24. Februar 2018 / 06:00 Uhr

Gladbach-Star Zakaria exklusiv: "Ich kann verstehen, dass die Fans enttäuscht sind"

Gladbach-Star Zakaria exklusiv: "Ich kann verstehen, dass die Fans enttäuscht sind"

Andreas Kötter
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Denis Zakaria kam vor dem Start der Saison von Young Boys Bern zur Borussia.
Denis Zakaria kam vor dem Start der Saison von Young Boys Bern zur Borussia. © imago
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Borussia Mönchengladbach hinkt nach einer Negativserie den eigenen Erwartungen hinterher, droht sogar, die Saisonziele komplett aus den Augen zu verlieren. Der SPORTBUZZER sprach mit Denis Zakaria, dem vielleicht besten Borussen der laufenden Saison.

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Denis Zakaria ist einer der wenigen Spieler von Borussia Mönchengladbach, der bisher in fast jedem Spiel überzeugen konnte. Vor der Partie bei Hannover 96 spricht der 21-jährige Schweizer über die Niederlagen-Serie der Borussen, über enttäuschte Fans und über die Kritik von Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus.

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SPORTBUZZER: Herr Zakaria, Borussia hat von sechs Rückrundenspielen fünf verloren und zudem seit vier Spielen keinen Treffer erzielt. Wie empfinden Sie diese Situation?

Denis Zakaria: Eine Serie von vier verlorenen Spielen, in denen wir zudem keinen Treffer erzielen konnten, ist für Borussia Mönchengladbach alles andere als der Normalzustand.

Ist Krise der passende Begriff?

Zumindest von einer kleinen Krise kann man angesichts der jüngsten Ergebnisse sprechen. Ich bestreite auch nicht, dass es eine schwierige Situation für uns ist. Aber es hilft uns nicht weiter, jetzt nur zurückzuschauen. Wir müssen uns auf die kommenden Aufgaben fokussieren. Gegen Dortmund haben wir zwar verloren, aber dennoch eine gute Leistung gezeigt. Deshalb bin ich zuversichtlich, dass wir es in den kommenden Wochen besser machen werden.

Für Siege müssen aber Tore her. Woran liegt es, dass etwa Thorgan Hazard oder Lars Stindl, die in der Vergangenheit bewiesen haben, dass sie treffsicher sind, im Augenblick selbst die besten Torchancen nicht nutzen können?

Wenn ich das wüsste, würde ich es den Jungs sofort sagen. Eigentlich brauchen sie meine Hilfe aber gar nicht, denn es ist, wie Sie sagen. Thorgan und Lars sind immer für einen Treffer gut. Ich bin überzeugt, dass sie in den kommenden Spielen wieder treffen werden. Und es sind ja nicht nur die beiden, die keine Tore schießen – das sind wir alle. Und wenn endlich der erste Treffer gefallen ist, werden wir auf weitere nicht lange warten müssen.

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Was gibt Ihnen die Hoffnung, dass der Knoten ausgerechnet beim starken Aufsteiger Hannover 96 platzt, der zum Beispiel den BVB zuhause schlagen konnte?

Es stimmt, dass Hannover bisher eine gute Saison spielt und vor allem zuhause sehr stark ist. Es wird also keine einfache Aufgabe für uns. Aber die gibt es in der Bundesliga überhaupt nicht, und wir haben dennoch schon bewiesen, dass wir diese Aufgaben lösen können, wenn wir uns auf unsere eigenen Stärken besinnen und uns nicht vom Gegner dessen Spiel aufdrängen lassen. Zudem hoffe ich, dass unsere Fans uns in Hannover zahlreich unterstützen werden.

Im Heimspiel gegen den HSV und zuletzt in Stuttgart haben Borussias Anhänger aber deutlich ihren Unmut gezeigt. Haben Sie dafür Verständnis?

Nach einer Leistung wie in Stuttgart kann ich absolut verstehen, wenn die Fans enttäuscht und unzufrieden sind. Das war ein sehr schlechtes Spiel von uns. Gegen den BVB aber haben sie uns bis zur letzten Minute unterstützt, weil jeder gespürt hat, dass wir wirklich alles probiert haben, um zumindest noch ein Unentschieden zu schaffen. Trotz der Niederlage hatte ich nicht das Gefühl, dass sie von unserer Leistung enttäuscht waren. Vom Resultat schon, aber nicht von unserem Auftreten.

Vor dem Spiel gegen Dortmund haben Sie gesagt, dass Sie weiter an Europa glauben. Tatsächlich aber ist der Abstand zum Relegationsplatz nur noch unwesentlich größer als zu den Europapokal-Rängen...

Ich kann nur für mich selbst sprechen: Ich denke immer positiv und werde erst aufhören an unsere Europapokal-Teilnahme zu glauben, wenn sie rechnerisch definitiv nicht mehr möglich sein sollte. Bis dahin werde ich alles dafür geben, dass es doch noch klappt. Und mit der Relegation beschäftige ich mich überhaupt nicht.

