30. Juni 2020 / 15:11 Uhr

Glück, aber nicht glücklich: B-Juniorinnen von Hannover 96 steigen per Los in die Bundesliga auf

Glück, aber nicht glücklich: B-Juniorinnen von Hannover 96 steigen per Los in die Bundesliga auf

Jonas Szemkus
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Lars Gänsicke verfolgt das Spiel.
Lars Gänsicke verfolgt das Spiel. © Debbie Jayne Kinsey
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Das ist richtiges Glück: Die B-Juniorinnen von Hannover 96 steigen nach einem Losentscheid in die Bundesliga auf. Doch der Aufstieg hat für das Team einen faden Beigeschmack.

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Die Losfee brachte Glück, aber was war das für ein irrer Entscheid! Weil die Saison abgebrochen ist, wurde per Los über den Aufsteiger in die B-Juniorinnen-Bundesliga entschieden. Die Mädchen von Hannover hatten Glück, steigen auf - und sind trotzdem nicht nur glücklich.

Der Aufstieg habe „bei aller Erleichterung einen Beigeschmack“, sagt 96-Frauensportchef Lars Gänsicke. „Trotzdem ist die Freude riesengroß, das Trainerteam ist explodiert vor Glück. Wir wollen uns in der 1. Liga behaupten.“ Der zweifache U17-Niedersachsenmeister steigt erstmals in die Bundesliga auf. In Gedanken, betont Gänsicke, sei das Team aber auch bei den Losverlierern Rahlstedter SC aus Hamburg und dem Schleswig-Holstein-Meister Kiel. “Für die ist das megabitter. Du hast es nicht in der eigenen Hand, guckst nur auf die Lostrommel ...”

96 hatte sich lange gegen die irre Entscheidungsfindung gewehrt, wollten eine sportliche Lösung fürs Aufstiegsproblem finden. “Das wurde alles vom Verband abgelehnt. Wir haben zum Beispiel geprüft, ob wir in Nordrhein-Westfalen oder Thüringen spielen können. Wir haben ein Elfmeterschießen beantragt.” Der Verband bevorzugte die irre Losregel. Gänsicke ist glücklich, dass es trotzdem mit dem Aufstieg geklappt hat. “Ich bin überzeugt, dass wir das beste Team hatten und in einer Relegation auch sportlich aufgestiegen wären.” Aber: “Der Beigeschmack bleibt.”

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Vier Zugänge vom VfL Wolfsburg

Gänsickes Blick geht nun aber nach vorne. Die U17-Juniorinnen sind zwar seit Freitag im Urlaub, “um die Akkus aufzuladen. Aber dann wollen wir richtig angreifen”. Erst in den Planungen, dann auf dem Platz. Schon Ende Juli könnten die 96-Mädels wieder locker ins Training einsteigen. Bis dahin werden Gänsicke, der neue Cheftrainer Matthias Wistuba und sein Trainerkollege Hendrik Poppinga den Kader zusammenstellen.

Allein aus Altergründen rücken acht 96-Mädchen raus und in die U21. Nur der jüngere 2004er-Jahrgang darf das Bundesliga-Erlebnis mitmachen. “Dazu gibt es ein, zwei externe Abgänge”, verrät Gänsicke.

Aber es gibt auch schon Zugänge. Vier Spielerinnen von Nordnachbar VfL Wolfsburg haben zugesagt, eine weitere kommt von außerhalb zu 96. “Nach der Meldung, dass wir in der Bundesliga spielen, wird sicher noch die eine oder andere interessante Spielerin dazukommen”, sagt Gänsicke. Ein Probetraining und erste lose Gespräche habe es schon gegeben, bestätigt der Sportchef.

Ein starker Kader wird auch nötig sein, die nächste Bundesligasaison wird extraschwer. Wegen des Abbruchs der Coronasaison gibt es in diesem Jahr keine Absteiger, in der kommenden Spielzeit dafür vier. “Das ist eine Sondersituation. Unser Ziel ist es, über diesem Strich zu bleiben”, sagt Gänsicke. “Aber wir haben gute Karten, denke ich!” Die Bundesligasaison der B-Juniorinnen startet voraussichtlich Anfang Oktober.