17. Dezember 2020 / 15:32 Uhr

Göttinger Nationalspielerin Bremer: Operation am 6. Januar

Göttinger Nationalspielerin Bremer: Operation am 6. Januar

Eduard Warda
Göttinger Tageblatt
Pauline Bremer im Spiel gegen den SC Sand, in dem sie sich später schwer verletzte.
Pauline Bremer im Spiel gegen den SC Sand, in dem sie sich später schwer verletzte. © imago-images
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Es war ein Jahr wie eine Achterbahnfahrt für die Göttinger Fußball-Nationalspielerin Pauline Bremer: Erst wechselte die 24-Jährige von Manchester City zum Deutschen Meister VfL Wolfsburg, dann zog sie sich einen Kreuzbandriss zu.

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Kurz nachdem es passiert war, wusste Pauline Bremer, dass nun wieder alles von vorn anfängt: Operation, Reha, unzählige Stunden im Kraftraum. Die 24-jährige Fußball-Nationalspielerin aus Göttingen, die seit dem Sommer für den Deutschen Meister VfL Wolfsburg aufläuft, hatte im Spiel gegen den SC Sand erst ihren zweiten Treffer im VfL-Trikot markiert und sich dann das Kreuzband gerissen. Mittlerweile blickt die Stürmerin jedoch wieder zuversichtlich in die Zukunft.

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„Ich bin seitlich gelaufen, es kam ein langer Ball, und als ich zum Kopfballduell hochgesprungen bin, hat mein Unterschenkel noch gestanden, als sich mein Oberkörper schon gedreht hat“, lässt Bremer die unglückliche Aktion im Spiel gegen Sand noch mal Revue passieren. Es folgte ein Schmerz, der kurz darauf jedoch schon wieder nachließ. „Das verläuft ja immer sehr unterschiedlich“, sagt die Fußballerin. „Die einen haben die Schmerzen ihres Lebens, die anderen merken kaum etwas. Ich bin ja selbst vom Platz gelaufen, und natürlich ist es mir so lieber.“

Im ersten Moment gab es viele Emotionen

Am liebsten hätte sie sich die Verletzung natürlich gespart. „Natürlich gab es im ersten Moment viele Emotionen, denn ich wusste ja, was auf mich zukommt“, sagt Bremer. Auch ihre Familie sei traurig gewesen. „Sie wissen ja, was der Fußball für mich bedeutet. In jedem Fall ist es schön, dass sie mich unterstützen und für mich da sind.“

Im zweiten Moment brach sich bereits Bremers Kämpfernatur Bahn: „Gleichzeitig habe ich mir gedacht: Ich habe es schon mal geschafft, dann schaffe ich es auch noch mal. Ich bin ein positiver Mensch und versuche mich nicht runterziehen zu lassen.“ Die Psychologin der Nationalmannschaft meldete sich und bot ihre Unterstützung an, aber die Profifußballerin machte die Verletzung lieber mit sich selbst aus.

Liegenbleiben gilt nicht, man muss wieder aufstehen – diese Motto gilt insbesondere für Bremer. Bereits in ihrer Zeit bei Manchester City hatte sie sich einen doppelten Beinbruch zugezogen und hätte am Ende der Reha wahrscheinlich das Muster der Tapete im Kraftraum aufzeichnen können, so viele Stunden verbrachte sie mit Einzeltraining. Nun trainiert sie in Wolfsburg drei Stunden täglich, zwar allein, aber immerhin hat sie Kontakt zu ihren Mitspielerinnen, mit denen sie sich gut versteht.

Kurios ist, dass Bremer die Operation am Kreuzband noch vor sich hat: Am 6. Januar kommt sie bei einem Berliner Spezialisten, der auf Kreuzbandrisse spezialisiert ist, unters Messer. Hintergrund ist, dass Ende Oktober in Braunschweig zunächst ein Nagel aus dem rechten Schienbein entfernt werden musste, der noch von der alten Verletzung herrührte und einer weiteren OP im Wortsinn im Weg gestanden hätte.

Pauline Bremer: Von Göttingen aus in die Welt

Die 24-jährige Fußball-Nationalspielerin Pauline Bremer aus Göttingen ist im vergangenen Sommer von Manchester City zurück nach Deutschland zum Deutschen Meister VfL Wolfsburg gewechselt. Bereits im Champions League-Finale war sie einsatzberechtigt, unterlag jedoch mit den Wölfinnen gegen Olympique Lyon, ebenfalls ein Ex-Klub von Bremer: Für Lyon hatte sie zwischen 2015 und 2017 gespielt und dabei zweimal in Folge das Triple aus Meisterschaft, Pokalsieg und Champions League-Triumph geschafft. Ihre ersten fußballerischen Gehversuche absolvierte die Stürmerin in ihrer Heimatstadt bei der SVG Göttingen 07, 2012 folgte der Wechsel zum Bundesligisten 1. FFC Turbine Potsdam. Später ging es von Lyon aus nach England zu City.

Die Braunschweiger Ärzte benötigten allerdings den damaligen OP-Bericht aus England und entsprechendes Werkzeug, um den sogenannten Mark-Nagel, der durchs Knochenmark getrieben worden war, problemlos zu entnehmen. „Das hat alles ein bisschen gedauert“, berichtet Bremer. Etwas Gutes hatte die Wartezeit jedoch: Der Innenbandanriss, den sie sich bei der fatalen Aktion zusätzlich zugezogen hatte, konnte gut verheilen.

OP-Termin drei Monate nach der Verletzung

Seit der OP in Braunschweig wächst der Knochen zusammen, und die Reha, die sie momentan absolviert, ist damit ein Training zwischen zwei Operationen. „Dass man erst drei Monate nach der Verletzung operiert wird, hat man auch nicht häufig“, sagt Bremer. Laufen ist der Nationalspielerin nun erlaubt, allerdings sollte sie Seitwärtsbewegungen tunlichst vermeiden.

Im Kraftraum versucht sie sich, so gut es geht abzulenken von ihrer Verletzung, die im Anschluss an die Operation am 6. Januar noch mal eine sechs- bis achtmonatige Spielpause nach sich ziehen wird. „Ich will mir kein Datum setzen, sondern es vernünftig machen“, sagt die 24-Jährige. Die Wochenenden verbringt sie immer mal in Göttingen, Heiligabend wird sie mit ihren Schwestern feiern.

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Silvester wird dann angestoßen auf ein erfolgreiches, vor allem aber gesundes neues Jahr. „Mit so einer Verletzung muss man im Sport rechnen“, sagt Bremer. „Es kommen auch wieder bessere Zeiten – und so versuche ich das auch anzugehen: als Herausforderung, aus der ich etwas lernen kann.“