13. Oktober 2021 / 16:45 Uhr

"Wichtig ist auf dem Platz": Eine Runde Golf mit Altkanzler Gerhard Schröder

"Wichtig ist auf dem Platz": Eine Runde Golf mit Altkanzler Gerhard Schröder

Christian Purbs
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Gerhard Schröder genießt die Golfrunde in  Rethmar.
Gerhard Schröder genießt die Golfrunde in Rethmar. © Debbie Jayne Kinsey
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Von 1998 bis 2005 ist SPD-Politiker Gerhard Schröder Bundeskanzler gewesen. Seit vier Jahren hat er den Golfsport für sich entdeckt - inspiriert von seiner Ehefrau. In seinem Heimatklub Rethmar Golf gehe es familiär zu. Nur mit Donald Trump wolle er nicht spielen.

Gerhard Schröder ist verschnupft. Nicht, weil ihm irgendetwas nicht passt oder ärgert, der 77-Jährige hat sich eine Erkältung eingefangen. Er sei geschäftlich in der Schweiz gewesen und erst am Abend zuvor aus Berlin wieder nach Hannover gekommen, sagt Schröder und fügt mit einem verschmitzten Lächeln hinzu: „Das Gute daran ist, dass ich jetzt weiß, dass es auch noch andere Krankheiten als Corona gibt.“

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Die verabredete Runde Golf auf der Anlage von Rethmar Golf mit seinen Kumpels Klaus Schwetje und Arnold Kloppenburg wollte der frühere Bundeskanzler trotz Schnupfens nicht absagen. Wohl auch, weil er in den vergangenen Wochen kaum Zeit zum Golfen hatte und es genießt, wieder an den Abschlag gehen zu können.

Gerhard Schröder mit gekonntem Schwung. Zur Galerie
Gerhard Schröder mit gekonntem Schwung. © Debbie Jayne Kinsey

Seit vier Jahren spielt der Altkanzler Golf, sofern es sein Terminkalender erlaubt, schwingt er mehrmals die Woche bei einer 9-Loch-Runde auf dem herrlichen Platz im Südosten von Hannover die Schläger.

Schröder ist die Vorfreude auf das Spiel anzusehen, dass der Wind ordentlich bläst und die Nase läuft, stört ihn nicht. Er ist gut gelaunt und will sofort loslegen, das Einspielen auf der Driving Range sei ohnehin nicht so sein Ding.

Mit dem Fairwayholz macht er ordentlich Meter

„Am meisten habe ich gelernt, wenn ich spiele“, sagt der einstige Vollblutstürmer des TuS Talle und hält es auch beim Golf mit einer alten Fußballweisheit: „Wichtig ist auf dem Platz.“

Und da ist Schröder mit viel Engagement und Ehrgeiz in seinem Element. Nach kurzer Eingewöhnungsphase auf der Bahn 1 kommt der Altkanzler immer besser in Schwung. Seine Abschläge sind gerade und gut, mit dem Fairwayholz macht er ordentlich Meter.


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Und Schröder wäre nicht Schröder, hätte er für seine Mitspieler nicht auch ein paar launige Kommentare auf Lager. „Immer diese Tierspuren“, ruft er Kloppenburg zu, als dieser seinen Ball ein wenig aus dem hohen Gras befreit.

„Ach, schon wieder im Sand“, kommentiert er einen Fehlschlag von Schwetje. Alle drei nehmen es mit Humor, so wie das sein muss, wenn man mit den Kumpels auf dem Golfplatz unterwegs ist.

Wenn ein eigener Schlag misslingt, macht Schröder seinem Ärger schon mal hörbar Luft, wenn’s gut läuft, so wie auf der Bahn 3, auf der er ein blitzsauberes Bogey spielt, ist der Golfer Schröder gnädig zu sich selbst: „Das war doch gar nicht so schlecht für einen Anfänger.“

„Deutlich unter 30 – bei konstant 29,5“

Das ist der ehemalige Ministerpräsident von Niedersachsen längst nicht mehr, wofür auch sein Handicap spricht. Das sei „deutlich unter 30 – bei konstant 29,5“, sagt Schröder und lacht.

Dass er vor vier Jahren mit dem Golfen anfing, ist vor allem seiner südkoreanischen Ehefrau Soyeon, ebenfalls begeisterte Golferin, zu verdanken. Bei ihren Runden genießen die beiden die gemeinsame Zeit.

