20. November 2020 / 17:30 Uhr

Gregor Schlierenzauer über Markus Eisenbichler, die Skisprung-Saison und Corona-Einschränkungen

Gregor Schlierenzauer über Markus Eisenbichler, die Skisprung-Saison und Corona-Einschränkungen

Stefan Döring
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Voller Fokus auf die neue Saison: Österreichs Topspringer Gregor Schlierenzauer.
Voller Fokus auf die neue Saison: Österreichs Topspringer Gregor Schlierenzauer. © imago images
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Der österreichische Skispringer Gregor Schlierenzauer sieht sich selbst auf dem Weg zurück zu alter Stärke. Folgt in diesem Winter nach über sechs Jahren der nächste Weltcup-Sieg? Darüber spricht er im SPORTBUZZER-Interview - zudem äußert er sich zu Markus Eisenbichler und Ex-Bundestrainer Werner Schuster.

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Sechs Jahre ist es inzwischen her, dass der einstige Überflieger Gregor Schlierenzauer ein Weltcup-Springen gewinnen konnte. Dabei ist er mit 53 Siegen immer noch einsame Spitze in der Geschichte des Skispringens. In dieser Saison soll es endlich wieder klappen mit einem Sieg. Zumindest sieht er sich selbst auf einem guten Weg, wie er im SPORTBUZZER-Interview erzählt. Und: Österreichischer Meister ist er vor ein paar Wochen bereits geworden. Sein Pendant auf deutscher Seite ist Markus Eisenbichler, den der inzwischen 30-Jährige "Schlieri" vor dem Saisonstart mit dem ersten Springen am Samstag im polnischen Wisla als heißes Eisen im Kampf um Siege sieht.

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SPORTBUZZER: Gregor Schlierenzauer, im Sommer hat Sie ein Infekt einige Zeit aus der Bahn geworfen. Wie groß ist der Einfluss auf die Winter-Vorbereitung gewesen?

Gregor Schlierenzauer: Gott sei Dank nicht so groß, auch wenn ich drei Wochen kürzertreten musste. Interessanter waren da die Regelungen im Herbst, ob und wie trainiert werden durfte. Wir haben da in Österreich aber gute Möglichkeiten gehabt.

Inwiefern beeinflusst Sie die Coronavirus-Pandemie?

Als Spitzensportler wird man auch daran gemessen, wie man so drauf ist. Bei mir ist Gott sei Dank gesundheitlich nichts dazwischen gekommen, aber auch wir müssen die ganzen Einschränkungen mit Respekt mittragen und das Beste aus der Situation machen. Es haben ja alle die gleichen Voraussetzungen. Wir waren dieses Jahr zum Beispiel in der Vorbereitung nicht in Norwegen im Trainingslager. Aber wir haben ja rund um Innsbruck auch gute Möglichkeiten, um Ski zu springen. Ansonsten waren die alltäglichen Einschränkungen bisher nicht so schlimm, wenngleich die sozialen Kontakte stark eingeschränkt waren. Wir müssen alle unseren Teil zur Eindämmung der Pandemie beitragen. Wie das nun im Weltcup aussieht, wird sich zeigen. Fest steht, dass man nur an den Wettkämpfen teilnehmen kann, wenn man gesund ist. Ich glaube, die FIS hat alles dafür getan, dass wir möglichst viele Wettkämpfe durchführen können.

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Durch das fehlende Trainingslager sind Sie nur auf Matten gesprungen. Wie groß wird die Umstellung sein, in Wisla wieder auf Schnee zu landen?

Auch in den vergangenen Jahren sind wir lange auf Matten gesprungen und mussten uns dann an den Schnee im Aufsprunghang gewöhnen. Die Umstellung bekomme ich innerhalb eines Tages gut hin. Als Österreicher vielleicht sogar noch schneller als andere (lacht).

Besonderheit ist, dass Mitte Dezember mit der Skiflug-WM schon der erste Höhepunkt des Jahres ansteht. Normalerweise wird erst gegen Ende der Saison geflogen.

Es ist allemal spannend, dass wir schon vor der Vierschanzentournee schon eine Weltmeisterschaft ausfliegen. Das hat Einfluss auf die Vorbereitung. Es gilt aber wie immer: Ich muss mich egal auf welcher Schanze möglichst schnell und gut an die Begebenheiten anpassen. Von Vorteil ist sicherlich, dass wir am Anfang der Saison alle im Vollbesitz unsere Kräfte sind.

In den vergangenen Jahren hatte sich das Kräfteverhältnis im Weltcup etwas verschoben und die erfolgsverwöhnten ÖSV-Springer wie Sie waren nicht mehr ganz so erfolgreich. Ändert sich das in diesem Winter?

Ich kann und will da nur für mich sprechen: Ich hatte eine gute Vorbereitung und hoffe, wieder ganz nach oben zu kommen. Ich habe gute Grundlagen geschaffen, mit denen ich in die Top 15 kommen möchte. Wenn ich daran wachse und in einen guten Wettkampf-Rhythmus komme, kann es weiter nach vorn gehen.

Wie schaffen Sie es nach so vielen Jahren im Weltcup, den Sie einst dominierten und dann eine tiefe Talsohle durchschreiten mussten, sich überhaupt noch zu motivieren bei Plätzen im Mittelfeld?

Ich bin Leistungssportler, ganz einfach. Natürlich gibt es Tage, an denen es mir schwerfällt. Aber diese Tage hat jeder von uns – egal in welchem Job. Für mich fühlt es sich richtig an diesen Weg weiter zu gehen und ich glaube daran, dass ich wieder oben anschließen kann. Wenn es so einfach wäre, hätte ich es schon früher gemacht. Ich habe im Sommer ein paar tolle Bestätigungen bekommen. Aber nach oben zu kommen, geht schwerer, als zu fallen. So ist das leider. Dem ordne ich alles unter.

"Eisenbichler ist sehr, sehr stark"

Wer ist denn aus Ihrer Sicht aktuell eigentlich "oben"?

Das ist in diesem Jahr wirklich schwer zu sagen, weil wir keine Vergleiche aus dem Sommer haben. Für mich sind es die üblichen Verdächtigen, die auch in den vergangenen Jahren vorn waren. Die haben es ja nicht verlernt. Aus deutscher Sicht wird Markus Eisenbichler sehr, sehr stark sein. Und ich will da auch einen Schritt hin machen. Ich bin weiter als letztes Jahr – ob mir der Schritt nach ganz vorn gelingt, wird sich zeigen.

Ex-Bundestrainer Werner Schuster ist seit über ein Jahr ihr persönlicher Trainer. Wie funktioniert die Zusammenarbeit derzeit?

Er ist immer noch mein persönlicher Betreuer in technischen Fragen und wir haben den Sommer über hart gearbeitet. Mit unserem neuen Cheftrainer hat das super funktioniert. Werner ist ein wichtiger Baustein in meiner Karriere – und er war immer für mich da.