30. Juni 2021 / 15:37 Uhr

Golf, Trucks und Fights auf dem Eis: So tickt Grizzlys-Neuzugang Chris DeSousa

Golf, Trucks und Fights auf dem Eis: So tickt Grizzlys-Neuzugang Chris DeSousa

Yannik Haustein
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Interessiert sich nicht nur für Eishockey: Grizzlys-Neuzugang Chris DeSousa.
Interessiert sich nicht nur für Eishockey: Grizzlys-Neuzugang Chris DeSousa. © City-Press / Privat
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Mit Chris DeSousa kommt ein Stürmer zu den Grizzlys Wolfsburg, der nicht nur weiß, wo das Tor steht. Der Kanadier bringt auch eine gewisse Härte mit - und eine kuriose Parallele zu seinem Kindheits-Idol.

Die Grizzlys Wolfsburg erhalten Verstärkung aus Kanada: Neben Darren Archibald (zuletzt Vienna Capitals/EBEL) stürmt auch Chris DeSousa zukünftig für den DEL-Vizemeister. Der 30-Jährige kommt von Lulea HF aus Schweden - und bringt eine kuriose Parallele zu seinem Kindheits-Idol mit.

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DeSousa stammt aus Mississauga bei Toronto, wurde also in der Nähe der Toronto Maple Leafs aus der NHL groß. "Ich bin als Leafs-Fan aufgewachsen. Mein Lieblingsspieler war Tie Domi", so der Angreifer. Domi war vor allem als Raubein bekannt, hält den NHL-Rekord für Schlägereien - satte 333 Mal flogen in seiner Karriere die Fäuste. "Wegen ihm habe ich damals die 28 als Trikotnummer getragen. Erst, als ich in Wien gespielt habe, war die Nummer bereits vergeben", sagt DeSousa. "Deshalb habe ich sie umgedreht und trage seitdem die 82."

Was Domi und DeSousa aber gemeinsam haben: Beide haben sich in ihrer Karriere je einen besonders kuriosen Fight geliefert, Domis Kampf aus dem Jahre 2001 ist dabei schon legendär: In einem Gastspiel bei den Philadelphia Flyers saß der Kanadier auf der Strafbank, legte sich verbal mit einer Gruppe Flyers-Fans an, die hinter der Kühlbox saß, spritzte dabei auch Wasser aus einer Trinkflasche auf die Ränge. Einer der Fans lehnte sich über das Glas, bis es nachgab und er Domi vor die Füße fiel - und vom 1108-fachen NHL-Spieler aufgemischt wurde.

In DeSousas Fall war es 2017 in Diensten des HC Bolzano in der EBEL, als er in einer Drittelpause in der Interview-Zone mit Tom Zanoski von Medvescak Zagreb kämpfte. "Wir sind schon im Spiel immer wieder aneinandergeraten, ich wollte schon da den Fight, er aber nicht", erinnert sich der Neu-Wolfsburger. "In der Pause hat er dann angefangen, meine vorbeigehenden Teamkollegen anzuschreien." DeSousa wollte das nicht so stehen lassen, die Situation eskalierte. "Ich glaube, das war mein bislang letzter Fight", so der Neu-Grizzly mit einem Schmunzeln.

Kein reiner Tough Guy

Während Domi hauptsächlich als Tough Guy bekannt war, steht bei DeSousa die spielerische Fähigkeit im Vordergrund. "Ich verstecke mich nicht vor Konfrontationen", so der 30-Jährige. "Aber ich kann auch Tore schießen, erfülle auch defensiv meine Aufgaben und blocke Schüsse." Diese Spielweise wissen die Grizzlys zu schätzen - Wolfsburgs Manager Charly Fliegauf lobte ihn bei der Verkündung seiner Verpflichtung: "Chris steht seit einigen Jahren ganz oben auf meiner Liste. Er hat einen Top-Charakter, will immer gewinnen und investiert alles dafür."

Über Fliegauf meint DeSousa: "Er machte einen guten Eindruck, und ich habe gehört, dass er immer starke Teams zusammenstellt." Auch mit Neu-Coach Mike Stewart habe er bereits gesprochen: "Wir scheinen dieselbe Idee zu haben, wie Eishockey gespielt werden sollte." Stewart steht für schnelles Offensiv-Eishockey, hatte DeSousa schon im Gespräch mit dem SPORTBUZZER Ende Mai gelobt.


Nach Stationen in Italien (Bozen), Österreich (Wien), Finnland (Vaasa) und Schweden (Rögle, Lulea) zieht es DeSousa nun also erstmals nach Deutschland. "Ich war schon mal für Vorbereitungsspiele dort, das Oktoberfest habe ich auch besucht", erzählt der Kanadier. In Wolfsburg war er aber noch nie, am 30. Juli geht der Flug des Linksschützen, der dann zur Saisonvorbereitung bei den Grizzlys erwartet wird.

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DeSousa interessiert sich für Trucks

Mitte Mai war er nach der SHL-Saison wieder in Kanada eingetroffen, mittlerweile lebt DeSousa in Barrie, gut zwei Auto-Stunden nördlich von Toronto. "Meine Familie ist vor einigen Jahren dorthin gezogen, deshalb habe ich mir dort eine Wohnung gekauft. Mitten in der Innenstadt und mit Stränden in der Nähe", so der Angreifer. Barrie liegt direkt am Lake Simcoe, die Stadt erstreckt sich zu großen Teilen am Ufer des Sees. Viel sei durch die Corona-Pandemie aktuell zwar noch nicht möglich, "aber nach und nach kommen wir aus dem Lockdown", berichtet DeSousa.

Das Sommer-Programm des Kanadiers besteht deshalb vorrangig aus Training auf und neben dem Eis, "außerdem spiele ich gern Golf, wenn es möglich ist. Ich liebe Sport und nehme gern jeden mit, den ich schauen oder selbst machen kann." Zum Beispiel Fußball. "Ich schaue jeden Tag die EM, habe portugiesische Wurzeln. Und in Spielpausen war ich in Europa immer wieder mal bei Spielen", erzählt er. "Ich habe gehört, dass der VfL Wolfsburg es in die Champions League geschafft hat, da werde ich sicher ein paar Spiele schauen, falls Fans im Stadion erlaubt sind." Auch in der Münchner Allianz-Arena würde DeSousa gern eine Partie verfolgen.

Dass an seinem künftigen Arbeitsplatz mit Volkswagen auch der größte Autobauer der Welt ansässig ist, ist für ihn derweil weniger spannend. "Ich finde Autos schon interessant, bin aber mehr ein Truck-Mensch", so der 30-Jährige und meint damit die in Nordamerika beliebten Pick-up-Trucks, die für gewöhnlich größer sind als ihre europäischen Pendants. "Die kann man dort ja auch kaum fahren", weiß er angesichts der tendenziell engeren Straßen.

Statt seines Chevrolet Silverado muss der Stürmer dann also mit einem kleineren Dienstwagen Vorlieb nehmen. Trotzdem freut sich die neue Nummer 82 der Grizzlys auf die neue Saison: "Ich habe schon oft gehört, dass die DEL eine Liga ist, in der es Spaß macht, zu spielen."