„Alleine zu spielen, ist mir zu langweilig. Und ich muss eine Herausforderung haben. Meine Frau und ich spielen immer um 100 Euro für die Haushaltskasse, es geht hin und her. Wenn ich an einem Tag bezahle, gewinne ich beim nächsten Mal und sie muss zurückzahlen.“

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Wie auch immer das interne Familienduell ausgeht, nach der Runde wird auf der Terrasse vor dem imposanten Klubhaus mit seinen markanten weißen Säulen gemeinsam entspannt.

„Mir gefällt es, dass Golf hier kein gesellschaftliches Ereignis ist. Hier geht es familiär zu, die meisten Leute kennen sich, klopfen auf den Tisch und sagen hallo. Man kann hier herrlich auf der Terrasse sitzen und den Sonnenuntergang genießen. So ein Abend hört gar nicht mehr auf“, schwärmt Schröder vom besonderen Ambiente bei Rethmar Golf.

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Etwas ganz Besonderes ist auch der von der Golf-Legende Arnold Palmer designte Platz. Friedrich Wilhelm Knust, Gründer und Eigentümer von Golf Gleidingen, brachte den tollen Linkskurs wieder in Schuss. Herrlich grüne Fairways, eingerahmt von goldenen Dünengräsern, sorgen für eine Postkartenidylle.

"Kann nur empfehlen, hier Mitglied zu werden"

Hier ist alles tipptopp gepflegt, von den perfekten Abschlägen bis zu den makellosen und super schnellen Grüns. Kurzum: Auf so einem Platz macht das Golfen auch dann Spaß, wenn man mal einen schlechten Tag erwischt.

„Ich kann nur empfehlen, hier Mitglied zu werden. Der Platz ist wunderbar, die Anlage sehr gut erreichbar. Von Hannover aus auf die B 65, zack ist man hier. Und in Gleidingen kann man dann auch spielen“, sagt Schröder.

Der Zusammenschluss von Golf Gleidingen und Rethmar Golf zu Golf 51 ermöglicht den Mitgliedern beider Klubs die Nutzung der jeweils anderen Anlage ohne zusätzliche Kosten.

Bilder vom Testspiel zwischen dem TSV Havelse und Hannover 96

Bilder vom Testspiel zwischen dem TSV Havelse und Hannover 96 Zur Galerie
Bilder vom Testspiel zwischen dem TSV Havelse und Hannover 96 © Debbie Jayne Kinsey

„Nein, mit dem nicht. Ich glaube, der mogelt.“

Die Qualität des Platzes hat sich längst herumgesprochen, auch deshalb ist Schröder ab und an gerne mal Gastgeber. So wie zu Sommerbeginn, als der ehemalige Kanzler mit dem ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff in Rethmar Golf spielte.

„Es hat uns beiden viel Freude gemacht, wir hatten einen schönen Tag“, sagt Schröder. Würde er denn gerne auch mal eine Runde mit Donald Trump spielen? Der Ex-Präsident der USA ist ja schließlich auch begeisterter Golfer. „Nein, mit dem nicht. Ich glaube, der mogelt.“ Mit harten Bandagen, aber (fast) immer fair: Das galt für den Politiker Schröder – und es gilt auch für den Golfer Schröder. „Den Reiz beim Golf macht für mich aus, besser zu spielen als gestern. Und natürlich zu gewinnen. Ich will prinzipiell nicht verlieren, nicht einmal gegen mich.“

Zu den Siegern gehört seit dem 26. September auch wieder die SPD, Schröders Partei. Und so ganz ohne Politik geht es auch auf dem Golfplatz nicht.

"Es ist in erster Linie sein Wahlsieg“

„Der Wahlsonntag war auch deshalb interessant für mich, weil ich vor einem halben Jahr nicht der Meinung war, dass es für eine Ampel-Regierung, von der ich hoffe, dass sie eintritt, eine Chance gibt. Ich war der Meinung, dass es Schwarz-Grün wird“, sagt der frühere SPD-Kanzler, der von 1998 bis 2005 die Bundesregierung anführte.

Dann habe die SPD-Führung allerdings eine kluge Entscheidung getroffen, „die ich ihr gar nicht zugetraut hätte. Nämlich Olaf Scholz als Kanzlerkandidaten zu nominieren. Er war der Einzige, der in der Lage war, in die gesellschaftliche Mitte auszustrahlen. Insofern ist es in erster Linie sein Wahlsieg“, sagt Schröder.

Dann schaut er in den Sonnenuntergang und denkt wohl nicht nur an die Politik, wenn er sagt: „Ich bin zufrieden."