Das sind die Bilder zum 96-Gastspiel bei Borussia Mönchengladbach (30. September 2017).

Gewühl im Strafraum: Gladbachs Fabian Johnson (von links), Salif Sané und Philipp Tschauner kämpfen um den Ball. Zur Galerie
Gewühl im Strafraum: Gladbachs Fabian Johnson (von links), Salif Sané und Philipp Tschauner kämpfen um den Ball. ©

Wie reagiert Trainer Dieter Hecking auf die aktuelle Situation?


Natürlich ist der Trainer ebenso enttäuscht wie wir. Gerade nach einem Spiel wie gegen den BVB, in dem wir eigentlich alles dafür getan haben, um als Sieger vom Platz gehen zu können. Trotzdem verfällt er nicht in Aktionismus, sondern arbeitet genauso ruhig und gewissenhaft, wie er es in den erfolgreichen Wochen während der Hinrunde getan hat. Es gibt bei uns keinen, der nicht daran glauben würde, dass wir gemeinsam schon bald aus dieser kleinen Krise herauskommen.

Rekordnationalspieler Lothar Matthäus hat kritisiert, man würde sich bei Borussia zu schnell zufriedengeben und noch immer nur einen einstelligen Tabellenplatz als Ziel ausgeben. Hat er Recht?

Wir sind eine gute Mannschaft, und Borussia Mönchengladbach ist ein großer Verein, der meiner Meinung nach auf jeden Fall ins erste Tabellendrittel gehört. Aber ich sehe auch, wie stark die Konkurrenz in der Bundesliga ist. Es sind acht oder neun Vereine, die nach Europa wollen, und plötzlich stößt noch eine Mannschaft wie Frankfurt dazu.

Matthäus glaubt zudem, dass Borussia ein Anführer mit den häufig zitierten Drecksack-Qualitäten fehlt...

Vielleicht sind wir manchmal tatsächlich ein wenig zu ruhig auf dem Platz. Aber es stimmt nicht, dass wir keine Leader-Typen in der Mannschaft hätten. Christoph Kramer ist zum Beispiel ein sehr erfahrener Spieler, oder Lars Stindl. Letztlich aber ist das ohnehin eine Diskussion, die wir gar nicht erst führen sollten. Denn es kann nicht sein, dass alle anderen die Verantwortung abgeben und nur einem oder zwei Spielern aufbürden. Jeder ist jetzt gefragt.

Sie hat Matthäus von der Kritik ausgenommen und in den höchsten Tönen gelobt. Sind Sie selbst überrascht, wie schnell Sie sich in der Bundesliga zurechtgefunden haben?

Ja und nein. Einerseits bin ich nicht zur Borussia gekommen, um auf der Bank zu sitzen. Ich habe immer daran geglaubt, dass ich mich hier durchsetzen kann. Andererseits bin ich doch ein wenig verblüfft, dass ich in 22 von 23 Spielen dabei war und beinahe immer in der Startelf gestanden habe. Dass es so gut laufen würde, damit war nicht unbedingt zu rechnen.


In einigen Statistiken, etwa der Passgenauigkeit, sind Sie sogar der beste Spieler der Liga...

Wo liegt dieser Wert?

Bei 91 Prozent.

Nicht schlecht. Nein. Eigentlich sogar ziemlich gut. (lacht) Darauf kann man aufbauen.

Wenn ein Spieler aus einer kleineren Liga, wie der Schweizer Super League, so schnell überzeugt, ist die Bundesliga dann vielleicht doch nicht so stark, wie sie gerne geredet wird?

Da widerspreche ich. Die Bundesliga ist für mich eine der stärksten Ligen und zudem extrem ausgeglichen. Mit der Super League darf man sie nicht vergleichen. In der Bundesliga geht alles viel schneller, das Tempo ist deutlich höher, die Spieler sind technisch und taktisch besser. Trotz dieser Qualität gibt man jungen Spielern wie mir aber die Chance zu vielen Einsätzen zu kommen. Und das spricht für mich nicht gegen, sondern gerade für die Bundesliga.

Gab es überhaupt etwas, mit dem Sie anfangs zu kämpfen hatten?

Nicht in Bezug auf den Fußball. Eher schon war es für mich anfangs nicht ganz einfach, dass ich hier alleine lebe, während ich in der Schweiz noch bei meinen Pflegeeltern gewohnt habe. Geholfen hat mir in den ersten Wochen bei Borussia, dass ich mich mit Thorgan Hazard, Michael Cuisance und Ibrahima Traoré auf französisch unterhalten konnte. Mittlerweile aber habe ich mich an das Alleinleben gewohnt und habe so einen weiteren Schritt in meiner Entwicklung machen können.