10. Mai 2020 / 22:30 Uhr

Göttinger Klubs nehmen Training nach achtwöchiger Pause wieder auf

Göttinger Klubs nehmen Training nach achtwöchiger Pause wieder auf

Jan-Philipp Brömsen
Göttinger Tageblatt
Training mit Abstand: Bei den Oberliga-Damen des ESV Rot-Weiß bat Trainer Kevin Martin nach knapp achtwöchiger Pause wieder zum Training.
Training mit Abstand: Bei den Oberliga-Damen des ESV Rot-Weiß bat Trainer Kevin Martin nach knapp achtwöchiger Pause wieder zum Training. © Pförtner
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Knapp acht Wochen mussten die heimischen Fußball aufgrund der Vorschriften in Zusammenhang mit der Corona-Pandemie warten. Am Donnerstag war es dann soweit – einige Fußballteams der Region nutzen die Lockerungen der niedersächsischen Landesregierung und trafen sich zum Training.

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Knapp acht Wochen mussten die heimischen Fußballer aufgrund der Vorschriften in Zusammenhang mit der Corona-Pandemie warten. Am Donnerstag war es dann soweit – einige Fußballteams der Region nutzten die Lockerungen der niedersächsischen Landesregierung und trafen sich zum Training. Die Abstandsregelungen waren ein Thema, wurden aber auf den Plätzen umgesetzt. Vielmehr überwog die Freunde, nach langer Zeit wieder einmal gegen den Ball treten zu können. Wir haben Trainer der Region nach ihren ersten Eindrücken gefragt.

Daniel Vollbrecht (A-Jugend JSG Schwarz-Gelb): „Ich war vorher bei einer A-Jugend skeptisch, aber sie haben die Abstandsregeln eingehalten. Nur bei einer Trinkpause wurde dieser mal kurz reduziert. Ich habe aber auch gemerkt, dass es erforderlich ist, mit zwei Personen auf dem Trainingsplatz zu stehen. Zusammen mit Timo Ziegler haben wir ein Stations- und Gruppentraining angeboten. Die Spieler hatten nach der langen Pause richtig Bock und hätten am liebsten noch ein Abschlussspiel gemacht, was wir aber nicht durchgeführt haben. Sicherlich hätte ich die Spieler vor vier Monaten mit dieser Trainingseinheit nicht hinter dem Ofen hervorgelockt, aber es waren 15 von 18 anwesend. Jedoch erfordert ein Training in Corona-Zeiten schon einen relativ hohen Planungsaufwand. Ich habe jeden Spieler um Rückmeldung gebeten, ob das Training auch in den kommenden Wochen in der Form stattfinden soll. Geplant ist derzeit einmal wöchentlich. Das war ein erster Schritt – sicherlich nicht, wie ein normales Training. Für die Mannschaft war wichtig, sich mal wieder zu treffen. Ich habe als Trainer den Auftrag, ein Training, sofern es behördlich erlaubt wird, durchzuführen. Dabei geht es aber um ein Angebot. Ich respektiere, wenn ein Spieler noch nicht dabei sein möchte.“

Kevin Martin (Trainer ESV Rot-Weiß Damen): „Die Mädels und ich waren richtig erleichtert, dass wir uns endlich wiedersehen konnten. Das Training war gar nicht mal so ungewöhnlich, wie ich es vielleicht vorher dachte. Es waren viele Inhalte einer normalen Vorbereitung, natürlich mit den entsprechenden Abständen. Nach rund 30 Minuten Trainingszeit forderten einige Spielerinnen zwar schon wieder ein Abschlussspiel, was wir nicht gemacht haben.

Natürlich besteht durch die Beschränkungen ein gewisser Mehraufwand für die Trainer. Auf dem Rasen waren fast überall Hütchen verteilt. Insgesamt hat das auch nur ein wenig länger als bei einem normalen Training gedauert. Ich habe die 19 Spielerinnen in drei Gruppen eingeteilt, eine davon wurde vom Torwart-Trainer betreut. Die Einheit komplett allein zu bewältigen, wäre nicht möglich gewesen. Mit der ersten Einheit nach rund sieben Wochen war ich sehr zufrieden. Am Ende habe ich noch einen kleinen Wettkampf mit eingebaut, mit und ohne Ball. Meine Spielerinnen hatten richtig Bock – es war schon Feuer drin. Da wir die Mannschaft in Gruppen aufgeteilt hatten, musste ich nach Trainingsende dafür sorgen, dass alle schnellstmöglich den Platz verlassen. Das war aber nicht so leicht, da sich viele sehr lange nicht gesehen haben. Aber da fiel uns eine kreative Lösung ein. Die Spieler haben mit dem Auto nebeneinander geparkt und sich durch die Fensterscheibe unterhalten.

Wir werden in den kommenden Wochen zweimal wöchentlich trainieren, unabhängig davon, ob die Saison fortgesetzt oder abgebrochen wird. Da geht es auch einfach um das Thema Grundfitness. Ich habe als Trainer die Verantwortung, die Mannschaft zu leiten und auch Training anzubieten. Daher stand für mich zu keiner Zeit zur Debatte, nicht zu trainieren, zumal es die behördlichen Vorgaben zulassen. Die Wiederaufnahme war für mich ganz wichtig, da ich eigentlich jeden Tag Fußball gewohnt war.“

Jan Steiger (Jugendtrainer I. SC Göttingen 05): „Die erste Einheit mit der U14 war richtig gut. Es waren alle Spieler dabei. Wir haben bewusst nur eine Mannschaft auf dem Platz trainieren lassen und vorab die Abläufe in einer Präventionsgruppe besprochen. Die Spieler waren sehr diszipliniert – wir haben aber auch mit vier Trainern agiert, dabei hatte jeder sechs Spieler in seiner Gruppe. Somit konnte der Abstand eingehalten werden.

Eine Trainingseinheit mit den derzeitigen Vorgaben allein durchzuführen, würde ich mir aktuell nicht zutrauen. Die Distanzen an den einzelnen Stationen wurden vorab mit Hütchen markiert – es gab auch wenig Wartezeiten. Insgesamt stand weniger das Sportliche, sondern eher die Freude des Wiedersehens im Vordergrund. Wir werden dreimal in der Woche Training anbieten, das Training aber weiterhin mit drei bis vier Trainern begleiten.“

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Fabian Otto (Trainer SG Bergdörfer): „Wir warten noch ab und werden vorerst nicht trainieren, stimmen uns dazu aber in der kommenden Woche mit dem Vorstand ab. Ich sehe aktuell auch noch keinen echten Grund zum Training, da es kein Ziel gibt. Natürlich fehlt uns der Fußball, aber Gesundheit steht an erster Stelle. Natürlich könnten wir uns treffen, aber wir wissen ja noch nicht einmal, wann die neue oder alte Saison losgeht.“

Tobias Dietrich (Trainer SV Rotenberg): „Wir machen erst mal noch nichts – geplant ist der Start am 20. Mai. Der Vorstand erarbeitet derzeit Konzepte. Natürlich freuen wir uns, dass man sich nach der langen Zeit mal wieder sehen kann. Es werden auch vermutlich 99 Prozent der Spieler kommen, die Sinnhaftigkeit sehe ich allerdings noch nicht. Spiele werden in den nächsten Monaten nicht stattfinden. Wo bleibt da die Motivation bei den Spielern? Für mich wäre es reine Bewegungstherapie. Es herrscht sowieso eine Ungleichheit, da Profis normal spielen und trainieren dürfen und Amateure halt nicht. Letztlich fehlt dann einfach das Salz in der Suppe – Spielformen und Zweikämpfe.“