28. Februar 2021 / 16:51 Uhr

Goeßling zum Wolfsburg-Abschied: Im Profisport "wird der Mensch ein bisschen vergessen"

Goeßling zum Wolfsburg-Abschied: Im Profisport "wird der Mensch ein bisschen vergessen"

Jasmina Schweimler
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Zu Gast in der TV-Sendung Meine Geschichte - das Leben von...: Lena Goeßling vom VfL Wolfsburg im Gespräch mit Moderator Riccardo Basile.
Zu Gast in der TV-Sendung "Meine Geschichte - das Leben von...": Lena Goeßling vom VfL Wolfsburg im Gespräch mit Moderator Riccardo Basile. © Boris Baschin / Screenshot Sky
Anzeige

Im Sommer ist für Lena Goeßling Schluss beim VfL Wolfsburg, der Klub plant nicht mehr mit der erfahrenen Defensivspielerin. Darüber, über ihre Karriere und ihren wichtigsten Förderer sprach die Profi-Fußballerin nun in der Sky-Sendung "Meine Geschichte - das Leben von...".

Anzeige

Für Lena Goeßling ist ihr bevorstehender Abschied vom VfL Wolfsburg ein Zeichen für die Härten im Profisport, die längst auch Einzug in den Frauenfußball gehalten haben. Sie habe "gemerkt, dass es nur noch ein Geschäft ist und der Mensch ein bisschen vergessen wird", auch wenn sie "viel erlebt, für den Verein gelebt und alles investiert" hat, sagte sie in der Sky-Sendung "Meine Geschichte - das Leben von...".

Anzeige

Ihr Vertrag wird nicht verlängert, nach zehn Jahren wird sie den Verein verlassen müssen. "Erst einmal war ich riesig enttäuscht, als ich gesagt bekommen habe, dass ich hier sportlich gesehen quasi keine Zukunft habe", so Goeßling, denn "ich fühle mich noch fit und habe noch Lust zu kicken. Dass hier so mein Ende sein sollte, konnte ich mir irgendwie nicht vorstellen." Wie es für sie in Zukunft weitergeht, ist noch offen. Klar ist: Goeßling möchte noch mindestens zwei Jahre Fußball spielen. Was aber auch sicher ist: Nach ihrem Karriere-Ende wird sie in das normale Berufsleben zurückkehren müssen.

Mehr zum VfL Wolfsburg

Obwohl Goeßling eine der erfolgreichsten Fußballerinnen Deutschlands ist, hat sie nicht ausgesorgt. Noch immer müssen Fußballerinnen teilweise nebenbei arbeiten, dabei ist der sportliche Aufwand derselbe wie bei den Herren. "Nach meiner aktiven Karriere werde ich definitiv noch arbeiten gehen müssen", so die gebürtige Bielefelderin, die aber auch sagt: "Es gibt eine gewisse Tendenz, und man bewegt sich in die richtige Richtung", aber Männer und Frauen im Profifußball seien nicht vergleichbar. Nach 15 Jahren wieder in das Berufsleben einzusteigen, mache ihr dennoch keine Angst. Das, so Goeßling, "wird eine große Umstellung, aber ich werde auch das gut meistern. Priorität ist für mich jetzt jedoch, noch weiter Fußball zu spielen."

Großer Dank gilt ihrem verstorbenen Vater

Dass sie es überhaupt so weit geschafft hat, verdankt die 34-Jährige ihrem Vater. "Er hat mich in allen Sachen unterstützt und überall hingefahren, egal wie weit es war. Ohne ihn wäre ich nie da gelandet, wo ich jetzt bin", findet Goeßling. Sein Tod 2016 war für sie ein Schlag, der sie ausgerechnet in einem ihrer sportlich erfolgreichsten Jahre traf. Am Tag des Champions-League-Finals 2016 habe sie von Italien aus mit ihrer Mutter telefoniert.

"Meine Mama versicherte mir, dass alles okay sei, doch mein Vater, der an Krebs erkrankt war, lag quasi schon im Sterben, ich wusste es nur nicht", erinnert sie sich. In der Nacht nach ihrer Rückreise wurde sie von ihrem Ex-Freund geweckt. "Ab dem Zeitpunkt wusste ich, dass etwas passiert ist. Wir sind also direkt ins Krankenhaus gefahren, und ich musste mich von meinem Vater verabschieden. Ich war einfach nur leer, habe ihm aber noch die letzten Worte mit auf dem Weg gegeben", erinnert sich Goeßling.

Die Noch-VfLerin trauerte, doch die Olympischen Spiele 2016 standen unmittelbar bevor. Die Gespräche mit der damaligen Bundestrainerin Silvia Neid bestärkten die Defensivspielerin darin, trotz allem dabei zu sein. "Irgendwie", so Goeßling, "habe ich dann gedacht: 'Papa will auch, dass ich Olympia spiele.' Somit habe ich dann für mich entschieden, dass ich teilnehme. Ich habe für ihn die Medaille gewonnen."

Für alle, die die Sendung am Samstagabend verpasst haben: Am Sonntagabend um 22.30 Uhr sowie am Montagabend um 19 Uhr folgt eine Wiederholung auf Sky Sport News.