21. Mai 2021 / 06:00 Uhr

Gladbach-Sportchef Max Eberl über Trainer-Ablösen, das Festhalten an Marco Rose und die turbulente Saison

Gladbach-Sportchef Max Eberl über Trainer-Ablösen, das Festhalten an Marco Rose und die turbulente Saison

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Gladbach-Sportchef Max Eberl blickt im Interview auf die Saison zurück.
Gladbach-Sportchef Max Eberl blickt im Interview auf die Saison zurück. © Getty Images/IMAGO/Moritz Müller (Montage)
Anzeige

Für Borussia Mönchengladbach geht am Samstag mit dem Spiel gegen Werder Bremen eine wechselhafte Spielzeit zu Ende. Vor dem Saison-Finale zieht Sportchef Max Eberl im Interview ein Fazit und erklärt das Festhalten an Marco Rose.

Borussia Mönchengladbach hat eine Saison voller Höhen und Tiefen hinter sich. Vor dem Duell am letzten Spieltag der Bundesliga bei Abstiegskandidat Werder Bremen (Samstag, 15.30 Uhr, Sky) spricht der Gladbacher Sportchef im Interview mit dem SPORTBUZZER, dem Sportportal des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND), über den Abgang von Trainer Marco Rose am Saisonende und warum er trotzdem an ihm festgehalten hat.

Anzeige

SPORTBUZZER: Max Eberl, in dieser Saison ist bei Borussia, aber auch allgemein in der Liga sehr viel passiert. Welches Fazit ziehen Sie vor dem letzten Spieltag?

Max Eberl: Eine abschließende sportliche Bilanz möchte ich erst nach dem letzten Spieltag ziehen. Auf jeden Fall war die Saison extrem arbeitsintensiv für alle, sehr herausfordernd finanziell. Bei Borussia hatten wir viele Highlights, sind erstmals seit rund 50 Jahren in die K.-O.-Phase der Champions League eingezogen und spielen noch um Europa. Leider – und das muss man immer wieder betonen – konnten unsere Fans nicht live dabei sein, was in Anbetracht der Spiele in Madrid oder Mailand natürlich unfassbar schade war. In der Bundesliga haben wir dem Ganzen Tribut gezollt und zu viele Punkte nach Führung liegen lassen aus unterschiedlichen Gründen. Das beschreibt unsere Saison sehr gut: Höhen und Tiefen, konstant inkonstant.

Der bevorstehende Trainerwechsel von Marco Rose zu Borussia Dortmund war das große Aufregerthema.

Dass dieses Thema ein großes für uns war, ist unbestritten. Aber wir sind im Juli 2019 diesen Vertrag eingegangen und wussten, dass es irgendwann auf uns zukommen kann. Marco Rose hat sich komplett vertragskonform verhalten. Daher war ich überrascht über die extremen Reaktionen und die komplette Abkehr einiger Fans von unserem Trainer, wenngleich ich die Emotionen durchaus nachvollziehen kann.

Sie haben trotz der heftigen Proteste an ihm festgehalten.


Weil ich sportlich bewerten musste, ob er auch für die restlichen Saisonspiele noch der richtige Trainer für uns ist – was ich zu 100 Prozent war und immer noch bin. Was die Fans so emotional hat werden lassen, war, dass Marco zu Beginn sehr eindrücklich gesagt hat, er habe bei uns etwas Langfristiges vor. Das kann ich ein Stück weit verstehen. Trotzdem musste ich am Ende entscheiden: Was ist in diesem Moment das Beste für unseren Klub?

War die Entscheidung richtig?

Davon bin ich überzeugt. Ich habe fachlich entscheiden, nicht emotional, und habe die Leistungen unserer Mannschaft gesehen – auch in vielen Spielen, die wir verloren haben. Ich habe Marco nach der Niederlage im Derby gegen Köln gesagt, dass wir eine Entscheidung treffen müssen, sie ist dann kurz vor dem Spiel gegen Wolfsburg gefallen. Auch wenn viele sogenannte Experten behauptet haben, es sei alles schon viel früher passiert. Das hat mich maßlos geärgert, weil ich weiß, wie es war, und der Meinung bin, dass wir insgesamt sehr offen kommuniziert und nicht rumgeeiert haben. Belastend war eher die Situation danach. Der Umgang damit und einen neuen Trainer zu finden verbunden mit der Tatsache, dass auch ich vielleicht einem Klub wehtun musste, weil ich einen Coach aufgrund einer Ausstiegsklausel verpflichten werde.

Konnten Sie mit einem Trainer, der zur Konkurrenz geht, noch vertrauensvoll zusammenarbeiten?

Natürlich haben wir keine Gespräche mehr über die Kaderplanung geführt. Aber ich habe nie mitbekommen, dass Gespräche verstummt sind, weil Marco um die Ecke kam. Und das war ja die Entscheidungsgrundlage. Unser Kapitän Lars Stindl hat direkt nach der Bekanntgabe eine Rede gehalten, die mir sehr imponiert hat.

Was hat er gesagt?

Dass es um Borussia geht und um die Ziele, die wir haben. Genau das trifft es – alles andere sind Alibis. Ich hatte immer das Gefühl, dass die Mannschaft auf den Trainer hört und dass beide die Saison bestmöglich zu Ende bringen wollen.

Plötzlich steigen die Ablösesummen für Trainer, Bayern zahlt für Julian Nagelsmann bis zu 25 Millionen Euro: Trend oder Zufall?

Anzeige

Diese Summe ist der besonderen Situation geschuldet, die sich nun mal so ergeben hat. Aber ich finde schon, dass sich die Rolle der Trainer insgesamt verlagert hat. Er ist der wichtigste Mitarbeiter eines Vereins – nicht die wichtigste Person, das sollten der Sportdirektor und der Geschäftsführer sein. Mit einer guten Strategie kannst du gegen bessere Teams bestehen. Viele Vereine haben viele gute Spieler, der Trainer ist heute das Zünglein an der Waage. Und wir als Verein müssen entscheiden, was uns ein guter Coach wert ist, der unsere Mannschaft so verbessert, dass wir dafür vielleicht einen Spieler weniger brauchen.

Ist das Adi Hütter?

Deshalb haben wir uns für ihn entschieden. Wir sammeln extrem viele Informationen aus allen Bereichen. Ich wusste von Anfang an, was und wen ich wollte. Für unsere Mannschaft, unseren Spielstil, sachlich und fachlich. Die Gespräche mit Adi haben das Gefühl dann komplett bestätigt. Aber auch die Treffen mit anderen Trainern – wie Xabi Alonso – waren extrem bereichernd und werden auch in der Zukunft helfen.