16. Dezember 2021 / 16:46 Uhr

Göttinger Tanzsportteam tritt in Bundesliga mit einem tanzenden Imker an

Göttinger Tanzsportteam tritt in Bundesliga mit einem tanzenden Imker an

Ferdinand Jacksch
Göttinger Tageblatt
Cornelius Möhle mit Tanzpartnerin Johanna Wille bei der Verkostung des eigenen Met.
Cornelius Möhle mit Tanzpartnerin Johanna Wille bei der Verkostung des eigenen Met. © Ferdinand Jacksch
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Cornelius Möhle tanzt nicht nur in der Bundesliga der Standardformationen, der Landwirtschaftsstudent hat auch ein ausgefallenes Hobby: Er ist begeisterter Hobbyimker, der seine Imkereiprodukte selbst vertreibt.

Ihm klingen nicht selten Pop-Hits im klassischen Soundgewand in den Ohren – aber auch das Summen seiner Bienen: Der 29-jährige Cornelius Möhle, der gerade seine Masterarbeit in Agrarwissenschaften schreibt, ist nicht nur leidenschaftlicher Bundesligatänzer, sondern auch bereits seit mehreren Jahren erfolgreicher Hobbyimker in Göttingen.

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Cornelius Möhle vom Tanzsportteam Göttingen ist Hobbyimker

Cornelius Möhle als Mitglied der Göttinger B-Formation mit Tanzpartnerin Johanna Wille. Zur Galerie
Cornelius Möhle als Mitglied der Göttinger B-Formation mit Tanzpartnerin Johanna Wille. ©

Der 1,96 Meter große Student ragt aus der B-Formation des Göttinger Tanzsportteams heraus. Die „B-Fo“ hatte als Aufsteiger in die ersten Liga zuletzt im November bei der Deutschen Meisterschaft in Bremerhaven ihren großen Auftritt, und das mit der anspruchsvollen Choreografie „Postmodern Jukebox“, eben jenem Mix aus Moderne und Vergangenheit. Was Tanzen und die Imkerei gemeinsam haben? „Gar nicht so viel: Beim Formationstanz habe ich nur acht Damen um mich herum, beim Imkern zig tausende“, schmunzelt Möhle.

Bienen haben es ihm von klein auf angetan

Schon von Kindesbeinen an schwärmte der heutige Student für seine Bienen: „Mit Opa Manfred bin ich immer zu den Bienen gegangen, habe bei der Honigernte bis hin zur Verarbeitung in Opas Keller geholfen. Mit sechs Jahren hatte ich schon meinen ersten Imkeranzug“, berichtet der aus der Lüneburger Heide stammende Student. Mit zwölf Jahren war der Jung-Imker in Opas Garten bereits Herrscher über sein erstes eigenes Bienenvolk.

Natürlich handelte es sich um ein willkommenes Geschenk von Großvater Manfred. Mit 14 Jahren jedoch schwand bei Möhle das Interesse an den Bienen – aber nur für kurze Zeit. Als im März 2015 eine Kommilitonin einen Vortrag über Honigbienen hielt, „war das gleichermaßen der Zündfunke für meinen Imkerei-Neustart in Göttingen“, erzählt Möhle.

In der Folge ging es Schlag auf Schlag weiter, und zwar mit einem Tanz auf zwei Hochzeiten: Neben dem Imkern startete der Göttinger Student 2015 beim Hochschulsport einen Anfänger-Tanzkurs, ehe er später eine weitere Herausforderung in der B-Formation des Tanzsportteams Göttingen suchte. Auch seine Bienenvölker fanden im Garten des Göttinger Studiendekans der Agrarwissenschaften eine Heimat und schwärmten von dort in alle Richtungen aus.

Zehn Völker an zwei Standorten nennt der Hobbyimker mittlerweile sein Eigen, das stärkste hat rund 60 000 Bienen. Eine selbstgebaute Messstation mit online einsehbaren Parametern über Gewicht und Temperatur inner- und außerhalb des Bienenstocks zählen zur umfangreichen Ausstattung des Bienenzüchters, der seinem Schwarm die gebührende Aufmerksamkeit schenkt. So kann sich auch das Ergebnis sehen lassen: Knapp eine halbe Tonne Honigertrag findet als „Honig aus Göttingen“ oder als Met (Honigwein) in der Flasche gerade in der Zeit um Weihnachten auch als schönes Geschenk seinen Absatz (Kontakt per Mail an goe-honig@posteo.de).


Engagement im selbst gegründeten Verein Blühfelder

Wenn Möhle nicht mit dem Kopf im Imkeranzug oder mit den Füßen in Tanzschuhen steckt, verbringt er gerne Zeit mit Freundin Johanna, die er beim Tanzen kennengelernt hat. Außerdem engagiert sich der Student im Verein Blühfelder, den er in diesem Jahr zusammen mit Freunden gegründet hat. „Mit dem Konzept der Blühfelder möchten wir engagierte Bürgerinnen und Bürger sowie Landwirtinnen und Landwirte zusammenbringen und einen Raum schaffen, um gemeinsam lösungsorientiert an einer gesunden Zukunft zu arbeiten“, sagt Möhle.

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Dem begeisterten Tänzer gelingt es offensichtlich, sein vielfältiges Engagement unter einen Hut zu bringen. „Jetzt im Winter gibt es eher wenig Arbeit mit Bienen. Dagegen muss man im Sommer schon gut planen“, erzählt Möhle. Heißt im Klartext: „Tagsüber bei den Bienen und dann abends nicht selten mit voller Montur im Gepäck zum Training – und zwischendurch vielleicht auch noch einmal in die Uni.“