03. Juni 2021 / 19:36 Uhr

Goeßling, Engen, Jakabfi und Co.: Am Sonntag heißt es beim VfL Abschied nehmen

Goeßling, Engen, Jakabfi und Co.: Am Sonntag heißt es beim VfL Abschied nehmen

Jasmina Schweimler
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Noch einmal gemeinsam jubeln: Nach dem Spiel gegen Bremen am Sonntag werden Lena Goeßling (v. l. o. n. r. u.), Zsanett Jakabfi, Lara Dickenmann, Ingrid Engen, Fridolina Rolfö und Friederike Abt den VfL Wolfsburg verlassen.
Noch einmal gemeinsam jubeln: Nach dem Spiel gegen Bremen am Sonntag werden Lena Goeßling (v. l. o. n. r. u.), Zsanett Jakabfi, Lara Dickenmann, Ingrid Engen, Fridolina Rolfö und Friederike Abt den VfL Wolfsburg verlassen. © Roland Hermstein/Boris Baschin
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Gleich sechs Spielerinnen werden nach dem Bundesliga-Finale am Sonntag (14 Uhr) gegen Bremen den VfL Wolfsburg verlassen. Darunter sind langjährige Spielerinnen wie beispielsweise Lena Goeßling, oder Top-Akteurinnen wie Ingrid Engen, die sich rasch zur unumstrittenen Stammspielerin in Wolfsburg entwickelt hat. Ein Rückblick auf ihre VfL-Karrieren.

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Am kommenden Sonntag steht für die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg gegen Werder Bremen (14 Uhr, live auf Magentasport) das letzte Pflichtspiel der Saison an. Es wird ein emotionaler Tag, denn mit Lena Goeßling, Zsanett Jakabfi, Lara Dickenmann, Ingrid Engen, Fridolina Rolfö und Friederike Abt werden gleich sechs langjährige Akteurinnen aus der Autostadt verabschiedet. Geplant ist, dass alle scheidenden Spielerinnen noch ein paar Einsatzminuten im AOK-Stadion bekommen. "Ich kann nicht sagen, ob es alles Startelf-Einsätze werden. Angedacht ist aber auf jeden Fall, den Spielerinnen noch mal die Möglichkeit zu geben, für den VfL aufzulaufen", sagt Wolfsburgs Trainer Stephan Lerch. Ein Rückblick auf die VfL-Karrieren der sechs Abgänge.

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Lena Goeßling

Im Februar gab der Bundesligist bekannt, dass man der 35-Jährigen keinen neuen Vertrag als Spielerin anbieten wird und die Mannschaft verjüngen und neu ausrichten möchte. Dass Goeßling den Verein verlassen muss, war für viele ein Schock. Seit 2011 kickt die gebürtige Bielefelderin in der Autostadt, war bei allen Titelgewinnen des VfL dabei und gilt bei den Fans als Identifikationsfigur. Nachdem sie zu Beginn der Saison Stammspielerin war und Alexandra Popp sowie Almuth Schult als Kapitänin vertrat, spielte Goeßling sportlich zuletzt keine große Rolle mehr. "Es war jetzt keine leichte Situation für sie. Sie ist aber bis heute eine feste Größe im Team und hat sich einen wichtigen Platz erkämpft", erläutert Lerch, und weiter: "Über ihre fußballerischen Qualitäten müssen wir nicht diskutieren. Es gibt kaum eine vergleichbare Spielerin in der Liga, die im Spielaufbau so gut ist." Wie und wo es für Goeßling weitergeht, ist noch unklar, Liga-Konkurrent Eintracht Frankfurt soll aber an einer Verpflichtung interessiert sein.

