18. März 2021 / 10:50 Uhr

Göttinger Trainer hoffen im April auf Rückkehr in die Basketball-Halle

Göttinger Trainer hoffen im April auf Rückkehr in die Basketball-Halle

Filip Donth
Göttinger Tageblatt
Gegen die Baskets Juniors Oldenburg gewannen die Sartorius Juniors im Oktober ihr Heimspiel – und bejubelten den Erfolg.
Gegen die Baskets Juniors Oldenburg gewannen die Sartorius Juniors im Oktober ihr Heimspiel – und bejubelten den Erfolg. © Swen Pförtner
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Ihnen fehlt fast ein Jahr in der Entwicklung und im Sammeln von Wettkampfpraxis: Auch die jungen Basketballer der BG Göttingen – die Sartorius Youngsters und Juniors – halten sich individuell fit und haben nur Kontakte über Konferenzsysteme.

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Die Jugendteams der BG Göttingen befinden sich seit November in der Zwangspause. Welche Auswirkungen hat das auf die Entwicklung der Nachwuchsbasketballer? Und welche Perspektive gibt es für die Rückkehr aufs Parkett? Darüber hat das Tageblatt mit Venelin Berov, Headcoach des NBBL-Teams, und Andreas Scheede, Jugendkoordinator der BG, gesprochen. Wie andere Mitarbeiter des Bundesligisten sind auch sie derzeit in Kurzarbeit.

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Die Mannschaften in der Nachwuchs Basketball Bundesliga (NBBL) und in der Jugend Basketball Bundesliga (JBBL) standen zuletzt Ende Oktober auf dem Parkett. Jeweils drei Saisonspiele konnten sie bestreiten, ehe der Spielbetrieb durch die Beschlüsse der Ministerpräsidentenkonferenz und der Bundeskanzlerin auf Eis gelegt wurde. Seitdem geht – wie bereits im Frühjahr 2020 – nichts mehr. Keine Spiele, kein Mannschaftstraining.

„Seit November betreuen wir die Mannschaften online mit diversen Programmen, Challenges und allem, was wir uns so haben einfallen lassen“, sagt Berov, der sich um die älteren Jahrgänge kümmert. Über Videokonferenzsysteme wie Zoom oder Teams halten die Coaches Kontakt zu ihren Spielern. Das sei aber nicht ansatzweise mit dem Training in der Halle zu vergleichen, betont der Headcoach des NBBL-Teams. „Das einzige Ziel, das wir uns vorgenommen haben, ist fit zu bleiben, den Körper so instand zu halten, dass man gut in die basketballspezifische Belastung reinkommt und Verletzungen vorbeugt, sobald Training wieder möglich ist.“

Persönlichkeitsentwicklung und Euroleague-Analyse

Bis dahin heißt es: warten. Und das fällt immer schwerer. „Irgendwann hat auch der motivierteste Nachwuchsspieler keinen Bock mehr, vor dem PC zu sitzen und irgendwelche Übungen zu machen oder zu Hause gegen die Wand zu passen“, klagt Berov. Doch auch wenn die vergangenen Monate schwierig waren, bemüht sich der Coach, nicht schwarz zu malen. „Wir haben versucht, in anderen Bereichen besser zu werden“, erklärt der 32-Jährige. Das NBBL-Team arbeitete beispielsweise mit einem Personal Coach im Bereich Persönlichkeitsentwicklung zusammen. Zudem habe er mit der Mannschaft Euroleague-Spiele analysiert, so der Trainer. Es sind eben neue Ideen gefragt.

Negative Auswirkungen auf die Entwicklung der Göttinger Nachwuchsbasketballer lassen sich letzten Endes aber auch dadurch nicht verhindern. Da ist sich Berov sicher. „Je jünger die Spieler, desto schwerwiegender werden die Folgen sein. Im Alter zwischen elf und 14 Jahren lassen sich bestimmte Bereiche am besten trainieren. Wenn diese Spieler ein ganzes Jahr verpassen, bleiben viele Grundlagen auf der Strecke, die man schwer nachholen kann.“ Den älteren Spielern, die sich im Übergang vom Nachwuchs- zum Seniorenbereich befinden, fehle dagegen vor allem der Wettkampf. Hier spielen Taktik und Athletik eine größere Rolle. „Es wird schwer, aber wir müssen alle mehr investieren, um das nachzuholen“, appelliert Berov.

