15. Februar 2022 / 17:51 Uhr

Gold mit geliehenem Frauen-Bob: Warum Francesco Friedrich der Größte ist

Gold mit geliehenem Frauen-Bob: Warum Francesco Friedrich der Größte ist

Lars Becker
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Francesco Friedrich ist Olympiasieger im Zweierbob.
Francesco Friedrich ist Olympiasieger im Zweierbob. © dpa/Montage
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Die drei deutschen Zweierbobteams schreiben Geschichte und erringen einen Dreifachsieg. Olympiasieger und Weltcup-Dominator Francesco Friedrich gewinnt auch dank der Unterstützung eines Frauen-Duos. 

Als Francesco Friedrich die deutsche Fahne bei der Olympiaeröffnungsfeier ins Stadion tragen durfte, empfand er das als "Ritterschlag". Am Dienstagabend hat der beste Bobpilot der Welt im Eiskanal von Yanqing den vorletzten Schritt zum olympischen "Königsthron" der Bobfahrer gemacht. Souverän holte sich der 31 Jahre alte Ausnahmepilot im Zweier gemeinsam mit Anschieber Thorsten Margis den fest eingeplanten dritten Olympiasieg seiner Karriere ab. Mit einer weiteren Goldmedaille im Vierer kann er am Sonntag zu Rekordolympiasieger André Lange aufschließen.

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"Das fühlt sich fantastisch an, denn es waren zwei harte Wochen hier. Wir haben es gerockt und können stolz sein", sagte Friedrich nach seiner Triumphfahrt. Anschieber Thorsten Margis fügte hinzu: "Der Druck war gewaltig. Aber wir sind unter der Devise ,Angriff ist die beste Verteidigung’ zum Sieg gefahren." Weil Friedrich mit den Trainingsfahrten nicht zufrieden war, hatte er vor dem ersten Lauf noch einmal den Bob getauscht und fuhr mit dem Frauen-Zweier von Kim Kalicki zu Gold. Der vielleicht größte Favorit dieser Winterspiele krönte einen historischen deutschen Dreifachsieg.

Drei Schlitten aus einem Nationalteam gab es bei Olympia noch nie auf dem Podest

Stolze 49 Hundertstelsekunden war am Ende der Vorsprung vor Johannes Lochner/Florian Bauer, die im Ziel fair gratulierten. Christoph Hafer/Matthias Sommer machten den totalen deutschen Triumph mit Bronze perfekt. Es war ein historischer Erfolg – drei Schlitten aus einem Nationalteam gab es bei Olympia noch nie auf dem Podest. "Unglaublich", kommentierte Bundestrainer Rene Spies.

"Francesco hat gezeigt, dass er die Nummer eins ist. Aber ich habe endlich meine Olympiamedaille. Francesco hat im entscheidenden Moment wieder einen ausgepackt, aber vielleicht können wir ihn im Vierer mehr ärgern", erklärte Lochner. Nach den ersten beiden Läufen schien der Bayer sogar in der Lage zu sein, den großen Dominator zu gefährden. Lediglich 15 Hundertstelsekunden betrug bei Halbzeit der Rückstand auf den Spitzenreiter. Doch mit einem Bahnrekord im dritten Lauf sorgte Friedrich, der im Training noch mit Problemen gekämpft hatte, für die Vorentscheidung. Und nach der Zieldurchfahrt im Finallauf feierte der Rekordjäger mit einem Urschrei seinen nächsten Triumph.

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"Es macht Spaß, den anderen zu zeigen, dass wir im entscheidenden Moment doch noch eine Schippe drauflegen können", hatte "König Franz" bereits vor den Winterspielen erklärt. Und genau das bewies der Mann nach eher mittelmäßigen Trainingsfahrten auch in dem Moment, als es besonders drauf ankam.

"Ein überragender Athlet": Friedrich wieder eine Klasse für sich

Ob beim Rekordspeed am Start, dem Fahrgefühl in der Bahn oder dem mit seinem Input entwickelten Wunderbob vom Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES) – Friedrich war auch diesmal eine Klasse für sich. "Er ist einfach ein überragender Athlet. Er pusht das FES, er pusht uns. Egal, ob bei der Ernährung, Regeneration oder Teamführung – Francesco setzt einfach neue Maßstäbe", lobt Bundestrainer Rene Spies. Friedrichs Erfolgshunger ist auch nach 13 WM-Titeln und 14 Gesamtweltcupsiegen – beides ist Rekord – ungebremst.

Auslöser für diesen Hunger war ausgerechnet eine olympische Enttäuschung. 2014 in Sotschi fuhren die sieggewohnten deutschen Bobpiloten auch wegen Materialproblemen hinterher und erlebten das schlechteste Olympiaergebnis seit über einem halben Jahrhundert. Friedrich erlebte nach Platz acht im Zweier und Rang zehn im Vierer ein frustrierendes Olympiadebüt. „Der Moment nach dem Zieleinlauf im Vierer hat mich wahnsinnig motiviert. Gestandene Männer, die alles gewonnen haben, waren tieftraurig. Ich habe mir geschworen, dass so etwas nie mehr passiert.“ Es war die Initialzündung für eine unglaubliche Siegesserie.

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