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Zsanett Jakabfi

Als Jakabfi 2009 aus ihrer Heimat vom MTK Budapest FC nach Wolfsburg kam, gehörte der VfL noch längst nicht zur Spitze im deutschen Frauenfußball. Beim VfL, an deren positiver Entwicklung sie maßgeblich beteiligt war, schloss die heute 31-Jährige neben dem Trainings- und Spielbetrieb eine Ausbildung zur Bürokauffrau ab. "Sie trägt die DNA des VfL absolut in sich", lobt Lerch. 108 Tore in 265 Spielen sprechen eine deutliche Sprache. Nach der Saison ist jedoch Schluss, Jakabfi wird ihre Karriere beenden. "Sie hat enorm viele wichtige Tore für uns gemacht. Allein deswegen hat sie sich unsterblich gemacht. Sie war immer für die Mannschaft da und ist eine absolute Teamplayerin", lobt Lerch. Ansprüche stellte Jakabfi trotz mehrerer Umbrüche und Star-Verpflichtungen nie, der mannschaftliche Erfolg stand bei ihr immer im Vordergrund. Als Ewa Pajor, Alexandra Popp, Pauline Bremer und Fridolina Rolfö etwa ausfielen, war auf den Torinstinkt der ehemaligen Nationalspielerin Verlass. In der laufenden Saison ist Jakabfi mit wettbewerbsübergreifend 16 Treffern die Top-Torjägerin des Vereins. "Da verlässt uns wirklich eine ganz Große, die den VfL lange geprägt hat", weiß Lerch.



Lara Dickenmann

Dickenmann kam 2015 als Star-Spielerin von Olympique Lyon nach Wolfsburg und übernahm direkt die Rolle einer Leistungsträgerin. Eine Kreuzbandverletzung im Oktober 2018 hatte die Karriere der Schweizerin lange ins Stocken gebracht. Im Sommer wechselt die 35-Jährige, die ihren Master in General Management am VfL-Campus in Wolfsburg absolvierte, zu den Grasshopper-Frauen und wird dort General Managerin. "Dass sie sich von ihrer schweren Verletzung so zurückgekämpft hat, zeigt ihren Charakter. Sie hat eine tolle Mentalität und gibt nie auf", findet Lerch. Zudem "ist sie eine unfassbar sozial engagierte Person. Sie hat vielen jungen Spielerinnen hier auch geholfen, Fuß zu fassen. Sie war sehr angesehen in der Mannschaft und wird eine große Lücke hinterlassen."

Ingrid Engen

Engen kam 2019 als großes Talent nach Wolfsburg und reifte besonders in dieser Saison zu einer gestandenen Spielerin im zentralen Mittelfeld. Zuvor stand die Norwegerin im Schatten von Schlüsselspielerin Sara Gunnarsdottir, die auf der Sechser-Position gesetzt war und letzten Sommer zu Olympique Lyon wechselte. Die VfL-Verantwortlichen hätten Engen gern gehalten, die 23-Jährige sieht eine bessere Perspektive aber eher im Ausland und steht vor einem Wechsel zum FC Barcelona. "Ich erinnere mich noch an die Gespräche mit ihr, ihrem Berater und ihrer Familie. Nach Außen hin ist sie eher etwas ruhiger, hat aber immer sehr akribisch versucht, ihre Leistung auf den Platz zu bringen", so Lerch, der lobt: "Sie hat sich hier enorm weiterentwickelt und war zuletzt eine absolute Größe bei uns. Ich bin gespannt, wie ihre Reise weitergeht."

Fridolina Rolfö

Wenn fit, zählt Rolfö auf ihrer Position mit zu den besten Spielerinnen in der Welt. Ihr Top-Niveau konnte sie in Wolfsburg aber nur selten zeigen, denn die Nationalspielerin hatte während ihrer Zeit in der Autostadt immer wieder mit Verletzungen und Rückschlägen zu kämpfen. Seit 2019 absolvierte die 27-Jährige nur 43 Spiele im VfL-Dress. "Man hat jetzt in den letzten Spielen erst gesehen, dass sie einen unglaublichen Zug zum Tor hat. Sie war sehr flexibel für uns im Einsatz und hat trotz ihrer Größe und langen Beine eine tolle Dynamik vorzuweisen. Dazu ist sie eine total fröhliche und ehrgeizige Person", so Lerch. Für die Schwedin war das Pokalfinale wahrscheinlich bereits der letzte Auftritt im VfL-Trikot. Die Flügelstürmerin ist angeschlagen und ein Einsatz gegen Werder Bremen ist fraglich. "Sie konnte am Donnerstag nicht trainieren. Und selbst wenn sie beim Abschlusstraining dabei sein kann, muss man sich die Frage stellen, ob es Sinn ergibt, eine angeschlagene Spielerin auf den Platz zu stellen", bedauert Lerch. Wohin es Rolfö zieht, ist noch nicht offiziell, doch seit einigen Tagen wird die 27-Jährige mit dem Champions-League-Sieger FC Barcelona in Verbindung gebracht.

