28. Juli 2021 / 17:17 Uhr

Göttinger Sport-Legenden: Tonie Lenz hat im Kanupolo alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt

Göttinger Sport-Legenden: Tonie Lenz hat im Kanupolo alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt

Kathrin Lienig
Göttinger Tageblatt
Tonie Lenz (vorn) als GPC-Spielerin beim Niedersachsenpokal im Freibad am Brauweg.
Tonie Lenz (vorn) als GPC-Spielerin beim Niedersachsenpokal im Freibad am Brauweg. © Foto: Swen Pförtner
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Viermal wurden die World Games im Kanupolo gespielt, viermal war die Göttingerin Tonie Lenz dabei, dreimal gewann sie mit der deutschen Nationalmannschaft. Ihre Titelsammlung hat die 32-Jährige auf die Nominierten-Liste für die Wahl der Göttinger Sportlegenden des Jahrzehnts gebracht.

Sie ist die „Mrs. Kanupolo“ in Deutschland: Viermal gab es World-Games in dieser Sportart, viermal war Tonie Lenz dabei, dreimal holte sie mit dem deutschen Team den Titel. Hinzu kamen Siege bei Welt- und Europameisterschaften, natürlich auch nationale Titel. Eine beeindruckende Titelsammlung, die die 32-Jährige auf die Liste der Nominierten für die Wahl der Göttinger Sportlegenden des vergangenen Jahrzehnts gebracht hat.

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Mit ihrer Kindergarten-Freundin Ina Bauer (heute Pfeiffer) hat sie nicht nur beim MTV Grone geturnt, durch sie ist Lenz auch zum Kanupolo gekommen – und dabei geblieben. Das war im Jahr 2000, da war sie gerade einmal zwölf Jahre jung. Was schon damals den Reiz dieser Sportart für sie ausgemacht ist, erzählt die Sportlerin mit wenigen Worten: „Wir konnten draußen sein, es war Wasser im Spiel, eine Teamsportart und wir waren vier, fünf Mädels, die damals auch gegen die Jungs gewonnen haben.“ Schon ein Jahr später wurde das Schülerteam deutscher Meister.

Göttinger Sportlegenden des Jahrzehnts: Tonie Lenz

Von Beginn an als Centerin eingesetzt

Für den Erfolg musste die Göttingerin viel Neues lernen: „Ich bin als eines der letzten Mädels dazu gekommen und musste erst einmal lernen, geradeaus zu paddeln, da sind die anderen schon zickzack gefahren. Außerdem musste ich mit dem Ball das hoch hängende Tor treffen und eine Position finden. Sie wurde Centerin und ist das bis heute geblieben. „Diese Position hat viel mit Erfahrung und Stellungsspiel zu tun, ich bin eher die Arbeiterin für andere“, beschreibt Lenz ihre Aufgaben.

Das Tageblatt die Göttinger Sportlegenden des Jahrzehnts gesucht
Das Tageblatt die Göttinger Sportlegenden des Jahrzehnts gesucht ©

Bis in den Damenbereich blieb die Mannschaft des Göttinger Paddler Clubs (GPC) zusammen, fünf nationale Titel holten die Spielerinnen gemeinsam. Und weil die Trainer der Schüler-Nationalmannschaft damals aus Göttingen kamen, folgten bald auch Einladungen für das Nationalteam. Seit 2006, da war sie 17 Jahre alt, gehörte sie zum deutschen Kader. Es folgten internationale Auftritte, die mit interessanten Reisen nach Kanada, Kolumbien, Taiwan, Frankreich, Spanien, Italien, Portugal, Polen und Skandinavien verbunden waren. Bis auf die World-Games-Teilnahmen mussten die Wettkampf-Reisen selbst finanziert werden.

Von Göttingen nach Hamburg zum Studium

Bis 2011 spielte sie für ihren am Kiessee ansässigen Heimatverein, dann wechselte Lenz nach einem Volontariat beim Göttinger Tageblatt zum Studium nach Hamburg. „Ich kannte dort Leute, es gab einen Polo-Verein, die Stadt war nicht so weit weg und in den Norden wollte ich sowieso.“ Zehn Jahre lebt die 32-Jährige inzwischen in der Hansestadt und arbeitet dort nach dem Studienabschluss für den Hamburger Sportbund, ihre Stelle ist geteilt in die Bereiche Pressearbeit und Sachbearbeitung für die Freiwilligendienste. Im Kanupolo musste sie sich mit ihrem Team des Alster Canoe Clubs von der 3. Liga bis in die Bundesliga vorarbeiten.

