21. November 2020 / 08:00 Uhr

Marco Rose über Titel-Träume in Gladbach, die Sehnsucht nach Fans und seinen Kumpel Jürgen Klopp

Marco Rose über Titel-Träume in Gladbach, die Sehnsucht nach Fans und seinen Kumpel Jürgen Klopp

Heiko Ostendorp und Andreas Kötter
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Im Interview spricht Trainer Marco Rose unter anderem über seine Titelambitionen mit Borussia Mönchengladbach.
Im Interview spricht Trainer Marco Rose unter anderem über seine Titelambitionen mit Borussia Mönchengladbach. © Getty Images (Montage)
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Marco Rose erklärt im SPORTBUZZER-Interview, warum er Titel-Träume bei Borussia Mönchengladbach als legitim ansieht. Zudem spricht er über den Fußball in Corona-Zeiten, seinen Kumpel Jürgen Klopp und seine Art der Mannschaftsführung.

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SPORTBUZZER: Herr Rose, wie wichtig ist Ihnen ein gutes Verhältnis zu Ihren Spielern, oder muss man als Trainer gar nicht immer Freund der Profis sein?

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Marco Rose (44): Grundsätzlich halte ich beides für möglich. Ich selbst pflege gerne ein gutes Verhältnis zu meinen Spielern und finde das auch wichtig, schließlich hat man es mit Menschen zu tun. Trotzdem wird man nicht immer jedem gerecht – wobei mein Verhältnis zu einem Spieler nicht davon beeinflusst ist, ob der Spieler spielt oder nicht. Der Spieler selbst mag das anders empfinden, aber als Trainer musst du auch mal harte Entscheidungen treffen. Wichtig ist dann, dass du gut kommunizierst.

Sie hatten es als Profi mit starken Trainerpersönlichkeiten zu tun wie Jürgen Klopp, Ralf Rangnick oder Dragoslav Stepanovic. War es da schwierig, die eigene Identität als Trainer zu finden?

Es war für mich in der Tat etwas Besonderes, mit diesen Trainern zusammenarbeiten zu dürfen. Man nimmt sicher auch etwas mit von solchen Typen, aber wichtiger ist es, bei sich selbst zu bleiben und überzeugt zu sein von dem, was man tut.

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Sie sind ja mit Jürgen Klopp befreun­det und waren 2019 beim Champions-League-Triumph des FC Liverpool dabei. Ist man neidisch auf den Kumpel?

In erster Linie war ich sehr stolz auf Jürgen und habe mich riesig für ihn gefreut, Liverpool und er haben diesen Erfolg absolut verdient. Man erlebt diesen Tag und Moment und entwickelt vielleicht auch das Gefühl, selber so etwas erreichen zu wollen. Das hat aber überhaupt nichts mit Neid zu tun. Neid ist ein ganz unrühmlicher Charakterzug.

Auch Sie haben schon Titel gewonnen; können Sie es dann auch mal richtig krachen lassen?

Auf jeden Fall! (lacht) Das ist auch sehr wichtig, denn die ganz großen Momente erlebt man im Fußball nicht so oft. Trotzdem richtest du als Trainer den Fokus relativ schnell wieder auf die nächste Aufgabe.

Wie gut können Sie mit Niederlagen umgehen?

Niederlagen sind schwierig, aber gehören dazu. Die Nacht und der Tag danach sind oft ungemütlich, dann richtet sich der Blick schon wieder auf die nächsten Aufgaben.

Fliegt da auch mal etwas durch die Kabine?

Es kann schon sein, dass in der Vergangenheit mal was durch die Kabine geflogen ist. Inzwischen habe ich mich aber ganz gut im Griff. Vor allem setze ich alles daran, dass eine Niederlage zu Hause keine Rolle spielt. Es darf nie so sein, dass meine Mädels das ausbaden müssen. Im Gegenteil: Es tut gut, nach Hause zu kommen und Ablenkung bei meiner Familie zu haben.

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Klopp sagte mal, dass man als Trainer immer auf gepackten Koffern sitze. Ist Ihrer schon gepackt und vielleicht sogar schon in Richtung Dortmund unterwegs?

(lacht) Grundsätzlich hat Kloppo damit natürlich recht. Und deshalb macht es vor allem immer Sinn, sich auf die kommenden Aufgaben zu konzentrieren und sich nicht mit anderen Dingen zu beschäftigen.

Was ist möglich mit dieser Gladbacher Mannschaft? Gibt es so etwas wie eine natürliche Grenze?

Ich bin überzeugt, dass wir eine sehr gute Mannschaft haben, und wir haben auch unsere Ziele. Dazu gehört, dass wir versuchen, die Grenzen immer wieder zu verschieben.

Ihr Sportdirektor Max Eberl träumt davon, „mit Borussia einmal etwas in der Hand zu halten“. Werden Sie ihm diesen Traum erfüllen können?

Davon dürfen wir alle gerne träumen. In der vergangenen Saison sind wir im Pokal früh in Dortmund ausgeschieden. Und in der Meisterschaft geht alles über Bayern München. Trotzdem ist es richtig, dass ein Verein wie Borussia Mönchengladbach diesen Traum träumt.

Sie werden in Ihrem Leben auch vom christlichen Glauben getragen. Wie kam es dazu?

Ich bin wie so viele Kinder in der DDR atheistisch erzogen worden. Glaube, Gott und Kirche haben in meiner Kindheit und Jugend keine Rolle gespielt. Erst später habe ich Menschen kennengelernt, die mich neugierig gemacht haben. Es gab auch einige Ereignisse, die dazu geführt haben, dass ich mir gesagt habe: „Das alles kann kein Zufall sein.“ Ich habe mich dann entschieden, mit Gott zu leben.

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Ein Gott, mit dem Sie auch mal hadern, wenn Dinge passieren wie der Ausbruch der Corona-Pandemie?

Natürlich ist man zunächst nachdenklich und fragt sich, was der Sinn dahinter und wo die Gerechtigkeit ist. Aber ich zweifle nicht an Gott und meinem Glauben.

Wie sehr macht Ihnen Corona ganz persönlich Angst?

Ich komme einigermaßen damit zurecht. Aber natürlich macht man sich Gedanken oder Sorgen um seine Eltern, und ich freue mich jedes Mal, wenn ich von ihnen höre, dass alles okay ist und es ihnen gut geht.

Machen Sie sich in diesem Zusammenhang Sorgen um den Fußball?

Grundsätzlich geht es erst mal um die Gesundheit. Dass nun die ersten Impfstoffe entwickelt worden sind, ist ein Lichtblick. Ich sehne den Tag herbei, an dem wieder 50 000 und mehr Menschen in die Stadien strömen werden. Das sollte dann ein Tag sein, den man gemeinsam ausgelassen feiert und an dem es vielleicht gar nicht so darauf ankommt, welches Team als Sieger vom Platz geht. Gewonnen hätten dann endlich wieder alle Fußballfans und der Fußball per se.