21. Juli 2021 / 12:55 Uhr

Göttinger Sport-Legenden: Radrennfahrerin Hannah Buch mag das Einzelzeitfahren

Göttinger Sport-Legenden: Radrennfahrerin Hannah Buch mag das Einzelzeitfahren

Kathrin Lienig
Göttinger Tageblatt
Regelmäßig trainiert Hannah Buch auf Mallorca.
Regelmäßig trainiert Hannah Buch auf Mallorca. © r/privat
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Hannah Buch ist in jungen Jahren an den Radrennsport herangeführt worden und war schon früh erfolgreich auf nationaler und internationaler Ebene. Deshalb ist die 18-Jährige für die Wahl der Göttinger Sportlegenden des Jahrzehnts nominiert.

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Sie ist deutsche Meisterin der Juniorinnen im Einzelzeitfahren auf der Straße, hat in dieser Disziplin Platz sechs bei der Europameisterschaft belegt und sich mit dem Viererteam Platz drei bei den kontinentalen Meisterschaften im Bahnradfahren gesichert: An der Radsportlerin Hannah Buch kommt man nicht vorbei, wenn man die Liste der Nominierten für die Wahl zur erfolgreichsten Göttinger Sportlerin des vergangenen Jahrzehnts aufstellt. Und sie ist erst 18 Jahre jung.

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Ihr Vater Holger Buch hat bei seiner Tochter die Leidenschaft fürs Radfahren geweckt. „Er hat mich als Kind inspiriert.“ Zwang sei nicht dabei gewesen. Es blieb viel Zeit für andere Hobbys: Geige spielen und eine Reitbeteiligung, die sie auch erst aufgegeben hat, als sie das Abitur hinter sich hatte. Danach ist Buch ihrer Heimatstadt und ihrem Verein Tuspo Weende treu geblieben, sie studiert inzwischen im vierten Semester BWL an der Universität Göttingen, ist zu Hause ausgezogen – und ihr Vater ist noch immer ihr Trainer.

Göttinger Sportlegenden: Hannah Buch

Massenrennen auf der Bahn meidet sie

Stehen in den Anfangsjahren der Radsport-Laufbahn die Allround-Qualitäten im Vordergrund, so hat sich bei der Studentin irgendwann herauskristallisiert, was sie nicht mag: „Ich fahre gern auf der Bahn, aber nicht die Massenrennen. Ich drängele nicht so gern.“ Der Wechsel zwischen Straßen- und Bahnradsport gefällt Buch. „Beide Disziplinen ergänzen sich gut, die Abwechselung ist für den Kopf gut“, sagt die Fahrerin, die seit ihrem 15. Lebensjahr zum Nationalkader gehört.

Das Tageblatt sucht die Göttinger Sportlegenden des Jahrzehnts
Das Tageblatt sucht die Göttinger Sportlegenden des Jahrzehnts ©

Die meiste Zeit verbringt sie jedoch auf der Straße. Rund 500 Kilometer fährt sie pro Woche, über eine App plant sie ihre Routen, die sie auch schon einmal für eine Trainingstour bis nach Bad Karlshafen führen. Meistens fährt sie allein, ansonsten ist ihr Vater ihr Trainingspartner. „Der Vorteil ist, dass ich mit meinem Vater schon immer die Zeiten flexibel abstimmen konnte. Die Kommunikation ist sehr eng – und es funktioniert immer noch. Dieser Sport ist unser gemeinsames Projekt.“

Profiteam per Bewerbung gesucht

Inzwischen ist Buch ins Profilager der Damen gewechselt, fährt für das russische Team „Cogeas Look“, das seinen Sitz in der Schweiz hat. Sie hatte sich bei vielen Teams beworben und Referenzen vorgelegt. Schließlich erhielt sie von zwei Rennställen eine Zusage. „Ich hatte noch eine andere Opotion, aber mir hat das Rennprogramm bei Cogeas Look besser gefallen.“

Diese Sportlerinnen, Sportler und Mannschaften stehen zur Wahl

Sportlerin

  • Neele Eckhardt Noack (Deutsche Meisterin im Dreisprung)
  • Hannah Buch (Deutsche Meisterin im Einzelzeitfahren der Junioren)
  • Jasmin Bothmann (Mehrfache Weltmeisterin im Minigolf)
  • Tonie Lenz (Sieg bei den Worldgames mit der Kanupolo-Nationalmannschaft)
  • Fiona Sieber (Siegerin German Masters/Schach)
  • Angelina Wucherpfennig (Deutsche Meisterin Schülerklasse Luftgewehr/Sportschießen)
  • Birte Kressdorf (Langstreckenschwimmerin, Durchquerung des Ärmelkanals)
  • Pauline Bremer (Fußball-Nationalspielerin, zweifache Champions-League-Siegerin)
  • Jennifer Crowder (Basketball-Nationalspielerin und Bundesliga-Spielerin und „Guard of the year“)
  • Barbara von Ende (mehrfache Deutsche Tennis-Meisterin der Senioren)

