22. Februar 2019 / 06:34 Uhr

Ex-Cottbuser Gregg Berhalter sucht Talente für US-Team

Ex-Cottbuser Gregg Berhalter sucht Talente für US-Team

Ronny Müller
Märkische Allgemeine Zeitung
Gregg Berhalter soll das US-Team zur Weltmeisterschaft 2022 in Katar führen. Wichtiger Eckpfeiler seiner Mannschaft ist der Noch-Dortmunder Christian Pulisic.
Gregg Berhalter soll das US-Team zur Weltmeisterschaft 2022 in Katar führen. Wichtiger Eckpfeiler seiner Mannschaft ist der Noch-Dortmunder Christian Pulisic. © imago/Icon SMI
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Gregg Berhalter ist als neuer amerikanischer Nationaltrainer fünf Tage in Deutschland. Dabei besucht er die Spiele von Werder Bremen (gegen den VfB Stuttgart), Borussia Mönchengladbach (gegen den VfL Wolfsburg) und Borussia Dortmund (gegen Bayer Leverkusen), um seine Schützlinge zu sichten.

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Nur fünf Tage verbringt Gregg Berhalter aktuell in Deutschland. Der neue Fußball-Nationaltrainer der Vereinigten Staaten von Amerika ist gekommen, um sich Spiele der US-Auswahlspieler anzuschauen. Für die Partie seiner beiden deutschen Ex-Vereine bleibt allerdings keine Zeit. Am Samstag (14 Uhr) erwartet Energie Cottbus in der 3. Liga den TSV 1860 München zum Aufsteigerduell. Während die Lausitzer auf Abstiegsplatz 18 rangieren, stehen die Löwen im Mittelfeld auf Platz elf.

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15 Jahre als Profi in Europa

Dass die beiden ehemaligen Bundesligisten in der 3. Liga aufeinandertreffen, findet Berhalter schade. Von 2002 bis 2006 hatte der Innenverteidiger für den FC Energie gespielt. Am letzten Spieltag der Saison 2005/06 gewann Cottbus mit 3:1 gegen 1860 München und sicherte sich so den Aufstieg in die Bundesliga. Ein Tor steuerte Berhalter bei. Es sei eine schöne Zeit in Cottbus gewesen, sagt der 45-Jährige. „Ich hoffe, dass Cottbus irgendwann wieder in der 2. Bundesliga spielt.“

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Klickt Euch durch die Galerie der 50 ehemaligen Spieler von Energie Cottbus. ©

Nach dem Aufstieg war der Amerikaner zu 1860 München gewechselt und spielte noch drei Jahre in der 2. Bundesliga. Den „Blauen“ traut Berhalter langfristig sogar noch mehr zu als die 2. Bundesliga. „In der Bundesliga würde es spannende Derbys mit den Bayern geben.“

"Wir müssen das Vertrauen der Fans zurückgewinnen"

Nach 15 Jahren als Profi in Europa mit Stationen in den Niederlanden, England und Deutschland kehrte Berhalter 2009 in die USA zurück und ließ seine Karriere bei Los Angeles Galaxy ausklingen. Anschließend arbeitete er als Trainer in Schweden bei Hammarby IF und zuletzt fünf Jahre als Sportdirektor und Trainer bei Columbus Crew in der Major League Soccer. Berhalter holte den Club aus dem Dornröschenschlaf und empfahl sich für höhere Aufgaben. Im Dezember 2018 verkündete der US-Fußballverband die Verpflichtung Berhalters als neuen Nationaltrainer.


Erstmals seit 1986 hatte die Auswahl 2018 eine Weltmeisterschaft verpasst. Damit sei eine große Chance verpasst worden, bedauert Berhalter. „Die Amerikaner lieben die Weltmeisterschaft. Wir müssen das Vertrauen der Fans zurückgewinnen.“ Berhalter, der einst 44 Länderspiele absolvierte und an zwei Weltmeisterschaften teilnahm, will das mit attraktivem Fußball schaffen. „Unser Ziel ist eine gute Entwicklung und die Teilnahme an der Weltmeisterschaft 2022 in Katar.“ Ber-halter sieht dafür eine gute Basis: „Die Nationalmannschaft hat ein gutes Niveau. Unsere Liga hat die sechstmeisten Zuschauer weltweit und der Fußball wird jedes Jahr populärer.“

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Um diesen Trend zu verfestigen, bedarf es einer Mannschaft mit Perspektive. Und die will Berhalter mit akribischer Arbeit aufbauen. Dafür schaut sich der Nationaltrainer mit seinem Stab weltweit zahlreiche Talente an. Allein in der Bundesliga und der 2. Bundesliga gibt es 18 US-Amerikaner. „Wir haben eine Gruppe von 30 bis 35 Spielern, die wir intensiv beobachten und Videos von jedem Spiel ansehen“, erzählt Berhalter.

Berhalter begrüßt Wechsel von Pulisic nach England

Am Mittwochabend hat er sich die Champions-League-Partie zwischen Schalke 04 (mit Weston McKennie) und Manchester City angeschaut. Heute Abend ist er in Bremen, wo der SV Werder (mit Aron Johansson und Joshua Sargent) den VfB Stuttgart empfängt. Samstag reist Berhalter nach Mönchengladbach – Borussia (mit Fabian Johnson) spielt gegen den VfL Wolfsburg (John Anthony Brooks).

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Das vielleicht größte Talent des US-Fußballs schaut sich der Coach am Sonntag an. Borussia Dortmund tritt mit Christian Pulisic gegen Bayer Leverkusen an. Nach vier Jahren beim BVB wechselt der 20 Jahre alte Offensivspieler im Sommer zum FC Chelsea in die englische Premier League. Berhalter kann diesen Schritt nachvollziehen: „Die Premier League war immer sein Traum. Christian hat sich in Dortmund sehr gut entwickelt, nun ist ein guter Zeitpunkt für den nächsten Schritt.“

Herthas Klinsmann braucht Spielpraxis

Vermutlich wird auch Jonathan Klinsmann im Sommer den Verein wechseln. Der US-Torhüter spielt seit eineinhalb Jahren für Hertha BSC, blieb bisher aber ohne Bundesligaeinsatz. Der Vertrag des 21-Jährigen läuft aus. „Spielpraxis ist das wichtigste, nur so bekommt man Erfahrung“, sagt Berhalter mit Blick auf Klinsmann.

Auch Zweitligist Union Berlin hat einen Profi, der für das US-Team spielen könnte. Der gebürtige Berliner Lennard Maloney hat einen amerikanischen Vater und war schon einmal zu einem Lehrgang der U20 eingeladen. „Natürlich kenne ich Lennard“, sagt Berhalter. „Aber es ist schwierig ihn einzuladen, wenn er nicht spielt.“ Der 19-Jährige kam bisher erst einmal in der 2. Bundesliga zum Einsatz. Aber vielleicht hat Berhalter bald einen Grund nach Berlin zu kommen. Er will mit den US-Legionären in Deutschland engen Kontakt halten.