Diese Sportlerinnen, Sportler und Mannschaften stehen zur Wahl

Sportlerin

  • Neele Eckhardt Noack (Deutsche Meisterin im Dreisprung)
  • Hannah Buch (Deutsche Meisterin im Einzelzeitfahren der Junioren)
  • Jasmin Bothmann (Mehrfache Weltmeisterin im Minigolf)
  • Tonie Lenz (Sieg bei den Worldgames mit der Kanupolo-Nationalmannschaft)
  • Fiona Sieber (Siegerin German Masters/Schach)
  • Angelina Wucherpfennig (Deutsche Meisterin Schülerklasse Luftgewehr/Sportschießen)
  • Birte Kressdorf (Langstreckenschwimmerin, Durchquerung des Ärmelkanals)
  • Pauline Bremer (Fußball-Nationalspielerin, zweifache Champions-League-Siegerin)
  • Jennifer Crowder (Basketball-Nationalspielerin und Bundesliga-Spielerin und „Guard of the year“)
  • Barbara von Ende (mehrfache Deutsche Tennis-Meisterin der Senioren)

Sportler

  • Tobias Buck-Gramcko (Bahnrad-Juniorenweltmeister mit Weltrekord)
  • Rolf Geese (mehrfacher Senioren-Weltmeister und -Weltrekordler im Zehnkampf)
  • Lars Bode (Weltmeister im Drachenboot-Rennen)
  • Ansgar Knauff (Profi bei Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund)
  • Aaron Donkor (Linebacker in der NFL bei den Seattle Seahawks)
  • Florian Reichert (Seriensieger beim Göttinger Altstadtlauf)
  • Robert Kulawick (Gewinn der Eurochallenge mit der BG Göttingen und Publikumsliebling)
  • Fynn Kunze (Deutscher Jahrgangsmeister über 200 Meter Rücken)
  • Nils Knöchelmann (Deutscher Meister Para-Bogenschießen)
  • Lukas Richter (Sieg bei den Worldgames mit der Kanupolo-Nationalmannschaft)

Mannschaften

  • Tanzsportteam Göttingen (Deutscher Meister und WM-Dritter Standard-Formation)
  • BG Göttingen (Gewinn der Basketball-Eurochallenge)
  • C-Junioren I. SC Göttingen 05 (Teilnahme Fußball-Regionalliga, höchste Spielklasse)
  • Minigolfclub Göttingen Damen (Deutscher Mannschaftsmeister)
  • RV Stahlross Obernfeld (André und Manuel Kopp, Deutsche Radball-Meister)
  • Göttinger Paddler Club Damen (Deutscher Meister)
  • Universität Göttingen Damenbasketball (Mehrfacher Deutscher Hochschulmeister)
  • TV Jahn Duderstadt (Dritte Handball-Bundesliga)
  • Universität Göttingen 3x3-Basketball (Finale der World University League der Herren)
  • Universität Göttingen Laufsport (Sabine Rothaug, Birte Friedrichs und Anke von Gaza: Deutsche Hochschulmeisterinnen im Orientierungslauf)

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Als Bundesligaspielerin ist sie immer noch aktiv, von der internationalen Bühne hat sie sich 2019 in Portugal verabschiedet. „Es sind viele junge Leute nachgekommen, irgendwann wurde es Zeit.“ Das Geschehen rund um die Nationalmannschaft verfolgt Lenz weiterhin, als Fan wird sie in diesem Jahr noch zur Europameisterschaft nach Italien fahren. Im Jahr 2012 schaffte es Lenz auch auf die Liste der Nominierten zur Sportlerin des Jahres in Niedersachsen, hatte aber in Olympiasiegerinnen und Weltmeisterinnen zu starke Konkurrenz.


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Während ihrer aktiven Laufbahn war sie immer nur Spielerin. „Ich habe immer lieber im Boot gesessen“, sagt sie. In einem Bundesliga-Team rede ohnehin jeder mit, sagt sie in Anspielung auf einen möglichen Trainerposten in der Zukunft. Den würde sie tatsächlich „mit noch etwas mehr Abstand zum aktiven Sport“ nicht ausschließen. Noch sei sie aber zu nah dran.

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