Friederike Abt

Sie kam 2019 als Ersatztorfrau - sie geht als Pokal-Heldin. Abt war ursprünglich als Nummer 2 hinter Nationaltorhüterin Almuth Schult eingeplant. Als diese wegen Schulter-OP und anschließender Schwangerschaft ausfiel, blieb Abt hinter Hedvig Lindahl zwar weiter in der Rolle der Ersatztorhüterin, erkämpfte sich aber im Laufe der Saison den Rang der Nummer 1. Mit ihrem Auftritt im DFB-Pokalfinale 2020 gegen die SGS Essen trug sich Abt in die Geschichtsbücher des VfL ein - dort hielt sie im Elfmeterschießen gleich zwei Elfmeter und verhalf den Niedersächsinnen so zum Pokal-Triumph. In der laufenden Saison musste sie sich aber wieder hinten anstellen, hatte ihren versöhnlichen Abschluss aber bereits am vergangenen Sonntag - und das erneut im Pokalfinale. Nach Notbremsen-Rot von Schult wurde sie gegen Frankfurt eingewechselt. "Eine wahnsinnige Geschichte, oder?", resümiert auch Lerch. "Es war sehr beeindruckend, was ein regelmäßiges Training auf unserem Top-Niveau bewirken kann. Sie hat eine tolle Entwicklung genommen und das auch immer wieder eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Ich freue mich, dass wir sie in der Bundesliga bei Bayer Leverkusen weiter zu sehen bekommen."

Lerch: "Habe kein Handy am Platz"

Auch für Cheftrainer Stephan Lerch wird es am Sonntag gegen Werder Bremen (14 Uhr) nach acht Jahren in Wolfsburg das letzte Spiel an der Seitenlinie des frischgebackenen DFB-Pokalsiegers sein. Der 36-Jährige wird zur neuen Saison Trainer der U17-Junioren von 1899 Hoffenheim. Vor seinem letzten Heimspiel möchte sich der gebürtige Darmstädter aus vielerlei Gründen aber nicht verrückt machen.

"Ich gehe den Tag wie jeden anderen an. Das Spiel steht erst mal im Vordergrund", so Lerch. Drei Stunden vor Anpfiff versammelt sich die Mannschaft im Courtyard-Hotel zum Brunchen. Dieses Mal möchte Lerch aber etwas früher als sonst da sein, "einfach um noch ein paar Gespräche zu führen und Abschied zu nehmen, denn später am Tag wird es viel Trubel geben." Und das nicht nur, weil so viele Spielerinnen den Verein verlassen, sondern auch, weil es sportlich am letzten Spieltag der Frauen-Bundesliga theoretisch noch um die deutsche Meisterschaft geht.

Auf dem Papier ist die Partie gegen Bremen ein Pflichtsieg - viel wichtiger ist, was parallel in München passiert. Dort tritt Spitzenreiter Bayern gegen Eintracht Frankfurt an. Zwei Zähler trennen den FCB (58) und den VfL (56) an der Spitze - gewinnt der VfL und die Bayern verlieren, bleibt die Schale in Wolfsburg. Das ist die einzige Konstellation, in der eine Meisterschaft noch möglich ist. Selbst bei einem Unentschieden in München und einem Sieg im AOK-Stadion spricht das bessere Torverhältnis deutlich für die Bayern. Eine Ergebnis-Einblendung oder -Durchsage wird es in Wolfsburg nicht geben.

"Jede Spielerin kennt die Situation. Während des Spiels wird aber nicht viel über die Partie der Bayern nachgedacht, da liegt der Fokus auf ganz anderen Dingen", so Lerch, der aber auch klar sagt: "Ich habe beispielsweise kein Handy am Platz, um mich über einen Zwischenstand zu informieren. Kurz vor Abpfiff werden wir aber sicher die Info bekommen, wie es auf dem anderen Platz steht, um entsprechend reagieren zu können."

Für die Frankfurterinnen wird es nicht einfach, nach der Pokal-Niederlage gegen den VfL mental wieder hochzufahren, weiß Lerch, der hofft, dass "sie sich trotzdem noch mal richtig ins Zeug legen. So habe ich die Mannschaft und auch Niko kennengelernt - sie werden nichts abschenken." Man müsse aber auch realistisch sein. Denn: "So wie die Bayern sich in den letzten Wochen und Monaten präsentiert haben, ist klar, dass es nur noch eine kleine Chance ist. Ich traue Frankfurt zu, dass sie Bayern ärgern können. Wie lange und wie gut, das wird man sehen."