01. November 2019 / 15:45 Uhr

Premier League inside: Warum die Pfiffe gegen Arsenal-Kapitän Granit Xhaka falsch sind

Premier League inside: Warum die Pfiffe gegen Arsenal-Kapitän Granit Xhaka falsch sind

Hendrik Buchheister
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Arsenal-Kapitän Granit Xhaka hat sich mit den Fans des Premier-League-Klubs angelegt.
Arsenal-Kapitän Granit Xhaka hat sich mit den Fans des Premier-League-Klubs angelegt. © Getty Images/Montage
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Arsenal-Kapitän Granit Xhaka hat sich mit den Fans angelegt und steht deshalb in der Kritik. SPORTBUZZER-Kolumnist Hendrik Buchheister kann den Ärger der Gunners-Anhänger nicht nachvollziehen.

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An einen Mannschaftskapitän werden in England ganz besondere Erwartungen gerichtet. Er muss eine Führungspersönlichkeit sein, auf dem Platz und daneben, er muss über einen tadellosen Charakter verfügen, die Kapitänsbinde und das Trikot des Vereins ehren wie einen Goldschatz – und er muss es ganz offensichtlich ohne Gefühlsregung über sich ergehen lassen, dass ihn die eigenen Fans beleidigen.

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Zoff bei Arsenal: Xhaka pöbelt gegen Fans zurück

Granit Xhaka, seit dieser Saison Kapitän des FC Arsenal, steht in den vergangenen Tagen schwer unter Beschuss durch die britischen Medien, denn er verstieß gegen diese Grundsätze. Er akzeptierte es nicht, dass ihn das heimische Publikum bei seiner Auswechselung am letzten Wochenende gegen Crystal Palace (2:2) ausbuhte. Stattdessen pöbelte er zurück, mit wilden Gesten und rüden Worten. “F* off!”, soll er beim Gang in die Kabine gerufen haben, während er sich das Trikot vom Körper riss. Deshalb fand zuletzt gerade ein öffentliches Tribunal gegen ihn statt.

Was wurde aus den "Invincibles" des FC Arsenal?

Vieira, Pirés, Henry und Cole - sie gehörten zu den Leistungsträgern bei den Invincibles, der legendären Arsenal-Mannschaft der Saison 2003/04, die in der Premier League in allen 38 Meisterschaftsspielen ungeschlagen blieb. Aber was machen Sie heute? Der <b>SPORT</b>BUZZER hat sich auf Spurensuche begeben. Zur Galerie
Vieira, Pirés, Henry und Cole - sie gehörten zu den Leistungsträgern bei den "Invincibles", der legendären Arsenal-Mannschaft der Saison 2003/04, die in der Premier League in allen 38 Meisterschaftsspielen ungeschlagen blieb. Aber was machen Sie heute? Der SPORTBUZZER hat sich auf Spurensuche begeben. ©

Natürlich: Der Ex-Mönchengladbacher ist umstritten wegen seiner Leistungen, und er hätte sicher auch eleganter auf den Unmut von den Rängen reagieren können. Dennoch ist sein Frust verständlich. In einem Statement auf Instagram und Twitter hat er gerade von heftigen Beschimpfungen gegen ihn und seine Familie berichtet, auch in den Sozialen Medien. Das muss sich kein Fußballer gefallen lassen.

Trainer Unai Emery brachte keinen Fortschritt

Auch unabhängig von diesen Angriffen waren die Pfiffe im Stadion gegen Xhaka ignorant und arrogant. Ignorant deshalb, weil sie verkennen, dass Arsenal Probleme hat, die weit über einzelne Spieler hinaus gehen. Trainer Unai Emery hat es nicht geschafft, die Mängel aus der Zeit seines Vorgängers Arsène Wenger zu beheben. Dem Team fehlt eine erkennbare Idee, in der Defensive herrscht Chaos, die Personal-Rochaden des spanischen Übungsleiters sind rätselhaft. Xhaka ist für die Fans nur ein Sündenbock.

Arsenal-Trainer Emery: Xhaka hat einen Fehler gemacht

Arrogant waren die Pfiffe, weil sie eine falsche Anspruchshaltung offenbaren. Arsenals Zuschauer gelten als größtes Operettenpublikum der Premier League, das zu spät kommt, weit vor dem Abpfiff geht und die meiste Zeit dazwischen schweigend verbringt. Die Fans erwarten, dass sie unterhalten werden, tragen aber wenig zur Unterstützung der Mannschaft bei. Da ist es nachvollziehbar, dass Xhaka sauer wird.

Schaden zwischen Xhaka und Fans irreparabel?

In seiner Mitteilung auf Instagram hat sich Xhaka erklärt. Er hat dargelegt, warum er die Kontrolle über seine Gefühle verloren hat. Offen um Entschuldigung gebeten hat er nicht. Das muss er auch nicht. Es sind die Fans, die ihr Verhalten ändern müssen. “Lasst uns positiv zusammen nach vorne blicken”, schrieb Xhaka.

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Es wird interessant zu sehen sein, ob das gelingt, ob sich das Verhältnis zwischen den Zuschauern und ihrem Kapitän reparieren lässt. Am Samstag gegen die Wolverhampton Wanderers wird es diese Gelegenheit jedoch nicht geben. Emery strich Xhaka aus dem Kader und stellte gar in Frage, ob der Schweizer Kapitän bleibt. Eine Entscheidung darüber will er in den nächsten Tagen fällen.

Die weisesten Worte zu diesem unwürdigen Schauspiel fand übrigens Arsenals Verteidiger Héctor Bellerín. “Wir sind alle nur Menschen, wir haben alle Gefühle. Wir gewinnen nur, wenn wir zusammenhalten”, schrieb er bei Twitter. Das war ein gelungener Appell an die Fans, sich nicht auf einzelne Spieler einzuschießen – und stattdessen einen positiven Beitrag zum Erfolg zu leisten.