Scheede erwartet Defizite bei jüngeren Spielern

Auch Scheede, der die Spieler der Altersklasse U12 abwärts betreut, ist überzeugt: „Wenn wir wieder in die Halle können, werden Defizite bei den Spielern da sein. Wir werden dann die Grundlagen erst mal wieder abfordern müssen.“ Genauso wichtig sei aber, glaubt Scheede, dass sich die Spieler wieder von Angesicht zu Angesicht sehen. Nicht nur über einen Monitor.

In diesem Punkt gibt es bereits Schritte in die richtige Richtung. Während das NBBL- und das JBBL-Team vorerst weiter nur online trainieren können, dürfen die unter 14-Jährigen mittlerweile wieder in der Gruppe trainieren. Allerdings nur unter freiem Himmel. Und: Die Bälle müssen die Spieler selbst mitbringen, passen ist untersagt. Mit Normalität hat also auch das nichts zu tun. Doch Scheede will das Positive hervorheben: „Wir sind froh, dass sich die Kinder überhaupt wieder mal sehen.“

Die zentrale Frage lautet: Wann wird Basketballtraining, wie Spieler und Trainer es vor der Pandemie kannten, wieder möglich sein? Berov hofft, dass der BG-Nachwuchs bald wieder in die Halle kann. Der Stufenplan der Politik zum Weg aus dem Lockdown mache ihm Hoffnung. Vorausgesetzt, die Infektionszahlen bleiben niedrig. Dann sei er „guter Dinge, dass wir ab Anfang April in der Halle mit Kontakt trainieren können“, so Berov. „Das würde mich jedenfalls riesig freuen, vor allem für die Spieler.“

Fortsetzung des Spielbetriebs ist noch Zukunftsmusik

Wann der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden kann, steht noch mal auf einem ganz anderen Blatt. Wie die Spielzeiten in der NBBL und JBBL fortgesetzt werden könnten, werde derzeit im Hintergrund beraten. Andere Turnierformen oder Spiele an der frischen Luft seien eine Option. Doch bevor überhaupt wieder an Spiele zu denken sei, brauche es vier bis fünf Woche Zeit zur Vorbereitung, sagt Berov.

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Scheede hält Anfang April als Zeitpunkt für die Rückkehr ins Basketballzentrum und die anderen Trainingshallen für optimistisch. „Ich würde mich natürlich freuen, wenn es so kommt, aber wir sind in einer Situation, in der wir warten müssen, was die Politik vorgibt“, sagt er. „Wir sind auf der Zielstrecke und brauchen jetzt noch etwas Geduld. Ob wir im April oder im Mai wieder in die Halle können, ist dann auch egal.“ Hauptsache, die Nachwuchsbasketballer können bald wieder auf Korbjagd gehen. Es gibt viel nachzuholen.

Zukünftig Live-Spiele aus dem Nachwuchsbereich

Auch wenn die Nachwuchs Basketball Bundesliga (NBBL/U19) und die Jugend Basketball Bundesliga (JBBL/U16) gerade coronabedingt eine Zwangspause einlegen müssen, hat sich hinter den Kulissen einiges getan. Die Liga hat mit der sporttotal.tv GmbH einen Kooperationsvertrag abgeschlossen, der eine „umfassende Medialisierung“ bis 2027 vorsieht. Die Spiele sollen live und exklusiv übertragen werden. Der Vertrag sieht eine Laufzeit von sieben Jahren vor. Die NBBL geht den nächsten Schritt in Richtung Professionalisierung und schafft mit der Medialisierung der Nachwuchsligen eine vorher nie dagewesene Plattform für junge Basketballtalente.

„Zusammen mit sporttotal machen wir einen innovativen Schritt in die Zukunft. Die Medialisierung bietet unserem Nachwuchs in der NBBL und der JBBL die Möglichkeit, noch stärker wahrgenommen zu werden. Insbesondere unsere Vereine profitieren von der gesteigerten medialen Wahrnehmung“, sagt Uwe Albersmeyer, Geschäftsführer NBBLgGmbH. Davon profitieren auch die beiden Nachwuchsteam der BG Göttingen, aus denen im Dezember vergangenen Jahres die Sartorius Juniors und Sartorius Youngsters geworden sind. Aufgrund der Saisonunterbrechung sind die beiden Teams allerdings noch nicht unter ihrem neuen Namen angetreten.