16. März 2021 / 15:00 Uhr

Göttinger Dominik Suslik gewinnt Präventionspreis mit Hannover 96

Göttinger Dominik Suslik gewinnt Präventionspreis mit Hannover 96

Kathrin Lienig
Göttinger Tageblatt
Dominik Suslik (l.) erhält von Gregor Schürmann (Außenvertreter VBG) die Auszeichnung.
Dominik Suslik (l.) erhält von Gregor Schürmann (Außenvertreter VBG) die Auszeichnung. © R/Hannover 96
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Weil Dominik Suslik so viele gesundheitliche Rückschläge hinnehmen musste, ist er da gelandet, wo er heute ist: Der Leiter für Gesundheits-, Leistungs- und Trainingsmanagement an der Akademie von Hannover 96 hilft Teamsportlern, ihren Körper besser zu lesen und mit ihm zu arbeiten.

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Ein Göttinger ist mit Hannover 96 Meister geworden. Unter der Leitung von Dominik Suslik gewann 96 den „Präventionspreis Sport“ der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft in der Kategorie Nachhaltigkeit, der im Zwei-Jahres-Rhythmus vergeben wird. Die Projekte „Prevention Management Tool (PMT)“ und “Neurologischer Präventions-Algorithmus“ wurden im Januar virtuell zum Sieger gekürt. In der vergangenen Woche wurde der Preis in Hannover übergeben.

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Unter der Federführung von Suslik, der Leiter für Gesundheits-, Leistungs- und Trainingsmanagement an der Akademie ist, setzte sich Hannover 96 gegen mehr als 100 Konkurrenten aus dem Spitzenbereich des deutschen Mannschaftssports durch. „Ziel war und ist es, Hannover und 96 zum Innovationstreiber und Vorreiter im Bereich Gesundheitsprävention und -management im Teamsport-Deutschland zu entwickeln und zu etablieren“, sagt Suslik.

Standard für Teamsportarten

Auf Basis einer 2014 intern entwickelten Software entstand das PMT. Mit dem “Prevention Management Tool“ erfolgt ein digitales Monitoring zur Verbesserung der Belastungs- und Beanspruchungssteuerung. Dieses stellt ein nachhaltiges Frühwarnsystem in der Trainings- und Gesundheitssteuerung dar, mit dem erfolgreich Verletzungsprävention betrieben wird. Die Software gilt als deutscher Standard in der Belastungs- und Beanspruchungssteuerung sowie Verletzungsprävention für die Teamsportarten Fußball, Handball, Basketball und Eishockey. Jeder Profi-Klub in Deutschland kann das Tool kostenlos nutzen.

Dominik Suslik als Spieler im Trikot von Hessen Kassel.
Dominik Suslik als Spieler im Trikot von Hessen Kassel. ©

Außerdem hat Suslik den „Neurologischen Präventions-Algorithmus“ entwickelt. Dieser ist eine Lösung zur Reduktion des Risikos für sogenannte Non-Kontaktverletzungen auf der Basis der Funktionen des Gehirns und Nervensystems. Dabei geht es um die Schärfung der Wahrnehmung des eigenen Körpers und eine Reduktion von Schutzreflexen durch zum Beispiel Narben oder fehlende Gelenkkontrolle. Dies sei ein Umdenken in der Arbeit mit dem menschlichen Körper, sagt Suslik. Zum Neurotraining zählen beispielsweise die Bereiche Sensorik, Sehen, Hören und Gleichgewicht und Koordination.

Die verschiedenen Präventions-Projekte lassen sich zu einem Gesamtkonzept zusammenfügen, sodass alle wichtigen Aspekte erfasst sind: Screening, Diagnostik, Athletiktraining, Neurologie, Monitoring, Analysen, Regenerationsstrategien und mit dem Gesundheitsmanagement auch die zentrale Organisation.

Immer wieder gesundheitliche Rückschläge

Susliks persönliche Sporthistorie ist eng verbunden mit seinem Beruf: Der heute 36-jährige war in Hann. Münden ein Bolzplatzkicker, dessen Talent früh erkannt wurde. Es folgte der Wechsel zum 1. SC Göttingen 05, frühe Einsätze – mit 14 Jahren – im Herrenbereich und mit 16 dann ein Probetraining beim FC Bayern München gemeinsam mit Bastian Schweinsteiger. Der erste Tiefschlag erfolgte ein Jahr später mit einem Fußbruch, einer halbjährigen Pause nach der er den Traum „FC Bayern“ begraben musste.

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Mit 19 Jahren wechselte Suslik zum KSV Hessen Kassel, mit dem er zwei Jahre später in die 3. Liga aufstieg. Doch sein Körper spielte nicht mit, so wurde er mit 23 Jahren zum Co- und Fitnesstrainer des KSV. Drei Jahre später fragte ihn Trainer Mirko Dickhaut, ob er sich noch einmal die Schuhe anziehen würde. Im Training wurde er von einem Mitspieler – „wie ein D-Zug vom Elfmeterpunkt kommend“ – umgerammt. „Dabei wurde mir die gesamte linke Gesichtshälfte zertrümmert, und ich war kurz weg. Der Vorhang ging zu“, berichtet Suslik. Diagnose Schädelbasisbruch mit lebensgefährlichen Folgen und mehreren Operationen.

Enge Verbindung auch zum Handball

In Kassel wurde er vom Spieler zum Trainer und Rückenschmerztherapeuten, der auch Handballer der MT Melsungen betreute. Es folgte 2013 der Wechsel als Co- und Fitnesstrainer zur 2. Mannschaft von Hannover 96. In Hannover wurde Suslik 2015 dann auch Athletiktrainer des Handball-Bundesligisten TSV Hannover Burgdorf. „Aus dem eigenen körperlichen Tiefschlag und den damit verbundenen Langzeitfolgen ist über die folgenden zehn Jahre im Leistungssport zunehmend die Passion gewachsen, mich mehr und mehr dem Thema Verletzungs- und Gesundheitsprävention zu widmen“, sagt Suslik.