier – und das nahezu mühelos: Die Franzosen schlagen die Polen um Stürmer-Star Robert Lewandowski im Achtelfinale am Sonntagabend klar. Olivier Giroud gelingt dabei ein besonderer Treffer und Kylian Mbappé untermauert seine Ambitionen auf die Auszeichnung des WM-Torschützenkönigs.

Der Titelverteidiger darf weiter vom nächsten WM-Gewinn träumen. Frankreich steht nach dem 3:1 (1:0)-Erfolg gegen Polen im Viertelfinale und bleibt eines der Teams, die es zu stoppen gilt – denn die Qualität vor allem im Spiel nach vorne ist auch ohne den amtierenden Weltfußballer Karim Benzema brutal.

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Trainer Didier Deschamps bringt nach XXL-Rotation im letzten Gruppenspiel gegen Tunesien (0:1) in der K.o.-Runde wieder seine Stammelf um Superstar Kylian Mbappé und Torhüter Hugo Lloris, der mit seinem 142. Einsatz mit Frankreichs Rekordnationalspieler Lilian Thuram gleichzieht – 119 Partien als Kapitän sind einsamer Weltrekord. Auch Polens Coach Czeslaw Michniewicz baut nach dem 0:2 gegen Argentinien, das trotzdem zur ersten WM-Achtelfinalteilnahme seit 1986 reichte, um, und setzt mit der Hereinnahme von Wolfsburgs Marcin Kaminski wieder auf die etwas kompaktere Variante mit Robert Lewandowski als einziger Sturmspitze.

Giroud vergibt erste große Chance kläglich

Frankreich dominiert die Partie wenig überraschend von Beginn an. Die ersten Chancen von Raphael Varane (Kopfball/4. Minute), Aurélien Tchounaméni (13./Fernschuss) und Antoine Griezmann (20.) bleiben aber noch ohne Wirkung. Und Lewandowski? "Es ist am besten, wenn er gar nicht erst an den Ball kommt", hatte sein Ex-Teamkollege der Bayern, Kingsley Coman, im Vorfeld gewarnt – er wusste warum. Kaum bekommt der Weltfußballer von 2021 etwas Platz, wird es gleich gefährlich. Sein Gewaltschuss aus gut 25 Metern rauscht knapp am Pfosten vorbei (21.).

Die dickste Gelegenheit der Franzosen leitet ein weiterer Ex-Bundesligastar ein: Ousmané Dembele (ehemals Borussia Dortmund). Seine feine Hereingabe grätscht Olivier Giroud aber am leeren Tor vorbei (29.) – in der Bezirksliga wäre er dafür vermutlich ausgewechselt worden.

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Doch auch der Gegner macht es nicht besser. Piotr Zielinski schießt aus elf Metern völlig freistehend Lloris an. Varane klärt den Nachschuss von Kaminski auf der Linie (38.) – unfassbar. Polens Trainer hatte vor dem Spiel aufgrund des übermächtigen Gegners noch gesagt, dass man nur "davon träumen" könne, "zu Chancen zu kommen". Dann muss man sie allerdings auch nutzen.

Spektakuläre Partie in der zweiten Halbzeit dank Frankreich

Auf dem Platz geht es hin und her, auf den Rängen herrscht Flaute. Die 40.000 Zuschauer, die die FIFA offiziell angibt, sind niemals da, die Atmosphäre im Al Thumama Stadium ist überschaubar. Dann wird es vor der Pause doch noch mal laut – Giroud trifft nach Zuckerpass von Mbappé zum 1:0 für Frankreich. Unter der Woche hatte Deschamps seinen Superstar mehrfach als "echten Teamplayer" gelobt, als eine "Lokomotive, die Verantwortung übernimmt." In der Tat ist Mbappé mal wieder der auffälligste Spieler auf dem Platz. Aber auch Giroud darf sich freuen. Mit seinem 52. Treffer hat er Thierry Henry überholt und ist nun alleiniger Rekordtorschütze der "Les Bleus".

Nach dem Seitenwechsel geht es spektakulär weiter. Griezmann zieht einen Freistoß von der rechten Seite direkt aufs Tor, doch der starke Wojciech Szczesny (hielt in diesem Turnier schon zwei Elfmeter) hat auch diesmal aufgepasst (48.).

Außenseiter Polen macht eigentlich ein gutes Spiel, hält kämpferisch dagegen, kann aber die Power-Offensive der Franzosen einfach nicht stoppen. Immer, wenn Mbappé über links oder Dembele über rechts Tempo aufnehmen, wird es gefährlich. Dabei übertreiben es die beiden auch gerne mal, spielen mit der Hacke oder machen sieben Übersteiger hintereinander – auch das kennt man. Trotzdem ist es eine Show, wenn sie in Wallung kommen.

Lewandowski, der das Spiel "genießen" wollte, ist dagegen kaum noch zu sehen und muss nach Hause fahren – weil Mbappé mit seinem Doppelpack den Deckel draufmacht (74., 90,+1). Es waren seine WM-Treffer acht und neun. Immerhin gelang Lewandowski per Handelfmeter (90.+9) im zweiten Versuch noch der Ehrentreffer. Im ersten Versuch hatte Lloris gehalten, stand aber bei der Ausführung zu weit vor der Linie. Beim ersten großen Turnier 2018 war Mbappé gleich Weltmeister geworden. Diesmal feiert er zwei Tage nach dem WM-Finale seinen 24. Geburtstag – mit dem goldenen Pokal?

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