10. Oktober 2019 / 18:24 Uhr

Göttingerin Pauline Bremer trifft für Deutschland – und ist rundum glücklich

Göttingerin Pauline Bremer trifft für Deutschland – und ist rundum glücklich

Eduard Warda
Göttinger Tageblatt
Pauline Bremer während des EM-Qualifikationsspiels gegen Griechenland im Laufduell mit der Gegenspielerin. Despoina Chatzinikolaou.
Pauline Bremer während des EM-Qualifikationsspiels gegen Griechenland im Laufduell mit der Gegenspielerin. Despoina Chatzinikolaou. © Imago
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Viel besser hätte es in den vergangenen Wochen für die Göttinger Profifußballerin Pauline Bremer nicht laufen können: Für Manchester City schießt sie Tore am Fließband, trifft im Länderspiel gegen Griechenland auch für die deutsche Nationalelf – und wird zur besten Spielerin der Partie gewählt.

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Pauline Bremer ist nach ihrem Comeback endgültig in der Frauen-Nationalmannschaft angekommen: Im EM-Qualifikationsspiel gegen Griechenland wurde sie nicht nur in der 59. Minute eingewechselt, sondern markierte das Tor zum 4:0 – und wurde später auf der DFB-Homepage von den Fans vor Klara Bühl und Dzsenifer Marozsan zur Spielerin des Spiels gewählt.

Bremer wäre aber nicht Bremer, wenn sie mit ihrem beeindruckenden Auftritt beim 5:0-Erfolg in Thessaloniki rundum zufrieden wäre. „Es hat Spaß gemacht, aber ich hätte auch gern die anderen Chancen verwandelt: den Kopfball oder den Schuss, der gegen den Pfosten ging“, sagt die 23-jährige Stürmerin aus Göttingen, die ihre Karriere in der Leinestadt bei der SVG begonnen hat.

Aber natürlich habe sie sich über ihren Auftritt gefreut, zumal sie gegen Griechenland ihren ersten Treffer in einem Länderspiel seit 2015 erzielte – damals war sie gegen Ungarn gleich dreimal erfolgreich, für den vierten Treffer benötigte sie rund viereinhalb Jahre. Ihr Comeback ist umso erfreulicher, als sie sich nach ihrem Wechsel von Olympique Lyon zu Manchester City einen komplizierten Beinbruch zugezogen hatte und erstmals wieder in der Rückrunde der vergangenen Saison zum Einsatz gekommen war.

Bremer drückt dem Spiel ihren Stempel auf

Dem Griechenland-Spiel drückte sie ihren Stempel auf, wie der DFB auf seiner Homepage schrieb – als sie eingewechselt wurde, kam wieder Schwung in die Partie. Krönung war der Treffer in der 75. Minute zum 4:0, ein Ball der immer länger wurde und sehenswert oben links einschlug. „Die Sache war, dass die Gegenspielerin mich festgehalten hat, aber ich wollte unbedingt zum Ball kommen und war froh über den Abschluss“, berichtet Bremer.

Festgestellt hatte sie zuvor, dass die Torhüterin relativ weit vor ihrem Gehäuse stand. Bremer weiter: „Ein ähnliches Tor habe ich neulich in der Champions League gegen Lugano erzielt, eine Art Chip-Ball über die Torhüterin“ – vielleicht entwickelt sich daraus ja eine Spezialität, der sogenannte Bremer...

So hat Pauline Bremer die Verletzung gemeistert

Schlechter hätte 2017 ihr Start bei Manchester City nicht laufen können: Kurz nach ihrem Wechsel auf die Insel brach sich Pauline Bremer ihr Bein in einem Zweikampf mehrfach, was eine monatelange Zwangspause nach sich zog. Mittlerweile ist die 23-Jährige wieder völlig hergestellt, vergessen ist der Schock aber noch nicht: „Neulich haben wir gegen Everton gespielt, und die gleiche Spielerin von damals war dabei. Das war ein seltsames Gefühl, aber danach ging es mit besser“, berichtet die Göttingerin. Erstmals wiedergesehen hatten sich die beiden bereits einen Tag nach dem Unfall, als Bremer von der Gegenspielerin im Krankenhaus besucht wurde.

Hin und wieder wird Bremer an das geflickte Schien- und Wadenbein erinnert: „Ich merke schon mal die Bruchstellen, das ist tagesabhängig. Und wenn ich einen Tritt an der Stelle abbekomme, nehme ich das schon wahr, aber es behindert mich gar nicht“, sagt sie. Die Verletzung habe dazu geführt, dass sie ihr Zweikampfverhalten geändert hat. „Ich bin in der Zweikampfführung cleverer geworden“, erzählt die 23-Jährige. „Früher bin ich teilweise blind reingerannt, jetzt habe ich gelernt, ein bisschen mehr auf meinen Körper zu achten.“

Beim 8:0 gegen die Ukraine hatte sie einige Tage zuvor 90 Minuten lang auf der Bank gesessen, aber die Göttingerin ist froh, nach der Verletzung überhaupt wieder zum Kader zu gehören. „Klar, wenn ich dabei bin, will ich auch spielen, aber die Trainerin hat die Qual der Wahl. Ich versuche immer, bereit zu sein und alles zu geben“, sagt Bremer.

Die Übungseinheiten von Bundestrainerin Voss-Tecklenburg findet die 23-Jährige „sehr gut. Sie weiß genau, was sie will, und möchte in jedem Training die Spielerinnen fordern und verbessern. Da hast das Gefühl, dass du was dazulernst.“

Voss-Tecklenburg kommt kaum an Bremer vorbei

Bremer war nach dem Sommer als Nachrückerin ins DFB-Aufgebot gerutscht – mittlerweile kommt Voss-Tecklenburg kaum noch um eine Nominierung herum, denn für Manchester City schießt die Göttingerin ein Tor nach dem anderen. „Ich hatte einen wirklich guten Monat bei Manchester, und durch die Berufung weiß ich auch, dass sie das mitkriegen“, sagt sie.

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Ihr aktuelles Erfolgsgeheimnis ist eine gute Saisonvorbereitung: „Die Fitness spielt eine große Rolle. Ich habe im Sommer viel gearbeitet, damit ich körperlich gut drauf bin, wenn die Saison startet. In der Vorbereitung habe ich keine Einheit verpasst“, sagt Bremer.

Das Resultat kann sich sehen lassen: „Ich fühle mich fit, freue mich über jede Nominierung und will sie immer wieder bestätigen, Woche für Woche meine Leistung bringen“, sagt die Göttingerin und ergänzt: „Ich habe einfach total große Lust, Fußball zu spielen. Wenn ich spiele, dann bin ich der glücklichste Mensch auf Erden, und ich denke, dass man das auch auf dem Platz sieht.“

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