07. Juni 2021 / 10:08 Uhr

Gloria Reusch: Eine Norddeutsche Meisterin, die jetzt erst richtig loslegt

Gloria Reusch: Eine Norddeutsche Meisterin, die jetzt erst richtig loslegt

Lukas Everling
Peiner Allgemeine Zeitung
Gibt im Match gerne selber das Tempo vor: Gloria Reusch spielt in der Jugend für den MTV Stederdorf und den Braunschweiger THC. Nun wurde sie Norddeutsche Meisterin in der U12.
Gibt im Match gerne selber das Tempo vor: Gloria Reusch spielt in der Jugend für den MTV Stederdorf und den Braunschweiger THC. Nun wurde sie Norddeutsche Meisterin in der U12. © Ralf Büchler
Anzeige

Mit zweieinhalb Jahren begann sie das Tennisspielen in der Küche, zehn Jahre später möchte die in Stederdorf spielende Gloria Reusch in der deutschen Rangliste ihrer Altersklasse in die Top-10 vorrücken. Sie eifert ihrem Idol Rafael Nadal nach und fängt gerade erst an.

Anzeige

Es war wohl nur ein kleiner Durchhänger, vermutet die 12-jährige Gloria Reusch, warum sie den zweiten Satz des Finales bei der Norddeutschen Meisterschaft abgegeben hatte. Die junge Tennisspielerin des MTV Stederdorf nahm sich eine längere Satzpause, kehrte mit klarem Kopf aufs Feld zurück und dominierte den dritten Abschnitt mit 6:1. Dass sie während der Titelkämpfe in Norderstedt die Nummern 5 und 10 der deutschen Rangliste aus dem Turnier geworfen hat, zeigt den steilen Weg nach oben, den Gloria Reusch zurzeit nimmt und vorhat weiterzugehen.

Anzeige

Rafael Nadal, der Sandplatz-König schlechthin, ist das große Vorbild von Gloria Reusch, die ihren eigenen Spielstil als ähnlich zu dem des Spaniers beschreibt. „Ich spiele gerne mit viel Drall. Das ist vor allem auf Sand gut, weil der Ball dann hoch abspringt und meine Gegnerinnen ihn schwieriger zurückspielen können“, erklärt die 12-Jährige. Außerdem ist sie ebenso wie ihr großes Vorbild Linkshänderin.

Mehr vom Peiner Lokalsport

Für gewöhnlich gibt die junge Spielerin selber gerne das Tempo vor. 2020 ist sie in der U11-Landesmeisterin geworden. „Ohne einen einzigen Satzverlust“, sagt Vater Ingo stolz. Im Finale der Norddeutschen Meisterschaft vor einigen Wochen hingegen, hatte Gloria ihr Spiel im zweiten Satz etwas schleifen lassen. „Da bin ich nur das Tempo meiner Gegnerin mitgegangen“, sagt sie selbstkritisch. „Sie hat weniger Fehler gemacht und ich hatte keine gute Phase.“ Im dritten Durchgang machte es die Stederdorferin dann viel besser.



Sie möchte später Profispielerin werden, daraus macht Gloria Reusch keinen Hehl. Für die vielen Interviews hat sie bereits erste Erfahrungen gesammelt. „Bei der Norddeutschen Meisterschaft lief ein Kamerateam herum. Die habe ich dann angesprochen, ob die das im Fernsehen zeigen... und dann haben sie mich gleich interviewt“, berichtet sie freudig.

Zunächst verfolgt die junge Stederdorferin aber kleinere Ziele. Die Top-30 der deutschen Rangliste hat sie inzwischen erreicht, nun will sie den Sprung unter die besten zehn Spielerinnen ihrer Altersklasse schaffen. „Ich möchte vor allem viel mehr Turniere spielen“, sagt die 12-Jährige. Durch den Umzug vor zwei Jahren und die Corona-Unterbrechung kam dies zuletzt etwas zu kurz. „Sie könnte bereits höher in der Rangliste stehen“, sagt Vater Ingo Reusch. „Die anderen haben aber viel mehr Spiele absolviert.“ In diesem Monat noch will Gloria bei Titelkämpfen in den Niederlanden antreten.

Auch das Trainingspensum von Gloria Reusch ist bereits hoch. Viermal pro Woche steht sie bei der Nensel Academy in Peine auf dem Platz – jeweils eineinhalb Stunden, hinzu kommen zwei einstündige Konditionseinheiten pro Woche. „Gloria hat vom ersten Moment gesagt, dass sie in der Akademie trainieren möchte. Das hat ihr auch noch mal einen Ruck für die eigene Zielsetzung gegeben“, erklärt Vater Ingo. Seine Tochter lasse sich im Training nie hängen. „Sie gibt immer 120 Prozent.“ Auch wenn sie mal mit ihrem Vater oder ihrer älteren Schwester Isabelle eine Extraschicht einlegt.

Dass Tennis ihr Sport ist, das hatte sich schon angedeutet, als Gloria gerade einmal zweieinhalb Jahre alt war. „Wir haben damals immer bei uns in der Küche gespielt“, berichtet Vater Ingo. „Wir haben einfach ein Netz zwischen den Schränken gespannt und immer Wege gefunden, damit es interessant bleibt. Meine Frau war natürlich nicht so begeistert, aber ich habe gesagt: ’Wenn etwas kaputt geht, dann zahlt das Papa.’ Und es ist alles heile geblieben.“

Mit viereinhalb Jahren spielte Gloria Reusch ihr erstes Turnier, gewann später reihenweise den Titel bei den Regionsmeisterschaften in Hildesheim – auch in höheren Altersklassen. Der Titel bei der Norddeutschen Meisterschaft ist vorerst ihr größter Erfolg als junge Tennisspielern, die gerade erst richtig loslegt. „Ich war auch schon bei der Deutschen Meisterschaft“, sagt Gloria. Sie kam allerdings „nur“ unter die ersten Acht. Das nächste Ziel dürfte also klar sein.

Die Spiele von Gloria Reusch bei der Norddeutschen Meisterschaft

Achtelfinale gegen Florentine von Haussen vom TC Glinde (Schleswig-Holstein): 6:0, 6:0.

Viertelfinale gegen Aminah Mhana vom Braunschweiger THC (Niedersachsen): 6:2, 7:6.

Halbfinale gegen Karina Kabajew vom TC Langenhorn (Hamburg): 2:1, Aufgabe Gegnerin.

Finale gegen Michelle Geznenge vom Club an der Alster (Hamburg): 6:2, 3:6, 6:1.