Sportler

  • Tobias Buck-Gramcko (Bahnrad-Juniorenweltmeister mit Weltrekord)
  • Rolf Geese (Weltrekord im Zehnkampf der Altersklasse M75)
  • Lars Bode (Weltmeister im Drachenboot-Rennen)
  • Ansgar Knauff (Profi bei Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund)
  • Aaron Donkor (Linebacker in der NFL bei den Seattle Seahawks)
  • Florian Reichert (Seriensieger beim Göttinger Altstadtlauf)
  • Robert Kulawick (Gewinn der Eurochallenge mit der BG Göttingen und Publikumsliebling)
  • Fynn Kunze (Deutscher Jahrgangsmeister über 200 Meter Rücken)
  • Nils Knöchelmann (Deutscher Meister Para-Bogenschießen)
  • Lukas Richter (Sieg bei den Worldgames mit der Kanupolo-Nationalmannschaft)

Mannschaften

  • Tanzsportteam Göttingen (Deutscher Meister und WM-Dritter Standard-Formation)
  • BG Göttingen (Gewinn der Basketball-Eurochallenge)
  • C-Junioren I. SC Göttingen 05 (Teilnahme Fußball-Regionalliga, höchste Spielklasse)
  • Minigolfclub Göttingen Damen (Deutscher Mannschaftsmeister)
  • RV Stahlross Obernfeld (André und Manuel Kopp, Deutsche Radball-Meister)
  • Göttinger Paddler Club Damen (Deutscher Meister)
  • Universität Göttingen Damenbasketball (Mehrfacher Deutscher Hochschulmeister)
  • TV Jahn Duderstadt (Dritte Handball-Bundesliga)
  • Universität Göttingen 3x3-Basketball (Finale der World University League der Herren)
  • Universität Göttingen Laufsport (Sabine Rothaug, Birte Friedrichs und Anke von Gaza: Deutsche Hochschulmeisterinnen im Orientierungslauf)

Abstimmen können Sie ab sofort im Internet unter gturl.de/sportlegenden

Gleich zum Einstieg ist sie in den Ardennen drei Elite-Rennen gefahren. „Da konnte ich schon einmal viel Erfahrung sammeln.“ Die Unterstützung für die Fahrerinnen besteht ausschließlich in Sachleistungen. Es gibt Teamräder, die Hotelübernachtungen werden bezahlt, Mechaniker sind bei den Rennen vor Ort, ebenso wie Physiotherapeuten. „Die, die bei Olympia gewinnen können, können bei den Frauen auch von diesem Sport leben“, erzählt die 18-Jährige, die inzwischen Verbesserungen in der Akzeptanz des Frauenradsports sieht. 2022 wird es auch eine Tour durch Frankreich geben. „Es tut sich etwas.“

Nächstes Highlight: die Bahn-EM

Wenn Buch in den kommenden Wochen ihre fünf BWL-Klausuren geschrieben hat, geht es unmittelbar danach für sie zur Bahn-EM-Vorbereitung nach Frankfurt/Oder. Bei der Europameisterschaft besteht eine der wenigen Chancen noch in der U23-Klasse zu starten, ansonsten wird die junge Fahrerin schon den Damen zugerechnet.

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An die letzte Vorbereitung 2020 hat die Radrennfahrerin keine guten Erinnerungen: In der letzten Trainingseinheit vor der Abfahrt zur EM rutschte sie auf der nassen Außenbahn – auf der coronabedingt trainiert werden musste – bei hohem Tempo aus, brach sich den Kiefer, zog sich eine Gehirnerschütterung zu und verlor neun Zähne. Es folgte eine Operation, die Nachbehandlung hat bis März gedauert. „Diese Verletzung hat mir aber gezeigt, dass ich mit Rückschlägen gut umgehen kann.“ Ihren Optimismus verliert die fröhliche Radsportlerin nicht so schnell.

Abstimmen können Sie im Internet unter gturl.de/sportlegenden oder direkt hier