12. Juli 2018 / 16:40 Uhr

Göttinger Kroaten sind stolz, und Siric und Milos feiern in Moskau

Göttinger Kroaten sind stolz, und Siric und Milos feiern in Moskau

Eduard Warda
Göttinger Tageblatt
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So sehen Sieger aus: Marko Siric feiert im Stadion in Moskau zusammen mit anderen Kroaten den sensationellen Einzug ihres Teams ins Finale der Fußball-Weltmeisterschaft.
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Der Einzug ins WM-Endspiel in Moskau: Es ist der größte Erfolg in der Fußball-Geschichte Kroatiens. Kaum einer hatte sie so richtig auf dem Zettel, jetzt trifft das Team am Sonntag im Finale auf Frankreich. Göttinger Kroaten feiern – und zwei von ihnen waren im Stadion dabei.

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Luschniki-Stadion in Moskau, später Mittwochabend: Nach dem Abpfiff von Schiedsrichter Cüneyt Cakir aus der Türkei entlädt sich bei den kroatischen Fans unbändiger Jubel. Unter ihnen: Marko Siric und Dario Milos, Spielertrainer und Vorsitzender des Göttinger Fußballklubs NK Croatia.

„Es war die pure Ekstase“, sagt Siric – so war es auch im Fernsehen zu beobachten: fliegende Bierbecher waren sonst nur bei englischen Treffern zu sehen. „Mein eigenes Bier habe ich auch weggeworfen“, sagt der 27-Jährige. „Es gab Glücksschreie, jeder hat sich umarmt, und danach fing das Geheule an.“

Überhaupt habe der Trip nach Moskau Siric und Milos beinahe an eine Heimkehr erinnert, vor allem auch am Tag danach: „Man trifft hier viele Landsleute“, sagte Siric am Donnerstag am Telefon, „es sind zehntausende Kroaten in der Stadt. Wir haben schon im Flugzeug einige getroffen.“

Zwei Göttinger laufen durch Moskau – und sind die Stars

Am Tag danach liefen die beiden Göttinger durch Moskau – eine einzigartige Erfahrung für Siric und Milos: „Die Stadt war wie ein Festival, die Leute haben auf dem Roten Platz gefeiert.“ Die kroatischen Nationalfarben dominierten, andererseits herrschte schlicht und einfach Volksfestatmosphäre. Und: Der Informationsbedarf war groß. „Ich bin bestimmt viermal von Fernsehsendern interviewt worden“, sagt Siric und zählt auf: „Da war ein russischer Sender, ein polnischer, ein chinesischer und ein japanischer.“ Siric und Milos hatten kroatische Trikots an, und so mussten sie auch noch für unzählige Fotos posieren.

Doch wie kamen die beiden Göttinger überhaupt an die begehrten Tickets, immerhin war das Stadion mit rund 78000 Zuschauern restlos ausverkauft? Siric hatte nach dem Halbfinaleinzug der Kroaten am Sonnabend schnell geschaltet und sofort zwei Flüge gebucht. „Kurz danach sind sie so teuer geworden, dass man sie kaum noch hätte bezahlen können.“ Tickets hatten er und Milos allerdings noch nicht. Doch dann schüttete der kroatische Fußballverband noch mal 3000 Karten aus, und Siric und Milos schlugen zu.

Marko Siric und Dario Milos aus Göttingen feiern in Mosko WM-Finaleinzug der kroatischen Nationalmannschaft

Marko Siric und Dario Milos aus Göttingen feiern in Mosko WM-Finaleinzug der kroatischen Nationalmannschaft Zur Galerie
Marko Siric und Dario Milos aus Göttingen feiern in Mosko WM-Finaleinzug der kroatischen Nationalmannschaft © R
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285 Euro zahlten sie schließlich pro Ticket – der reguläre Preis für die preiswertesten Karten, die Nicht-Russen erwerben können. Für das Finalticket müssten sie nun jeweils 450 Euro zahlen, und das würden sie auch machen. Aber weil Milos seinen Urlaub fest gebucht hat, geht es am Freitag wieder zurück.

Immerhin: Urlaub in Kroatien steht an, und auch Siric lässt sich das Endspiel in der Heimat nicht entgehen. Der 27-Jährige fährt mit Bruder und Freunden am Sonnabend kurzentschlossen mit dem Auto nach Zagreb. Sein Plan: „Am Sonntag den WM-Sieg feiern, am Montag die Mannschaft mit dem Pokal in Empfang nehmen, dann zurückfahren und am Dienstag arbeiten.“

Kroatische Fans aus Göttingen feiern den Endspieleinzug ihres Teams
Kroatische Fans feiern in Göttingen den Endspieleinzug ihres Teams. © r

Eigentlich ist es nur eine Frage des Ergebnisses, glaubt Siric: „So zurückzukommen gegen eine Fußballnation wie England, das ist schon unglaublich. Wir haben Selbstbewusstsein und unfassbare Spieler wie Modric und Rakitic, dazu einen Rebic, der ja momentan total durchdreht. Beim 0:1 hatte keiner von uns auf der Tribüne Angst, dass wir es nicht mehr schaffen. Einer kämpft für den anderen, sie spielen mit Freude und mit Herz für ihr Land.“ Und deshalb ist nun die Euphorie groß. „Wir lassen Frankreich mit 1:0 in Führung gehen“, prognostiziert Siric. „Und dann kommen wir mit 3:1 wieder. Wenn nicht: Wir können auch Verlängerung!“

Freudentaumel auch in Göttingen

Auch in Göttingen herrscht Freudentaumel: „Der Einzug ins Endspiel bedeutet mir sehr viel. Ich bin einfach stolz, dass wir als kleines Land mit nur vier Millionen Einwohnern so einen Erfolg haben“, sagt Dragomir Lacic, der beim FC Gleichen Fußball spielt. „Nach dem 1:0 für England habe ich schon nicht mehr daran geglaubt. Aber die Mannschaft hat nie aufgegeben und gekämpft.“ Das Endspiel schaut der 37-jährige am Sonntag urlaubsbedingt in Kroatien an. „Wer so ein Spiel noch dreht, kann auch Frankreich schlagen. Die Jungs werden alles geben“, prognostiziert Lacic.

„Wir haben im Monro’s Park mit vielen Freunden geguckt und natürlich nach dem Sieg auch gefeiert. Ich war bis zwei Uhr dabei – aber viele haben bis in die Morgenstunden Party gemacht“, sagt Ivan Vukovic, ehemaliger 96-Spieler und derzeit beim FC Grone aktiv. „Ich bin immer noch ein wenig heiser und sprachlos, aber ich bin einfach nur stolz auf mein Land. Es ist einfach geil. Egal wie das Endspiel ausgeht, Kroatien ist jetzt schon der Sieger.Die Chancen stehen 50:50, aber bei einem Sieg würden wir so richtig feiern und die Stadt in Rot und Weiß tauchen.“

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