07. Juli 2019 / 09:50 Uhr

Nach Prügelattacke: Schiedsrichter weigern sich, diesen Klub zu pfeifen

Nach Prügelattacke: Schiedsrichter weigern sich, diesen Klub zu pfeifen

Eduard Warda
Göttinger Tageblatt
Sicherheit nicht gewährleistet: Für Spiele des Ay Yildiz SV Göttingen werden vorerst keine Schiedsrichter mehr angesetzt.
"Sicherheit nicht gewährleistet": Für Spiele des Ay Yildiz SV Göttingen werden vorerst keine Schiedsrichter mehr angesetzt. © imago images / Blickwinkel (Symbolbild)
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Wie geht es mit dem Fußballklub Ay Yildiz SV Göttingen weiter? Nach einem erneuten Spielabbruch in der 3. Kreisklasse im Mai hat das Sportgericht zwei Ay Yildiz-Akteure mit einer einjährigen Sperre belegt. Nun werden für Spiele des Vereins keine Schiedsrichter mehr angesetzt.

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Ende Mai hatten sich in Westerode im Spiel der damaligen 3. Kreisklasse B der SC Eichsfeld III und der Ay Yildiz SV gegenüber gestanden. Dabei kam es nach Tageblatt-Informationen seitens der Ay Yildiz-Spieler zu Tätlichkeiten gegen einen Eichsfelder Akteur und gegen den Schiedsrichter: Nach der dritten roten Karte gegen Ay Yildiz wurden die Gästespieler gegen ihn handgreiflich, sodass er nach dem Spiel mit Rippenprellung und Verdacht auf Gehirnerschütterung stationär im Krankenhaus aufgenommen wurde.

Laut Auskunft des Sportgerichtsvorsitzenden Jürgen Treidler wurden auf der Basis der Schiedsrichter-Aussage zwei Spieler für ein Jahr bis zum 25. Mai 2020 gesperrt – dabei handelt es sich um die Höchststrafe, eine längere Sperre gibt die Spielordnung des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV) nicht her. Ein weiterer Ay Yildiz-Akteur wurde wegen Beleidigung für einen Monat gesperrt. Auch der Klub wurde für einen Monat aus dem Spielbetrieb genommen, sodass die restlichen Saisonspiele mit 5:0 für den Gegner gewertet wurden.

Meinung

Die Partie in Westerode wurde mit 6:1 für den SC Eichsfeld III gewertet, und schließlich wurde Ay Yildiz eine Strafe von 250 Euro aufgebrummt zuzüglich der Verfahrenskosten. Wie Treidler berichtet, habe der Schiedsrichter offenbar in Panik um sich geschlagen, als er umringt wurde, und dabei einen Ay Yildiz-Akteur verletzt. „Wenn das nicht passiert wäre, wäre es vielleicht nicht zu dieser Reaktion der Gästespieler gekommen. Aber auch so gehört so etwas nicht auf den Sportplatz“, so Treidler.

Im Raum stand auch ein Verbandsausschluss von Ay Yildiz, letztlich habe man sich aber dagegen entschieden, berichtete Treidler. Angesichts der vergangenen Vorfälle mit Ay Yildiz habe man Gnade vor Recht walten lassen, auch weil Ay Yildiz bei der Verhandlung Reue gezeigt habe. „Aber man kann sich vorstellen, was bei der nächsten Kleinigkeit passiert.“

Der Vorsitzende des Sportgerichts betonte, dass er gern höhere persönliche Strafen ausgesprochen hätte. „In Hessen sind drei Jahre möglich, aber wir können leider nicht mehr als ein Jahr verhängen“, sagte Treidler. „Ein Jahr ist schnell vergangen, und dann darf der Akteur wieder spielen.“

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Polizei leitet Ermittlungsverfahren ein

Eine Stellungnahme von Ay Yildiz war am Freitag nicht zu bekommen – der auf der Verbandshomepage hinterlegte Ansprechpartner meldete sich nicht, der zuständige Staffelleiter wollte eine andere Nummer aus Datenschutzgründen nicht herausgeben. Die Polizei hat unterdessen ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Ermittelt wird unter anderem wegen Beleidigung, Körperverletzung und schwerer Körperverletzung, berichtete Michaela Burchardt von der Pressestelle der Polizeiinspektion Göttingen.

Ay Yildiz ist laut vorläufiger Staffeleinteilung zukünftig in der Staffel Mitte der 3. Kreisklasse zu Hause, doch wer die Spiele pfeift, steht in den Sternen. Um seine Unparteiischen zu schützen, setzt der Schiedsrichterausschuss des Fußballkreises für Spiele von Ay Yildiz keine Referees mehr an. „Wir sind für die Schiedsrichter verantwortlich und können ihre Sicherheit nicht gewährleisten“, sagte der Ausschussvorsitzende Christian Rahlfs. „Wir können keine Maßnahme erkennen, dass sich seit dem letzten Mal irgendwas geändert hat.“

Spielausschuss ist in der Zwickmühle

Damit ist der Spielausschuss in der Zwickmühle. „Ich sehe das sehr problematisch. Wenn kein Schiedsrichter kommt, müssen sich die Vereine einigen“, sagt der Spielausschussvorsitzende Klaus Henkel, der betont, dass der Fall in den kommenden Tagen noch einmal mit dem Verband geklärt wird. Außerdem sollen die entsprechenden Vereine der Liga angeschrieben werden. „Dass keiner mehr gegen Ay Yildiz antritt, schließe ich zumindest nicht aus“, so Henkel.

Die Spielordnung ist in dieser Hinsicht eindeutig: Bei Nichtantritt wird ein Spiel mit 5:0 für den Gegner gewertet – in diesem Fall Ay Yildiz.

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