17. Juli 2020 / 16:10 Uhr

Götze, Schürrle, Höwedes & Co.: Der Fall der Weltmeister von 2014

Götze, Schürrle, Höwedes & Co.: Der Fall der Weltmeister von 2014

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Mario Götze, André Schürrle und Benedikt Höwedes (v.li.): Alle drei sind Weltmeister – zwei von ihnen ohne Verein. Schürrle beendete jetzt sogar seine Karriere.
Mario Götze, André Schürrle und Benedikt Höwedes (v.li.): Alle drei sind Weltmeister – zwei von ihnen ohne Verein. Schürrle beendete jetzt sogar seine Karriere. © Getty Images/imago images/Icon SMI/Laci Perenyi/Gribaudi/ImagePhoto (Montage)
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Sechs Jahre nach dem WM-Titel in Rio de Janeiro sieht es für viele DFB-Helden düster aus – auch für den Schützen des goldenen Tores von 2014. Der SPORTBUZZER gibt einen Überblick.

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Es sind nur wenige Sekunden, in denen die beiden Hauptdarsteller der Szene im Maracana-Stadion von Rio zu Legenden des deutschen Sports werden. Es läuft die 113. Minute im WM-Finale 2014 gegen Argentinien, als der eingewechselte André Schürrle über die linke Seite durchbricht und in die Mitte flankt. Dort nimmt Mario Götze den Ball mit der Brust an und versenkt ihn volley im langen Eck. “Mach ihn, mach ihn – er macht ihn”, brüllte ARD-Mann Tom Bar­tels damals ins Mikro. Deutschland wurde zum vierten Mal Weltmeister – dank des Traumduos, das sechs Jahre später gemeinsam am Scheideweg der Karriere steht.

Der Schütze des goldenen Tores ist Anfang Juli vereinslos. Borussia Dortmund löste den Vertrag mit Schürrle auf, zahlte dem Offensiv-Allrounder, der zuerst zum FC Fulham und dann zu Spartak Moskau ausgeliehen war, sogar eine Abfindung von 2,5 Millionen Euro, um ihn loszuwerden. Jetzt erklärte Schürrle, der Vorbereiter von Götzes goldenem Tor, sogar sein Karriereende und fand dazu emotionale Worte. Der auslaufende Kontrakt von Götze beim BVB wurde wie angekündigt nicht mehr verlängert. Tatsächlich stehen die beiden stellvertretend für zahlreiche WM-Helden von 2014, bei denen es nach dem Titelgewinn in Brasilien fast nur noch bergab ging.

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Beispiel Kevin Großkreutz: Ließ sich den WM-Pokal auf die Wade tätowieren, spielte unter Thomas Tuchel beim BVB sportlich keine Rolle mehr und wechselte zu Galatasaray Istanbul, für das er aber nie eine Partie machte, weil Unterlagen zur Spielberechtigung fehlten. Nach einem halben Jahr in der Türkei hießen seine nächsten Stationen VfB Stuttgart und Darmstadt 98 – heute kickt Großkreutz in der 3. Liga beim KFC Uerdingen und trainiert nebenbei einen Bezirksligisten.

Beispiel Benedikt Höwedes: Beim Abwehrspieler dauerte es zwar etwas länger, aber auch der Mann, der bei der WM 2014 völlig überraschend keine einzige Minute verpasste, legte einen echten sportlichen Absturz hin. Domenico Tedesco rasierte ihn als Kapitän des FC Schalke 04, nach seiner Leihe zu Juventus Turin kam er bei der “Alten Dame” gerade mal auf drei Einsätze und wechselte 2018 zu Lokomotive Moskau. Dort löste er im Juni seinen Vertrag auf eigenen Wunsch auf und sucht aktuell einen neuen Klub – genau wie Götze.

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Höwedes hat mit 32 Jahren zumindest noch zwei, drei Saisons im Tank, Götze (28) und Schürrle (29) sogar noch einige mehr. Das Problem: Natürlich ließen sich die „Goldjungs“ auch ihre Verträge vergolden. So soll Götze beim BVB zuletzt bis zu 10 Millionen Euro pro Jahr verdient haben – für einen Ergänzungsspieler ein opulentes Gehalt. Sein Kumpel Schürrle generierte während seiner Laufbahn mit seinen Transfers 94 Millionen Euro an Ablöse – mehr als jeder andere deutsche Fußballer. Der Marktwert von Götze liegt bei 10,5, Höwedes ist laut transfermarkt.de noch 3 Millionen wert. Aber wie geht es jetzt weiter?

Löw über Götze: “Hoffe, dass er wieder in Form kommt”

Die Liste der angeblichen Interessenten – vor allem für Götze – ist lang. Allerdings heißen die Klubs nicht mehr FC Liverpool oder Real Madrid, sondern Hertha BSC oder AS Monaco. Spannend, ob der frisch gebackene Papa noch mal irgendwo durchstartet. Einer seiner größten Förder würde es ihm wünschen. Bundestrainer Joachim Löw sagte im Gespräch mit dem SPORTBUZZER vor Monaten: “Mit Mario verbindet mich für immer die WM in Brasilien. Wer das entscheidende Tor in einem WM-Finale schießt, ist im Fußball eine lebende Legende. Ob ich ihn abgeschrieben habe? Nein. Ich hoffe wirklich, dass er wieder in die Form kommt, in der er einmal war.”