26. Juli 2021 / 15:26 Uhr

Glückshormone und leichte Zahnschmerzen: FC Eilenburg mit starkem Regionalliga-Debüt

Glückshormone und leichte Zahnschmerzen: FC Eilenburg mit starkem Regionalliga-Debüt

Susan Stephan
Leipziger Volkszeitung
FC Eilenburg - BSG Chemie Leipzig
Die Eilenburger bejubeln die zwischenzeitliche 1:0-Führung. © Alexander Prautzsch
Anzeige

Das erste Regionalliga-Spiel in der Geschichte des FC Eilenburg war gleich ein Fußballfest. Nicht nur, dass man Chemie Leipzig ein 1:1-Unentschieden abkämpfen konnte, auch die Arbeit der Ehrenamtlichen rund um das Spiel war großartig. Nun wartet am Mittwochabend der FSV Luckenwalde.

Eilenburg. Nach dem quietschgrünen Auftakt gegen Chemie Leipzig folgt für den FC Eilenburg so etwas wie der mausgraue Alltag in der Fußball-Regionalliga. Am Mittwochabend geht es zum FSV Luckenwalde und schon stellen sich einige Personalfragen. Die dringlichste hört auf den Namen Raimison dos Santos, der offiziell für den Derby-Start „nicht spielfit“ war. Inoffiziell dürfte es aber an einer fehlenden Spielgenehmigung für den Brasilianer gelegen haben, dass Alec Nathe in die Startelf rutschte. In Luckenwalde könnte das anders aussehen und der Mann mit dem klangvollen Beinamen „Dentinho“ den gegnerischen Angreifern reihenweise Zähne ziehen. Natürlich nur metaphorisch gemeint.

Anzeige

Ansonsten aber passte beim 1:1 gegen Chemie Leipzig am Sonntag nahezu alles. Und das nicht nur sportlich. Wochenlang hatte der Amateurverein, der mit Ausnahme des Platzwarts keinen hauptamtlichen Mitarbeiter hat, sich auf diesen Start vorbereitet, unzählige Stunden nach der Arbeit mit Organisieren und Planen verbracht, Freunde, Kollegen aktiviert, um ein solches Fußballfest über die Bühne zu bekommen.

DURCHKLICKEN: Die Bilder zum Spiel

1:1! Der FC Eilenburg ergattert bei der Regionalliga-Premiere gegen die BSG Chemie Leipzig einen Punkt. Zur Galerie
1:1! Der FC Eilenburg ergattert bei der Regionalliga-Premiere gegen die BSG Chemie Leipzig einen Punkt. ©

„Allen, die in ihrer Freizeit mit angepackt haben, ein dickes Lob. Das Spiel und Ergebnis waren Lohn für alle Mühen. Wir haben Eilenburg ganz gut repräsentiert, glaube ich. Viele Ehrenamtliche sind wieder an ihre Grenzen gegangen. Das wissen wir zu schätzen“, sagte ein gelöster Präsident Steffen Tänzer. „Es war ringsum alles Wahnsinn“, freute sich indes Trainer Nico Knaubel.

Eilenburg ohne Angst

Nur ein Unverbesserlicher konnte nicht an sich halten und schaffte es in den Polizeibericht. Der liest sich ebenso trocken wie traurig. Ein Mann zeigte am Eingang vor Spielbeginn „einen nationalsozialistischen Gruß. Gegen den 25-Jährigen wird nun wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen ermittelt.“ Abseits dieser Geschmacklosigkeit herrschte bei den Gastgebern aber Zufriedenheit, weil es bei bester Stimmung vollkommen friedlich blieb im weiten Rund.

Anzeige

Nach neun Monaten Abstinenz durften endlich Fans in die Hütte. Fast 2400 Zuschauer kamen und erlebten im Brutkasten Ilburg-Stadion ein packendes Fußballspiel, das via MDR in die Welt transportiert wurde. Lutz Lindemann, einst als Manager von Jena und Halle in Eilenburg, schwärmte an der Seite des Ex- Bundesliga-Profis und heutigen MDR-Kommentators Florian Weichert: „Hier riecht es noch nach richtig schönem Fußball in seinen Ur-Instinkten.“

Spaß machten auch die Spieler. Ohne Angst, aber mit unglaublich viel Vorfreude legten die Eilenburger los und jubelten früh. Alexander Vogel geht als erster Regionalliga-Torschütze in die Annalen ein. Andreas Naumann bekommt in der Chronik als Teufelskerl, der mit zwei Paraden eine Niederlage verhinderte, eine Extra-Erwähnung. Überwinden konnten ihn die Chemiker nur vom Elfmeterpunkt. Das 1:1 ging in Ordnung – und passte zum Spiel, das keinen Verlierer verdient hatte.

"Können befreit aufspielen"

Einziger Wermutstropfen: Mit Adam Fiedler und Dong-Min Kim verletzten sich zwei Spieler, die wohl auch am Mittwoch beim ersten Auswärtsspiel in Luckenwalde fehlen werden. Fiedler musste mit Leistenproblemen schon nach 20 Minuten vom Feld, für Kim ging es nach einer Knöchelblessur nicht weiter. Der Neuzugang, der im defensiven Mittelfeld überzeugte, humpelte mit Schmerzen vom Feld.

Luckenwalde eroberte derweil am Sonntag einen Punkt bei Energie Cottbus und ist neben den Eilenburgern die Überraschung des ersten Spieltages. „Wir müssen jetzt Kräfte für Mittwoch sammeln“, blickte Knaubel voraus und blieb auch im Moment der Glückseligkeit seiner Linie treu: „Wir denken von Spiel zu Spiel. Mal sehen, wo die Reise hingeht.“

Mehr zum FC Eilenburg

Der frühe Alexander Vogel, der den Chemie-Wurm abschoss, jedenfalls zieht sich gern die Aufsteiger-Außenseiter-Kapuze über. „Wir können befreit aufspielen, egal ob gegen Cottbus, Chemie oder Luckenwalde.“ Nun denn, schauen wir mal.

Mit: Johannes David

Anzeige: Erlebe die gesamte Bundesliga mit WOW und DAZN zum Vorteilspreis