29. Dezember 2022 / 19:29 Uhr

Granerud gewinnt Tourneeauftakt in Oberstdorf – Geiger fehlen 72 Zentimeter zum Podium, auch Wellinger stark

Granerud gewinnt Tourneeauftakt in Oberstdorf – Geiger fehlen 72 Zentimeter zum Podium, auch Wellinger stark

Lars Becker
RedaktionsNetzwerk Deutschland
 Halvor Egner Granerud (links) hat das Auftaktspringen der Vierschanzentournee in Oberstdorf gewonnen. Karl Geiger (kleines Bild oben rechts) und Andreas Wellinger landeten in den Top 10.
Halvor Egner Granerud (links) hat das Auftaktspringen der Vierschanzentournee in Oberstdorf gewonnen. Karl Geiger (kleines Bild oben rechts) und Andreas Wellinger landeten in den Top 10. © IMAGO/Eibner/dpa (Montage)
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Der Norweger Halvor Egner Granerud hat das erste Springen der Vierschanzentournee in Oberstdorf deutlich für sich entschieden. Mit Karl Geiger und Andreas Wellinger überzeugten zwei Deutsche. Markus Eisenbichler erlebte dagegen einen rabenschwarzen Tag.

Es war ein echtes Skisprungfest bei der Rückkehr der Zuschauerinnen und Zuschauer zur Vierschanzentournee nach drei Jahren Corona-Pause. 25.000 Fans sorgten in der ausverkauften Arena am Oberstdorfer Schattenberg mit einem Meer von schwarz-rot-goldenen Fahnen für Gänsehautstimmung. Die Begeisterung konnte Lokalmatador Karl Geiger beim dramatischen Auftakt der 71. Auflage des Skisprung-Grand-Slams jedoch nicht aufs Podest tragen. Auf Platz vier fehlten dem deutschen Hoffnungsträger jedoch nur winzige 1,3 Punkte (oder umgerechnet 72 Zentimeter) zum Happy End.

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"Schade, dass es mit dem Podest nicht ganz geklappt hat, aber ich bin zufrieden mit dem Tag", kommentierte Geiger und fügte hinzu: "Der Granerud springt einfach irre. Der war auf einem ganz anderen Level als die anderen." Der Norweger Halvor Egner Granerud flog in beiden Durchgängen trotz verkürzten Anlaufs jeweils zur Bestweite und distanzierte den zweitplatzierten Polen Piotr Zyla um stolze 13,4 Punkte. Sogar 17,5 Zähler zurück war der bislang so dominante Gesamtweltcup-Spitzenreiter Dawid Kubacki auf Platz drei.

Geiger hat jetzt schon 10,5 Meter Rückstand auf Granerud

Geiger reist sogar mit 18,8 Punkten Rückstand auf Granerud zum Neujahrsspringen nach Garmisch-Partenkirchen – das sind umgerechnet knapp 10,5 Meter. Den ersten deutschen Tourneegesamtsieg seit Sven Hannawalds Triumph vor 21 Jahren will Geiger nach einer von vier Stationen trotzdem noch nicht aufgeben: "Granerud muss das erst mal durchbringen."

Eine steil aufsteigende Formkurve zeigte genau wie Geiger auch der nach dem ersten Durchgang noch viertplatzierte Doppelolympiasieger Andreas Wellinger auf Rang sechs: "Das ist mein bestes Ergebnis in Oberstdorf. Ich bin sauzufrieden." Der Sunnyboy lobte die begeisternde Kulisse: "Mit Fans im Rücken macht es noch viel mehr Spaß. Und je mehr wir die anderen ärgern können, umso mehr Spaß macht es."

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Bundestrainer Horngacher zufrieden: "Gibt Hoffnung für den Rest der Tournee"

Der Wind spielte wie so oft in Oberstdorf eine Hauptrolle. Zunächst blies im ersten Durchgang eine Brise von hinten, die viele Springer früh auf den Boden drückte. Vor Andreas Wellinger verbesserten sich die Bedingungen und der Doppelolympiasieger nutzte das mit einem umjubelten Flug auf 135 Meter hervorragend aus. Lokalmatador Karl Geiger segelte anschließend sogar auf 136,5 Meter und brachte den Zuschauerkessel zum Brodeln. Doch die Topfavoriten Dawid Kubacki (140,5) und Halvor Egner Granerud trotz verkürzten Anlaufs (142,5) pulverisierten diese Weiten noch mal.

Auch im zweiten Durchgang wurde der Wind vor den besten sechs Springern plötzlich turbulent. Eine fast zwanzigminütige Pause stellte auch die Nerven von Andreas Wellinger und Karl Geiger auf eine echte Probe. Geiger zeigte mit 134 Metern einen Supersprung – doch einmal mehr übertraf der überragende Granerud mit 139 Metern die Weiten der Konkurrenz deutlich. Bundestrainer Stefan Horngacher war trotzdem zufrieden: "Wir sind wieder ein Stück näher an die Weltspitze herangekommen. Unsere Formkurve zeigt nach oben, das gibt Hoffnung für den Rest der Tournee."

Eisenbichler enttäuscht auf ganzer Linie

Das gilt allerdings nicht für all seine Flieger. Einen der bittersten Tage seiner Skisprungkarriere erlebte der sechsmalige Weltmeister Markus Eisenbichler, der nach einem 115-Meter-Hüpfer im K.-o.-Duell des ersten Durchgangs sensationell gegen den Türken Fatih Arda Ipcioglu scheiterte. "Ich hab's probiert und bin sauenttäuscht. Es nervt, wenn man so schlecht springt wie seit Jahren nicht. Ich muss mit den Trainern reden, ob es Sinn macht, mich weiter zu quälen."

Vielleicht war dieser schwache Auftritt schon der letzte von Eisenbichler bei dieser Tournee – er will mit den Trainern darüber sprechen, ob er auf das Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen und den Rest des Skisprung-Grand-Slams verzichtet. Auch Pius Paschke blieb mit dem Aus im ersten Durchgang unter seinen Möglichkeiten – genau wie Stephan Leyhe (20.) und Constantin Schmid (29). Newcomer Philipp Raimund konnte mit Platz 14 direkt vor Titelverteidiger Ryoyu Kobayashi (Japan) dagegen zufrieden sein.

In der Pause zwischen den Durchgängen wurde Severin Freund unter dem Jubel der Fans verabschiedet. Der Mannschaftsolympiasieger und letzte deutsche Gesamtweltcupsieger hatte mit dem Weltmeistertitel im Team vor zwei Jahren in Oberstdorf seinen letzten großen Triumph gefeiert. Auch bei der Tournee siegte er 2015 am Schattenberg – das blieb seinen deutschen Nachfolgern an diesem stimmungsreichen Tag versagt.

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