07. Januar 2022 / 06:00 Uhr

Gladbach-Profi Christoph Kramer über die Abgänge von Ginter und Zakaria, die Borussia-Krise und den FC Bayern

Gladbach-Profi Christoph Kramer über die Abgänge von Ginter und Zakaria, die Borussia-Krise und den FC Bayern

Andreas Kötter
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Christoph Kramer soll zum Auftakt der Bundesliga-Rückrunde mit Borussia Mönchengladbach beim FC Bayern antreten, der zahlreiche Corona-Fälle hat.
Christoph Kramer soll zum Auftakt der Bundesliga-Rückrunde mit Borussia Mönchengladbach beim FC Bayern antreten, der zahlreiche Corona-Fälle hat. © Frederic Scheidemann/Getty Images (Montage)
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Borussia Mönchengladbach rutschte in den letzten Bundesliga-Spielen des abgelaufenen Jahres in eine Krise. Mittelfeldspieler Christoph Kramer äußert sich im SPORTBUZZER-Interview dazu ebenso wie zu den Abgängen von Matthias Ginter und Denis Zakaria sowie zum ersten Rückrunden-Gegner FC Bayern.

Der Rückrundenauftakt der Bundesliga zwischen dem FC Bayern München und Borussia Mönchengladbach soll trotz der Corona-Probleme beim Rekordmeister an diesem Freitag (20.30 Uhr, Sat.1 und DAZN) stattfinden. Gladbachs Weltmeister Christoph Kramer analysiert die schwierige Situation seines Teams im Interview.

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SPORTBUZZER: Christoph Kramer, haben Sie sich in der Winterpause mit Teamkollegen über Borussias brenzlige Situation ausgetauscht, oder waren Sie froh, einmal nichts mit Fußball zu tun zu haben?

Mal nichts zu sehen und nichts zu hören hat gutgetan, um etwas runterzukommen. Man sieht die Teamkollegen ja sowieso das ganze Jahr über beinahe jeden Tag und hat sehr intensiven Kontakt miteinander. Da ist man ganz froh, wenn man am Jahresende mal zehn Tage Ruhe vor den Rabauken hat. (lacht)

Was bedeutet es für die Rückrunde, dass Matthias Ginter und Denis Zakaria den Verein im Sommer verlassen werden?

Ich finde zunächst einmal gut, dass jetzt jeder Bescheid weiß und dass die Situation geklärt ist. Wer jetzt aber befürchtet, die Jungs könnten es in der Rückrunde schleifen lassen, dem halte ich entgegen, dass jeder von uns, egal wie seine vertragliche Situation ist, dieses Spiel viel zu sehr liebt und viel zu ehrgeizig ist, als dass er jemals auch nur ein Prozent nachlassen würde.

Den Vorwurf, sich zu oft auf die vorhandene fußballerische Qualität zu verlassen, hat die Mannschaft stets zurückgewiesen. Tatsächlich aber zeigt die Auswertung der Hinrunde, dass in Sachen Laufbereitschaft und Laufintensität eben doch etwas fehlt.


Ich würde gerne mal sehen, wie die Statistik bei einem Spiel ausfällt, das wir bestimmen und in dem wir klar führen. Unsere beiden Champions-League-Spiele in der Vorsaison gegen Schachtjor Donezk (6:0 u. 4:0, d. Red.) waren meiner Meinung nach auch in Sachen Laufintensität und Gesamtlaufleistung hervorragend. Unser Plan hat damals funktioniert und alle waren gallig. Aber es fällt nun mal sehr viel leichter zu laufen, wenn etwas funktioniert, als wenn es nicht funktioniert. Steht es gegen Freiburg aber nach zwanzig Minuten bereits 0:4, dann ist man ein Stück weit wie gelähmt und keiner kann mehr richtig aus seinem Schildkrötenpanzer raus.

Aber gerade dann, wenn es nicht rundläuft, sind Einsatz und Kampf doch besonders gefragt!

Absolut! Laufleistung und Intensität gehören zum Fußball und sind die Grundvoraussetzungen dafür, ein Spiel gewinnen zu können. Ich will auch gar nichts schönreden, die Statistik spricht gegen uns und sie lügt nicht.

Auch Trainer Adi Hütter hat deutlich mehr Intensität und Laufbereitschaft angemahnt; wie geht der Trainer insgesamt mit der Krise um?

Er wirkt auf mich sehr souverän mit seiner besonnenen, ruhigen Art. Gleichzeitig macht er keinen Hehl daraus, dass wir so nicht weitermachen können, und er nennt die Gefahr klar beim Namen. Trotzdem macht er keine verrückten Sachen – was mir sehr imponiert. Blinder Aktionismus wäre jetzt das völlig falsche Zeichen.

Es scheint so, dass in der Bundesliga außer dem FC Bayern jeder in Abstiegsgefahr geraten kann. Haben Ihre Teamkollegen begriffen, wie gefährlich die aktuelle Situation ist?

Ich hoffe sehr, dass jeder den Ernst der Lage realisiert hat. Wir können uns nicht immer wieder hinstellen und erzählen, dass wir für da unten doch viel zu gut sind und dass wir da schon wieder rauskommen. Man kommt da unten gewiss nicht nur deshalb raus, weil man auf dem Papier einen guten Kader hat. Ich will nicht der Schwarzmaler und ewige Warner sein, aber jeder muss jetzt begreifen, dass unsere Situation gefährlich ist. Klar ist die Tabelle so eng, dass man mit zwei Siegen schon wieder andere Gefilde erreichen kann. Aber wenn man anfängt so zu rechnen, ist das schon der erste große Fehler. Denn irgendwann gehen einem die Spiele aus und es gibt nichts mehr zu rechnen.

Ist der FC Bayern jetzt ein Gegner zur Unzeit?

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Über Spiele bei den Bayern denkst du eigentlich nie ‚das passt jetzt aber ganz wunderbar‘. Im Übrigen fahre ich lieber zu Beginn einer Runde nach München, wenn noch keiner so genau weiß, wo er steht.