27. Oktober 2020 / 06:00 Uhr

"Riesige Vorfreude": Gladbach-Legende Bonhof über Champions-League-Duell mit Real Madrid

"Riesige Vorfreude": Gladbach-Legende Bonhof über Champions-League-Duell mit Real Madrid

Andreas Kötter
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Gladbachs Klublegende Rainer Bonhof spricht im Interview unter anderem über vergangene Kräftemessen mit Real Madrid.
Gladbachs Klublegende Rainer Bonhof spricht im Interview unter anderem über vergangene Kräftemessen mit Real Madrid. © imago images/Montage
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Am Dienstag kommt es für Borussia Mönchengladbach in der Champions League gegen Rekord-Titelträger Real Madrid zu einem echten Härtetest. Die Gladbacher Vereinslegende Rainer Bonhof wirft einen Blick auf die vergangenen Duelle mit den Königlichen und die Chancen der Borussia gegen den Favoriten.

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Es ist lange her, dass Borussia Mönchengladbach mal auf Real Madrid getroffen ist. An diesem Dienstag (21 Uhr, Sky) gibt es das Wiedersehen in der Champions League. Gladbach Vizepräsident und Klublegende Rainer Bonhof blickt zurück und nach vorn.

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SPORTBUZZER: Herr Bonhof, was ist Ihr erster Impuls, wenn Sie an Real Madrid denken?

Rainer Bonhof (68): Was für ein großartiger, was für ein fantastischer Verein. Real hat weltweit ein Standing, an dem kaum ein anderer Klub kratzen kann. Daran kann kein noch so milliardenschwerer Investor in England etwas ändern, und selbst der FC Barcelona kann da nicht ganz mithalten.

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1976 stand Borussia gegen Real vor dem Einzug ins Halbfinale des Europapokals der Landesmeister …


… allein der Schiedsrichter hatte etwas dagegen. Wir hatten im Hinspiel 2:2 gespielt und brauchten wegen der Auswärtstorregel in Madrid entweder einen Sieg, ein 3:3 oder ein höheres Unentschieden. Eine Viertelstunde vor Schluss stand es 1:1, dann erzielte Henning Jensen das 2:1 für Borussia. Obwohl der Linienrichter Tor signalisierte, entschied Schiedsrichter Leonardus van der Kroft auf Abseits. Das wiederholte sich in der 83. Minute, als van der Kroft dem regulären Treffer von Hans-Jürgen Wittkamp die Anerkennung verwehrte. Es blieb beim 1:1, und Real zog ins Halbfinale ein. Van der Kroft hat nie wieder international gepfiffen, war später aber als Funktionär für die Uefa im Einsatz.

Wie denken Sie heute darüber?

Die beiden Fehlentscheidungen sind mir sehr deutlich im Gedächtnis geblieben, und es ist mir wichtig, dass das nicht völlig ins Vergessen gerät. Denn diese Ohnmacht, dieses Gefühl, betrogen worden zu sein, das schmerzt bis heute.

Gladbach drückte dem FC Bayern die Daumen

So schaltete Bayern im Halbfinale Real aus und holte den Pokal. Wäre er sonst an Borussia gegangen?

Das kann schon sein. Mit ein klein wenig Abstand aber ging es für uns nur noch darum, dass die Bayern die Madrilenen nun weghauen würden. Und das haben sie zum Glück ja auch getan, das war eine kleine Genugtuung. Die Nationalspieler von Borussia und die der Bayern haben sich untereinander eigentlich immer gut verstanden, und ich glaube, dass die Münchner damals auch ein wenig für Gerechtigkeit sorgen wollten.

War der Skandal gegen Real oder der Büchsenwurf gegen Inter das größere Trauma?

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Das Spiel gegen Inter war für uns die erste bitterböse Erfahrung auf internationaler Ebene. Was mich bis heute am meisten schmerzt, ist, dass unser 7:1 aus den Annalen verschwunden ist. Dort finden sich nur das Hinspiel in Mailand, das wir 2:4 verloren hatten, sowie das Wiederholungsspiel, das 0:0 endete – als hätte es den 7:1-Triumph nie gegeben. Das empfinde ich als Grausamkeit gegenüber der Nachwelt, nicht nur aus Borussen-Sicht. Sehr weh getan hat natürlich beides: das annullierte 7:1 genau wie die beiden Treffer gegen Real, um die man uns betrogen hat.

Bonhof: "Das ist eine riesige Vorfreude"

Was ist es für ein Gefühl, sich wieder mit Real zu messen?

Das ist eine riesige Vorfreude! Sich mit solchen Vereinen und Topteams wie Inter und Real, aber auch Donezk messen zu dürfen, ist das Größte, was man auf Vereinsebene erleben kann. Die Tatsache, dass keine Zuschauer dabei sein dürfen, trübt diese Freude, klar. Und nicht im Bernabéu spielen zu können, das zurzeit umgebaut wird, ist ebenfalls ein komisches Gefühl. Dennoch steht außer Frage, dass sich jeder Borusse und jeder, der es mit Borussia hält, auf diese Spiele riesig freut.

Real muss nach der Pleite gegen Donezk gewinnen – sehen Sie trotzdem eine Chance für Gladbach?

Wir haben in Mailand gezeigt, dass wir, wenn wir etwas mutiger spielen – wie in den letzten 35 Minuten – auf diesem Niveau mithalten können. Spielst du gegen eine Mannschaft wie Real und willst eine Chance haben, musst du diese Leistung über 90 Minuten abrufen.

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Hat die Mannschaft von Real ihren Zenit überschritten?

Nein. Es wäre fatal, mit einer solchen Vor- bzw. Einstellung ins Spiel zu gehen. Diese Mannschaft kann nach wie vor jeden Gegner schlagen, und Reals Spieler wissen, dass sie jetzt liefern müssen. Deshalb bin ich sicher, dass sie, auch beflügelt durch den Sieg gegen Barça, bei uns Vollgas geben werden.